Root - Kärgeräs - Return From Oblivion

Review

Kollege Endres schrieb in einem früheren ROOT-Review von einer „sinistren morbiden Atmosphäre“, und genau diese Umschreibung trifft auch heute noch zu, vielleicht sogar mehr denn je. Auf ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum „Kärgeräs – Return From Oblivion“ zelebrieren die tschechischen Urgesteine ihren dunklen Metal auf sehr beeindruckende Art und Weise. Und eines ist Tatsache: Ob nun auf Platte oder live, man kann sich der Faszination vom Big Boss kaum entziehen.

Dreißig Jahre schräg und faszinierend anders

Denn kaum ein Sänger intoniert seine Songs so morbide, heroisch und unglaublich fesselnd wie Jiri Valter, faszinierend. Und dabei ist es relativ egal, ob die Band Richtung alte THERION („Life Of Demon“), uralte MANOWAR („Osculum Infame“) oder AJATTARA („Moment Of Fright“) schielt. Der Big Boss thront über jedem einzelnen Song wie eine Buddha-artige Statue. Richtig schön schräg wird es teilweise natürlich auch, nachzuhören bei „The Book Of Death“. Hier hat man irgendwie manchmal das Gefühl, teilweise zwei Songs gleichzeitig zu hören. Aber genau solche Experimente machen ROOT aus, dafür hört man ja schließlich diese Band. Im Mittelteil des Konzeptalbums wird es dann so richtig ruhig und balladesk, aber nicht minder fesselnd. „Moment Of Hope“ ist ein aufs Wesentlichste reduzierter Akustik-Song im BATHORY-Stil, ganz stark! Und das regelrecht zerbrechlich wirkende „The Key To The Empty Room“ glänzt mit seiner äußerst sparsamen Instrumentierung. Das erinnert von der ganzen Atmosphäre her schon etwas an TYPE O NEGATIVE. Mit dem Instrumental „Up To The Down“ hat sich zwar auch ein Füller eingeschlichen, das sei aber angesichts der Qualität des restlichen Materials verziehen. Denn mit dem hardrockigen „New Empire“ und vor allem mit dem beschwörend düsteren „Do You Think Is It The End?“ hat „Kärgeräs“ auch hinten raus noch jede Menge Qualität zu bieten.

Mit ROOT muss man sich schon intensiver beschäftigen und in den Kosmos der Tschechen eintauchen. Die Herren machen auch auf „Kärgeräs“ nichts irgendwie neu oder besonders spektakulär. Dafür ist man oft ein bisschen schräg unterwegs, und genau deswegen faszinierend anders. Von ihren Black-Metal-Wurzeln haben sich ROOT mittlerweile nahezu vollständig verabschiedet und sich dem düsteren Heavy Metal verschrieben. Aber wenn einen der Big Boss einmal gefesselt hat, wird das Entkommen äußerst schwierig. Möge er uns noch lange erhalten bleiben!

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25.11.2016

Der metal.de Serviervorschlag

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