Sear Bliss - Letters From The Edge

Review

Galerie mit 3 Bildern: Sear Bliss - Dark Easter Metal Meeting 2016

Setzen wir doch mal eine begriffliche Ausgangsbasis für die Betrachtung von „Letters From The Edge“, dem neuen Album von SEAR BLISS: Kitsch. Ein allgegenwärtiges und meist hilfreiches Online-Lexikon definiert Kitsch als „[…] zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters minderwertigen Gefühlsausdruck.“

SEAR BLISS – kitschig oder stimmungsvoll?

SEAR BLISS, die seit 1995 aktive Atmospheric Black Metal-Formation, hat sich im Laufe ihrer Karriere sowohl auf der ernsthaft-stimmungsvollen Seite, als eben auch, ganz im Sinne der einführenden Definition, auf der plakativ-kitschigen Seite dieser Spielart wiedergefunden und getummelt. Das Leben ist halt ein Drahtseilakt.

Das Zünglein an der Waage ist dabei oftmals das unverkennbare Trademark der Band, der Einsatz von Hörnern, Posaune oder Keyboard-Elementen. Dabei waren SEAR BLISS noch nie Meister der Subtilität, was Atmosphäre und Stimmung angeht – meist reiben die Ungarn eben diese Instrumentierung der Hörerschaft so direkt ins Gesicht, das man schnelle eine gewisse Plumpheit unterstellen kann – einen zu aufgesetzten Gefühlsausdruck eben. Denn leider ist es SEAR BLISS viel zu selten gelungen, einen wirklich glaubwürdigen Einsatz dieser Elemente erreichen – NEGURA BUNGET haben vorgemacht, wie es gehen kann.

Denn auch wenn man SEAR BLISS nach über zwanzig Jahren noch streckenweise über ihr starkes Debüt „Phantoms“ und die ersten Alben definiert werden, so muss sich die Band halt auch Werke wie „The Arcane Odyssey“ zurechnen lassen – ein Album, das zwar seine Momente hat, aber doch eher auf der kitschigen Seite der Diskographie steht. So richtig hat man sich in all den Jahren halt nicht von den bemerkenswerten Anfangstagen emanzipieren können.

„Letters From The Edge“ – kein Ausreißer in der Diskographie

Aber wo kann man nun „Letters From The Edge“ einordnen? Ganz salomonisch: Irgendwie im Mittelfeld der Diskographie. Und im Mittelfeld der Veröffentlichungen dieses Genres – denn das neue Werk von SEAR BLISS hat vieles anzubieten – im Guten, wie im nicht-ganz-so-Guten, im kitschigen, wie im ernsthaft-stimmungsvollen. „A Mirror In The Forest“ ist ein Dark Metal-Stück, das an selige MOONSPELL erinnert , „Seven Springs“ hingegen ist so folkig-bemüht, dass man lauf „Humppa“ ausrufen möchte. „The Main Divide“ versucht es zu direkt und brachial, „Forbidden Doors“ mit eingesprochener Passage eher im Stile von CRADLE OF FILTH. „Leaving Forever“ hat einen latenten ENSLAVED-Einschlag, „Abandoned Peaks“ klingt wie ROTTING CHRIST mit Tröten.

Überhaupt: Viel auf „Letters From The Edge“ hat einen gehörigen Mid-1990er-Vibe. Wer also gern mal nostalgisch wird, der findet auf diesem Album viel Material für eine entspannte Rückschau ins letzte Jahrhundert.
Und vielleicht liegt da auch – Kitsch hin oder her – der eigentliche Knackpunkt von „Letters From The Edge“: Das achte Album von SEAR BLISS liefert, was man von eben dieser Band erwarten durfte – eine umfassende Zitatsammlung, eingegossen in den bandeigenen SEAR BLISS-Style. In diesem Kontext gelungen, einen Anspruch auf höhere Weihen kann man damit allerdings nicht stellen.

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27.08.2018

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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1 Kommentar zu Sear Bliss - Letters From The Edge

  1. Schraluk sagt:

    ‚Sear Bliss‘ nun also mit ihrem achten Longplayer. Und wie schon in all den Jahren weiss ich nicht, wie ich das Ganze einschätzen soll. Richtig schlecht ist auch ‚Letters From The Edge‘ nicht, dies gilt eigentlich für jedes Album. Aber so richtig catchen tut mich das Ganze auch nicht. Während ich den sparsamen Einsatz von Posaunen, Keyboards und dergleichen bei den zurückliegenden Platten immer noch ganz spannend fand, übernehmen sie mir hier viel zu viel die Überhand. Schade. Denn mangelnden Ideenreichtum kann man den Ungarn kaum attestieren, allerdings überziehen sie diesmal gehörig. Neben folklorigen Tracks wie ‚Seven Springs‘, straighten Kopfspaltern wie ‚Forbidden Doors‘, getragenen und schon fast schmierigen Meloiebögen wie bei ‚Haven‘, endet die Platte mit der Single ‚Shroud‘, einem poppigen Stück mit Querverweis zu zig unbedeutenden Melodic Death Metal Bands insbesondere aus deutschen Landen. Wers Mag.

    4/10