Korn - Requiem

Review

Soundcheck Februar 2022# 4 Galerie mit 22 Bildern: Korn auf dem M'era Luna 2017

KORN sind mit ihrem brandneuen Album “Requiem“ zurück und liefern damit ein musikalisches Highlight des neuen Jahres. Der Titel ist passend gewählt, denn normalerweise hält die katholische Kirche ein “Requiem“, um Verstorbenen zu gedenken. In KORNs Fall repräsentiert das Album eine musikalische Wiedergeburt ihrer selbst.

“Start The Healing“

“Start The Healing“ erschien bereits als Vorab-Single, erhält aber nicht nur dadurch eine Sonderstellung. Das Musikvideo zum Song entstand unter der Regie von keinem geringeren als Tim Saccenti, der schon Videos für DEPECHE MODE gedreht hat. Der Clip ist eine düstere Kombination aus Live-Action- und Animations-Sequenzen, welche das Konstrukt von Tod und Wiedergeburt darstellen. Saccenti selbst sagt über das Video: “Die Idee hinter dem Video war, den Aspekt von Korns DNA mutieren zu lassen und darzustellen, was sie so einflussreich und inspirierend macht: Ihre Mischung aus roher Urgewalt, bewegender Ästhetik und menschlicher Emotion“.

Musikalisch gesehen repräsentiert “Start The Healing“ genau das. KORN arbeiten mit einem luftigen, aber eindrucksvollen Riff mit großer Wirkung. Sie wissen genau, wo die perfekte Balance zwischen Brutalität und Melodie liegt und so ist der Song definitiv ein Highlight auf “Requiem“.

Ein neuer Anfang: “Forgotten“

“Requiem“ beginnt mit der kürzlich erschienenen Single “Forgotten“. Der Track ist KORN-typisch durch sehr rhythmische Riffs und exzentrischen Vocals geschmückt. Die Band zeigt hier, dass sie fähig dazu ist, zwischen den Genres Rock, Metal und Alternative hin und her zu springen, um damit ihren einzigartigen Sound zu kreieren. Der darauf folgende Song “Let The Dark Do The Rest“ ist epischer als sein Vorgänger, denn das schnelle Riff wirkt in Kombination mit sphärischen Synthies größer.

“Requiem“ ist brutal, aber verspielt

Mit “Lost In The Grandeur“ wird es etwas härter. Der Anfang ist verspielt und deutlich langsamer. In Kombination mit experimentellem Gesang sorgt das für einen nicht zu durchbrechenden Flow und strotzt dadurch nur so vor Energie.

Mit dem Hit “Disconnect“ bleibt es groovig. Das kommt durch den 6/8-Takt und vor allem den konstanten Wechsel aus Minimalismus und Brutalität. KORN wussten schon immern wie man sich in einem musikalischen Licht- und Schattenspiel bewegt, um die perfekte Balance zu finden. Dies drückt die Band lyrisch ebenfalls aus: “I could never let go the concept of dark and light. One tries to pull me in, one gives me strength to fight“. In der Bridge findet die Aggression ihren Höhepunkt und erinnert an eine komplexere Version des LIMP BIZKIT-Hits “Eat You Alive“.

Die Gratwanderung

Die nächsten drei Tracks “Hopeless And Beaten“, “Penance To Sorrow“ und “My Confession“ haben eine metallischere Note. Erneut meistern KORN die schmale Gratwanderung zwischen klanglichen Wahn und gut durchdachten Songwriting-Strukturen.

“Penance To Sorrow“ handelt vom Kampf gegen Depressionen und wie man ihnen nicht entkommen kann: “Outside I am looking for an answer ’cause inside is gone“. Thematisch gesehen ist “Requiem“ durchgehend düster und hoffnungslos.

“My Confession“: Ein Spiegel der Gesellschaft

Direkt ab der ersten Sekunde bedient “Penance To Sorrow“ alle typischen KORN-Trademarks. Einer ihrer größten Vorteile ist, dass sie ihr musikalisches Umfeld als Alleinherrscher regieren.

“My Confession“ handelt thematisch von der naturgegebenen Boshaftigkeit des Menschen. Thomas Hobbes hätte gegen die folgenden Lyrics wohl nichts einzuwenden: “Hey there can you see me?/ Can you feel me?/ You are lost in your ego/ You don’t like this, you deny it“. KORN kritisieren den inhärenten Egoismus der Menschen und ihren Drang, Konfrontationen und Kritik aus dem Weg zu gehen.

“Requiem“ endet mit den Wurzeln der Band

Der letzte Track, “Worst Is On Its Way“, ist gut platziert, denn er steht für sich. Der Song beginnt wie der Soundtrack eines Horrorfilms. KORN kombinieren tief gestimmte Gitarren mit Soundeffekten, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Der Song wirkt wie ein dunkles Omen der Zukunft: “I feel it breathing and I realize that the worst is on its way“. Diese Untergangsstimmung verpackt die Band auch in gewohnt brachialer Soundwand.

Der Bass glänzt das gesamte Album über mit einer gewohnten, unverkennbarer Härte. Jonathan Davis zeigt derweil, warum nur wenige an seine gesangliche Leistung herankommen. Der fließende Wechsel zwischen wahnsinnigen Clean-Vocals und rohen Shouts steht für sich.

Eine Hommage an “Freak On The Leash“

“Worst Is On Its Way“ könnte außerdem eine Hommage an den bisher größten Hit der Band sein. Die einzigartige Geräuschkulisse des Gesangs findet mit einem sehr ähnlichen Muster wie bei “Freak On The Leash“ ihren Platz.

Alle Songs auf “Requiem“ sind ähnlich strukturiert. Trotzdem sind sie keinesfalls langweilig, denn KORN zeigen, dass sie wissen, was sie tun und die durch Covid neu gewonnene Zeit hat dem Album gutgetan. Wie schon im Video zu “Start The Healing“ angekündigt, beginnt mit diesem Album eine neue Ära von KORN. Sie haben ihre ursprüngliche DNA zwar nicht hinter sich gelassen, sie jedoch definitiv zu etwas Größerem mutieren lassen.

28.01.2022

Der metal.de Serviervorschlag

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