Sacroscum - Drugs & Death

Review

Galerie mit 13 Bildern: Sacroscum auf der "Emissary Of All Plagues"-Releaseparty von Revel In Flesh 2016

Endlich Feierabend und gleich ab in den Proberaum. Alltag? Der kann mich mal ganz gepflegt! Noch rasch ein Bierchen vernichten, Instrumente einstöpseln und auf geht’s. Endlich wieder frei! Nach genau diesem Gefühl klingt „Drugs & Death“, das Debüt von SACROSCUM. Die Scheibe hat nun zwar auch schon ein Jahr auf dem Buckel, ist uns aber damals ganz offensichtlich durch die Lappen gegangen. Da bietet sich der nun anstehende Vinyl-Release natürlich für ein Review absolut an.

Die seit drei Jahren aktiven Memminger haben mit ihrem thrashigen und leicht crustigem Black Metal zwar keinesfalls den Stein der Weisen gefunden, gehen aber mit jeder Menge Herzblut ran an die Sache und verkörpern ganz gekonnt den Underground. Dieses feine Angepisst-Sein verbunden mit einer regelrecht räudigen Attitüde zieht sich durch „Drugs & Death“ komplett durch.

SACROSCUM ballern frei von der Leber weg

Da ist schon das eröffnende „Initium“ eher ein kurzer und knackiger Kracher als ein Intro. Und genauso geht es auch weiter, immer dreckig, aber immer mit Stil. Und das Ganze wird immer wieder cool mit etwas Crust in feinen Dosen angereichert. Auch stimmlich sind die Jungs schön angepisst und giftig unterwegs. „Autoerotic Thanatophilia“ mit seinem schmutzigen Galopp, das thrashig rockige „Vermin“ oder aber „Gutter.Moloch.God“ mit seinem coolen schwarzen Gebretter. Das war alles schon mal da, logisch, trotzdem ist es einfach gut gemacht. SACROSCUM ballern einerseits sehr geradlinig und ohne überflüssige Schnörkel, andererseits aber auch richtig gut strukturiert, abwechslungs- und ideenreich. Die einzige Konstante? Immer schön in die Fresse!

Das ist so die typische Mucke, wo sich ein paar Jungs nach der einen oder anderen Hopfenkaltschale einfach mal ganz gepflegt den ganzen Ärger und Stress aus den Knochen schütteln. SACROSCUM schaffen es wunderbar, dieses einzigartige Proberaum-Feeling auf Vinyl zu bannen. Glattpolierter Sound, jeder Ton wurde 50mal editiert und sitzt nun endlich perfekt? Nee danke, roh und räudig muss es sein!

Der Ausreißer der Scheibe ist ganz klar „Skin Canvas“, hier kommt ein gehöriger Schuss Heavy Metal mit ins Spiel. Der Song ist wirklich richtig cool geworden, davon beim nächsten Mal gerne mehr. Denn gerade die melodiösen Parts bringen jedes noch so ungelenke Metaller-Tanzbein zumindest zum Zucken.

Thrashiger und crustiger Black Metal mit jeder Menge räudigem Stil

Und wer beim Ausklang des abschließenden „MCLXVI“, neben „Skin Canvas“ der zweit melodischste Song, mal einfach so an „Perennial Quest“ von DEATH erinnert, der kann eigentlich gar nicht verlieren. Außerdem ist so ein Abschluss der Probe auch äußerst praktisch für den Rest der Band. Schließlich kann hier der Drummer schon mal den Bier-Nachschub sicherstellen.

„Drugs & Death“ schmeckt so richtig schön alt, und zwar im Sinne von „Wie früher bei Oma“. Und das die verdammt gut kochen konnte, versteht sich von selber. SACROSCUM setzen nicht nur auf stumpfes Geballer, sondern schreiben richtige Songs, sehr löblich. Also falls ich da mal in der Nähe sein sollte und die Jungs proben gerade, dann ziehe ich mir das auch jeden Fall mal rein. Macht bestimmt jede Menge Laune!

22.12.2018

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3 Kommentare zu Sacroscum - Drugs & Death

  1. der holgi sagt:

    Alle Jahre wieder…

    …befreit sich der extreme Metal von seiner über die Jahre angedienten Poliertheit, was Anfang der 90er der räudige BlackMetal aus Skandinavien war, ist wohl heute nicht zum letzten mal eben Sacroscum: Die Rückbesinnung auf den Proberaum.

    Natürlich ist das nix für Kopfhörerkonsumenten, und ganz bestimmt ist das alles schon x-mal dagewesen, aber das selbe, also das letztere, trifft auf all die technischen Wunderwerke im extremen Metal auch zu. Und dort, wo die einen den schnellsten Gitarrenlauf der Welt exerzieren, das vertrackteste Drumming am Rechner „erfinden“, sind auf der anderen Seite die Krawallos am Werk, im Probenkeller, zwischen Bierflaschen, Kippen, semi-optimalen Equipment, aber den Arsch voller Freude am Krawall schlagen.

    Beide Seiten haben ihre Berechtigung.

    Sacroscum sind genial, ich werde mir diese Scheibe kaufen, so wie ich Ende der 80er, Anfang der 90er all jene VÖs von Bands gekauft habe, die in der Mehrzahl in den Jahren danach zu grossartigen und technisch höchst versierten Kombos herangewachsen sind.

    Geiles Gekloppe.

    8/10
  2. nili68 sagt:

    Die rohe Energie, das Kompromisslose gefällt mir durchaus, aber kann man das Ganze nicht etwas.. ähem interessanter gestalten? Dann wär’s aber vermutlich nicht mehr dasselbe..

    1. FiveDigitCreature sagt:

      Steht das 68 bei nili68 eigentlich für das Geburtsjahr? Reine Neugierde…