Lunar Shadow - The Pall Of A Past World

Review

Galerie mit 11 Bildern: Lunar Shadow - Party.San Metal Open Air 2022

Mit dem Mantra ‘Expect the unexpected!’ war man bei LUNAR SHADOW schon seit jeher gut beraten. Nachdem der Auftritt auf dem Party.San 2022 ursprünglich der letzte Live-Gig sein sollte und ebenfalls lange nicht klar war, ob das 2021er-Album “Wish To Leave” noch einen Nachfolger bekommt, stand die Band um Songwriter und Gitarrist Max Birbaum im vergangenen Herbst auf einmal in Athen auf der Bühne. Ein gutes halbes Jahr später veröffentlichen LUNAR SHADOW zunächst digital und ohne Promo-Vorlauf einen ganzen Longplayer mit dem klangschönen Namen “The Pall Of A Past World”.

LUNAR SHADOW: Gewohnter Bruch mit Erwartungshaltungen

Wer die Social-Media-Auftritte von der Band verfolg hat, weiß, dass die bisherige Besetzung künftig nur noch live auftreten wird. Im Studio übernimmt Birbaum nun neben der Gitarre auch alle Gesänge und den Bass und lässt sich lediglich von Jonas Zeidler (FIRMAMENT) an den Drums und Chris Splith an den Keyboards unterstützen. Die Konstellation ist so ähnlich schon von dem Solo-Ausflug DRENNAN WHYTE bekannt. Die Hinzunahme eines Keyboarders setzt einige spannende Akzente und untermauert die deutlich wahrnehmbare Seventies-Prog-Atmosphäre, verwässert aber keinesfalls die typischen LUNAR-SHADOW-Trademarks. Doch dazu später mehr.

“The Pall Of A Past World” zeigt LUNAR SHADOW einerseits in einem neuen Gewand und führt gleichzeitig die wesentlichen Charakterzüge aller bisherigen Alben plus der Solo-EP zusammen. Soll heißen: Das Album hat die mystische, entrückte Atmosphäre des Debüts “Far From Light”, die ausgeklügelten und detailverliebten Arrangements von “The Smokeless Fires” sowie die emotionale Dichte und das unbekümmert-unkonventionelle Vorgehen von “Wish To Leave”. Dass Birbaum bei DRENNAN WHYTE schon mal Lead Vocals gesungen hat, kommt ihm hier zu gute. Obwohl man sich bei vertrauter melodischer Handschrift an eine leicht andere Stimmfarbe gewöhnen muss und Robert Röttig ein echter Charaktersänger ist, gelingt ihm eine abwechslungsreiche und charismatische Performance, die den Texten glaubhaft Ausdruck verleiht.

Sechs eskapistische Rock-Epen

Während “Wish To Leave” den typischen LUNAR-SHADOW-Sound mit deutlichen Anleihen von Post Punk und Indie anreicherte, zeigt “The Pall Of A Past World” Max Birbaums Vorlieben für Siebziger- und Frühachtziger-Prog so deutlich wie nie zuvor. Die Atmosphäre erinnert oft an Bands wie RUSH, WISHBONE ASH, ASHBURY oder “Chase The Dragon”-MAGNUM. Durch den gelegentlichen Einsatz von Synthies und Hammond-Orgeln blitzen häufiger auch die Schweden HÄLLAS auf.

Diese klare Ausrichtung fügt sich wunderbar leichtfüßig mit allen bisherigen Trademarks zusammen. Die bekannte Gitarrenarbeit, die gerne mal Göteborg-Riffing und SACRAMENTUM-Melodien in ihre Heavy-Metal-Riffs einschiebt, verbindet alles ganz natürlich – nur etwas bluesiger und auf halber Zerre gespielt. Besonders erwähnen müssen wir auch Studio-Drummer Jonas Zeidler, der dem großartig produzierten Album eine weitere, authentische Classic-/Prog-Rock-Note gibt.

Die Quintessenz von LUNAR SHADOW?

Egal, ob beim von mystischen Klängen einer Koto eingeleiteten Opener “The Cormorant”, der folkig-verträumten Gänsehautnummer “The Ventures Of Bombadil”, dem zwischen MERCYFUL FATE und Breitwand-Rock mäandernden “The Long Sleep” oder dem melancholisch einkehrenden “The Reveries Of God” – LUNAR SHADOW spielen virtuos wie ein Jongleur mit den Elementen großer Fantasy-Rock- und Metal-Klassiker und geben diesen stets einen eigenen, unverkennbaren Charakter. Die Abschlussepen “The Red Lion” und “The Sun Crusher” sind zudem stärker im Stile der ersten beiden Alben gehalten und erinnern zeitweise an Songs wie “Hadrian Carrying Stones”, “Hawk Of The Hills” oder “The Darkness Between The Stars”.

In der Art und Weise, wie es völlig ohne Furcht sein Ding durchzieht und unterschiedliche Einflüsse logisch miteinander kombiniert, ist “The Pall Of A Past World” nicht nur ein tolles Epic-Metal-Album, das einen für 47 Minuten die Gegenwart vergessen lässt. Es ist ein wunderschöner Gegenentwurf zur zeitgeistigen Massenabfertigung und in der Lage, der Rockmusik eine ganze Menge seines ursprünglichen Zaubers zurückzugeben.

29.04.2026

Redakteur

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