Lunar Shadow - Wish To Leave

Review

Soundcheck März 2021# 18 Galerie mit 17 Bildern: Lunar Shadow - Hammer And Iron Festival 2020

LUNAR SHADOW sind nicht wie andere Bands. Was auf den ersten Blick lange Zeit wie eine für das Label Cruz Del Sur nicht untypische Epic-Heavy-Metal Band aussah, war in Wahrheit ein rasendes Gebräu aus großen Melodien, epischen Songstrukturen und kauzigen Vocals; aus Achtziger-Metal und Frühneunziger-Melodic-Death gleichermaßen. Und vor allem: Aus Melancholie und Melancholie. Speziell ihr letztes, zweites Album “The Smokeless Fires” (2019) überzeugte mit liebevoller Traditionspflege gleichermaßen wie dem Willen, Grenzen zu nichten. Schon seinerzeit machten sich zunehmend introspektive und im besten Sinne des Wortes “erwachsene” Ansätze zwischen der ATLANTEAN-KODEX-Epik und den “The Jester Race”-Gitarren bemerkbar.

Wohin die Reise nun geht, erfahren wir mit dem neuen, püntklich im Zwei-Jahres-Takt veröffentlichten Album “Wish To Leave”. An diesem, so ist Hauptsongwriter und Gitarrist Max Birbaum überzeugt, werden sich die Geister scheiden. Oft spricht eine solche Aussage für massive Umgestaltung eines bekannten Bandsounds. Und sind wir mal ehrlich, ist das nicht der ultimative Abtörner für jeden Fan?

LUNAR SHADOW auf neuen Pfaden?

Klar, in den Neunzigern hat so etwas reihenweise Bands das Genick gebrochen. Nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich an die häufig durchwachsenen Eskapaden von Legenden wie etwa JUDAS PRIEST oder KREATOR erinnert. Aber heute ist alles anders: Die Leute sind aufgeschlossener, BLASPHEMY und HAWKWIND spielen quasi auf den gleichen Festivals und überhaupt gibt es immer mehr Bands, die verschiedenste Metal-Genres mit Post Punk, Post Rock oder Wave verbinden. ‘Sekunde, Post Punk? Wave? Nicht auch noch LUNAR SHADOW!’, werden manche Kutten auf Beinen nun sagen. Dabei kommt es eigentlich gar nicht so überraschend, dass der mit “Roses” (von “The Smokeless Fires”) eingeschlagene Weg jetzt intensiviert wird. Man kann nun entweder wie ein eingeschnapptes Kind bocken und von “Trends” krakeelen oder aber lässt sich vorurteilsfrei auf die Möglichkeiten, die Musik zur eigenen Horizonterweiterung bietet, ein.

Dabei haben sich LUNAR SHADOW gar nicht allzu weit von ihren bekannten Trademarks entfernt. Hinter den Melodieführungen erkennt man zweifelsfrei die musikalische Handschrift von Birbaum und auch die warme, sehr eigenständige Stimme von Robert Röttig ist nicht zu verwechseln. Nur passt sie auf “Wish To Leave” noch besser zum Songmaterial, das härtetechnisch und strukturell deutlich entschlackt wurde. Den größten Teil der Platte sind die Gitarren höchstens angezerrt und bewegen sich stattdessen in ätherischen Sphären, was gemeinsam mit dem stark verhallten Gesang ein homogenes, entrücktes Klangbild kreiert. Zur Illustration: Stellt euch eine Mischung aus IRON MAIDENs “Somewhere In Time” mit “Excerpts From A Future Past” der Schweden HÄLLAS vor.

Trotz dieser Tatsache ist bereits nach wenigen Sekunden deutlich zu hören, dass der Opener “Serpents Die” ein Song von LUNAR SHADOW ist. Bei “And Silence Screamed” kann man sogar recht klar erkennen, dass er eigentlich für das vorige Album bestimmt war und für “Wish To Leave” etwas umarrangiert wurde. Famos ist, dass Riffing und Melodien immer noch deutliche Metal- und Hard-Rock-Roots aufweisen, aber eben in einer eher an Indie oder eben Post Punk erinnernden Spielweise arrangiert und produziert wurden.

Scheuklappen ab für “Wish To Leave”

Die Stärke von “Wish To Leave” besteht in den emotionalen Extremen, die es abzudecken vermag. Vom beklemmenden “Serpents Die” über das eher beschwingte “Delomelanicon” (Highlight!) hin zum Epos “The Darkness Between The Stars” zeichnet das Album Sehnsucht und Isolation in den verschiedensten Farben – Melancholie kann so viel mehr, als nur grau sein. Definitiver Höhepunkt ist das stimmungsvolle “To Dusk And I Love You”, das nach verrauchter Kneipe, leicht beschwipstem Heimweg und wohliger Einsamkeit klingt und stilistisch komplett das Raster sprengt.

Ergo kann man vor der kreativen Selbstsicherheit und der stilistischen Vielfalt, die insgesamt dennoch schlüssig wirkt, nur den Hut ziehen. Es ist zutiefst bedauerlich, dass LUNAR SHADOW beschlossen haben, außer der nachzuholenden Show auf dem Party.San wohl nie mehr live zu spielen. Denn die intime und verträumte Musik von “Wish To Leave” lädt geradezu ein, in einem kleinen Club mit zu viel Zigarettenrauch und geschlossenen Augen genossen zu werden. Vielleicht besteht die Magie von “Wish To Leave” aber in der Wirkung der Vorstellungskraft, die den Kopf nicht verlassen kann.

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12.03.2021

Redakteur

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1 Kommentar zu Lunar Shadow - Wish To Leave

  1. casualtie78 sagt:

    „The smokeless fire“ war/ist n sehr gutes Album,läuft noch immer hin und wieder bei mir. Die 2 vorab veröffentlichten Songs machen Lust auf „Wish to leave“. Bin gespannt aufs ganze Album.