



Sieben auf einen Streich – so könnte das diesjährige Motto der schwedischen Prog-Metaller SOEN lauten. Ist “Reliance“ doch das siebte Studioalbum aus dem Hause SOEN nach dem 2023er Album “Memorial“. Doch was kann die siebte Scheibe des Quintetts?
Ganz ohne Gefrickel und Überlänge
“Reliance“ punktet vor allem mit Verlässlichkeit. Auch der siebte Output aus der Schmiede der fünf Schweden hat keine großen Überraschungen in der Hinterhand. SOEN bleiben sich insofern schon treu, als dass es keine Songtitel gibt, die aus mehr als einem Wort bestehen. Auffallend auch, dass der Weg, der seit der “Imperial“ eingeschlagen wurde, konsequent weiterverfolgt wird.
Wie schon Kollege Fenske in seinem Review zur “Memorial“ festgestellt hat: Wer “vertracktes Gefrickel“ und überlange Songs sucht, wird hier nicht bedient werden. Die Titel sind gar noch kürzer geworden, kein einziger kratzt mehr an der fünf Minuten Marke, zwei befinden sich sogar unter vier Minuten Laufzeit. Hat man diesen Punkt erst einmal innerlich abgehakt und seine innere Erwartungshaltung entsprechend ausgerichtet, bekommt man schon mit dem ersten Titel “Primal“ den gewohnten SOEN-Sound, über dem die markante Stimme von Fronter Joel Ekelöf schwebt wie eine Möwe über der Brandung.
Wer jetzt jedoch denkt, “Reliance“ besteht nur aus einer Aneinanderreihung von öden Balladen, der irrt. Songs wie “Primal“, “Draconian“ oder “Axis“ gehen ordentlich nach vorne, gerade der letztgenannte Titel drückt ungewohnt, aber nicht unwillkommen aufs Gaspedal. Die großen Highlights auf “Reliance“ sind jedoch die beiden vorab veröffentlichten Singles “Discordia“ und das anfangs nur auf Klavier und die unverwechselbare Stimme von Joel Ekelöf reduzierte “Indifferent“. Komplett unterschiedlich arrangiert, schöpfen SOEN bei beiden Titeln das Gänsehautpotenzial voll aus und brillieren.
Wo SOEN draufsteht, ist auch SOEN drin
SOEN liefern mit “Reliance“ wie gewohnt Perfektion in Sound, Stimmung und Performance. Entspanntes zurücklehnen und in Melancholie baden sind garantiert. Einzig der große Prog-Faktor ist nicht mehr wirklich zu finden. Je nach Erwartungshaltung also wieder ein kleines Juwel aus dem Hause SOEN.

Soen - Reliance
Sonja Schörg
Soen - Soen, Neues Album 2026, Reliance, Vinyl, LP [Vinyl LP]































Die Kompetenz der Musiker und der Joels Gesangskünste sind unbestritten, allerdings ertappe ich mich selbst bei jedem neuen Album mit einer leichten Form von Enttäuschung und langsam schwindendem Interesse. Lotus hatte ich noch frenetisch gefeiert, auch das darauf folgende Imperial konnte durch bewusste Stiländerungen überzeugen. Memorial klang dann auch eine nicht einfach zu bennende Art generisch und gleichförmig, und als ich das erste mal Reliance in seiner Gänze gehört hatte, musste ich mich immer mal wieder vergewissern, dass das auch das neue Album war und ich nicht ausversehen wieder Memorial abgespielt hatte – So wenig neu klingt das alles hier. Alles wirklt entweder stampfend oder balladesk, oder beides zugleich, und sicherlich gibt es hier und da interessante Elemente (Der Riff bei Discorida z.B.), aber insgesamt herrscht doch irgendwie eine an Langeweile grenzende rhythmische und kompositorische Einförmigkeit in den Songs vor, die wenig Lust darauf macht, sich das ganze nochmal anzuhören. Nach dem ersten Durchgang war ich enttäuscht, dass sich so gut wie gar nichts festgehakt hat. Mag sein, dass das Ganze durch mehrere Hörduchrgänge besser wird, aber im Moment bleibt bei mir leider der Eindruck: Die Band macht jetzt das zweite, fast identische und recht uninteressante Album in Folge. Sie entwickelt sich nicht, bzw. bewegt sich immer mehr in eine Richtung Stampfigkeit und Gleichförmigkeit, die mit dem, was mich an Lotus so fanziniert hatte, eigentlich gar nichts mehr zu tun hat. Da das ganze natürlich trotzdem noch auf einem hohen Niveau stattfindet, kann man von „schlecht“ nicht reden und ich gebe noch 6 Punkte, aber irgendwie… naja … so uninteressant eben.
Unterschreibe ich so. Ich mag das Album, aber eigentlich ist es jetzt schon das dritte oder vierte, was sehr ähnlich ist und wenig Überraschungen bietet. Kann man alles so machen, wirkt aber irgendwann austauschbar und noch ein Album in dem Stil braucht es dann nicht. Aber auch das Album ist für sich sehr angenehm zu hören.