Korn - The Nothing

Review

Galerie mit 22 Bildern: Korn auf dem M'era Luna 2017

Nachdem die Nu-Metal-Pioniere KORN zuletzt mit „The Serenity Of Suffering“ unter anderem bei uns zwar gut wegkamen, an anderen Stellen aber eher desillusioniertes Kopfschütteln hervorriefen, folgt mit „The Nothing“ nun der nächste Schlag in unveränderter Besetzung. Einem neuen Album der US-Amerikaner dürften selbst eingefleischte Fans heuer eher mit Skepsis begegnen, immerhin haben sich die Herren jüngst in zum Teil echt zweifelhaften Experimenten verkalkuliert oder einfach nur Mittelmaß abgeliefert. Kehrt die Band nun zu alter Stärke zurück, wie so oft versprochen?

Nein, nicht wirklich. Aber das muss nichts zwangsläufig Schlechtes sein. Im Vorfeld von „The Nothing“ erfolgte nämlich bekanntermaßen noch der Solo-Ausflug „Black Labyrinth“ von Jonathan Davis, der scheinbar an einigen Stellen von „The Nothing“ leichte Spuren in Form von atmosphärischen Passagen hinterlassen hat. Und ein bisschen von dessen vergleichsweise unbeschwerter Tanzbarkeit haben KORN auch mitgenommen. Die weist Fieldys markantem Bass-Geknorze zwar eine Alibi-Funktion zu, doch angesichts des Songmaterials lässt sich das sogar ganz gut verkraften.

KORN schwingen… das metallische Tanzbein??

Es ist sicher kein Zufall, dass das 13. Album der US-Amerikaner 13 Tracks hat und an einem Freitag den 13. erscheint. Mehr als ein edgy Gag scheint das um „The Nothing“ herum aber nicht zu sein. Denn inhaltlich fahren KORN ihren mittlerweile längst zur Gewohnheit gewordenen Pessimismus-Stiefel**, der nun aber eben wie „Black Labyrinth“ auch in lockere Metal-Keulenschwinger gestopft worden ist. Dadurch klingt der Fünfer anno 2019 deutlich befreiter und unverkrampfter als zuletzt. Man addiere dazu die angesprochene, atmosphärische Seite, und bekommt gelungene weil ausgeglichene Ohrwürmer wie „The Darkness Is Revealing“.

Noch mehr in diese Schiene gerät ein „The Seduction Of Indulgence“, das mit interessantem, perkussivem Rhythmus aufwartet, während sich Davis köstlich und zugegeben auch ein bisschen cheesy durch den Song schmachtet – leider ist der Song viel zu kurz. Beides trifft auch auf den Rausschmeißer „Surrender To Failure“ zu. „Finally Free“ bringt fast luftige Reverse-Gitarren ins Spiel, die den Song auch stimmungsvoll eröffnen. Zunächst hat man fast das Gefühl, dass KORN jetzt in Richtung Shoegaze abdriften, doch dann wandelt sich der Track in einen wenn auch wiederum schön atmosphärischen Stampfer um, bei dem Davis ein paar der poppigeren Hooks liefert.

„The Nothing“ zeigt wieder nach oben

Über den Rest der Spielzeit bieten die US-Amerikaner grundsolide Kost, bei der an den rechten Stellen ordentlich Härte injiziert worden ist, bei der an anderen Stellen große Melodien Steilvorlagen für große Hooks liefern. So richtig vergreifen sich KORN dabei kaum im Ton, sondern schustern fast durchgehend an ihren eigenen Leisten. Es sind natürlich ein paar vereinzelte Albernheiten dabei wie das Beatboxing in „The Ringmaster“, das auch auf einem der käsigeren LIMP BIZKIT-Ergüsse gepasst hätte, oder der cheesy Rap-Versuch in „H@rd3r“ (nebst natürlich dessen 1337-Titel); beides aber nur kurze Momente in ansonsten wiederum soliden Tracks.

Qualitativ klopfen die Nu-Metal-Veteranen also wieder oben an, kommen aber noch nicht ganz über die Türschwelle. Dafür fehlen noch die absoluten Hochpunkte, bzw. im Kontext gerade des früheren Œuvres der Band gesprochen: die emotionalen Tiefpunkte, welche die Leistung der Band so richtig tief in der Magengrube einschlagen lassen. Als Entschädigung bekommt der Hörer jedoch ein erfrischend locker aus der Hüfte gespieltes No-Nonsense-Album, gerade im Vergleich mit der neueren Diskografie der US-Amerikaner. Für Nu-Metal-Nostalgiker ohnehin Pflichtprogramm, aber selbst die, die es (nicht) werden wollen, können der Platte sicher was abgewinnen.

**Nachtrag d. Red.: Tatsächlich handelt es sich weder beim „Pessimismus“ noch (wohl) um die 13, um die sich „The Nothing“ lose dreht, um Zufälle, oder wie ich pietätlos schrieb: einen Gag. Tatsächlich verarbeitet Jonathan Davis hier lyrisch den Tod seiner Frau, sodass diese Elemente wiederum Sinn ergeben.

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12.09.2019

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