The Tangent - Not As Good As The Book

Review

Progressive Rock hat bisher jedem Jahrzehnt gleich in vielfacher Hinsicht seinen Stempel aufgedrückt. Die psychedelisch-düstere Phase der 70er, kunstvoll gestalteter Neo-Prog in den 80ern oder ausufernder, harter, anspruchsvoller Prog-Metal der Neuzeit. PINK FLOYD, GENESIS, YES, RUSH, MARILLION, DREAM THEATER, PAIN OF SALVATION – sie alle waren wichtig für die Entwicklung der Musik, brachten neue Innovationen und begeistern zum Teil noch heute mit ihrer Leidenschaft. Diese Bands zelebrieren Musik am Limit, als Kunst, nicht als Spielzeug, und selbst die härtesten aller Metalheads finden unter ihnen irgendeine, die sie in Erstaunen versetzt.

THE TANGENT versuchen, wie all diese Bands auf einmal zu klingen. “Not As Good As The Book“ ist ein Doppelalbum mit 90 Minuten Länge, und alles, was sich der geneigte Prog-Fan nur wünschen kann, wird er hier finden. Sozusagen eine Zeitreise durch die Welt der unkonventionellen Rockmusik. Die Klischees (nicht im negativen Sinne), mit denen einige Bands von Album zu Album experimentierten, sind hier gebündelt und kompakt auf einem Werk vereint. Futuristische Parallelwelten, psychedelisches Seelenunheil, melodische Hoffnungsschimmer – abgesehen von wirklich brutal-metallischen Augenblicken kann man hier eigentlich alles finden.

Natürlich – die Beschreibung klingt ganz und gar großartig, so als hätte man quasi die Definition von 40 Jahren Rockgeschichte vor sich liegen. Ganz so eindeutig ist die Situation dann aber doch nicht, denn bei all dem, was einem an der stilistischen Vielfalt und dem großen Einfallsreichtum so begeistert, fehlt THE TANGENT aus rein kompositorischer Sicht die Genialität der Vorbilder. Und Nachteil Nummer zwei ist, dass die Stimmungsvielfalt zu einem großen Teil auf mich etwas ermüdend und erschöpfend wirkt. Die Scheibe will irgendwie traurig machen, froh stimmen, Hoffnung schenken, zum Nachdenken anregen und noch so viel mehr – aber sie will das alles auf einmal und irgendwann schaltet der Gefühlsapparat ab, weil er nicht mehr mitkommt. Die Stimmungen wirken in diesem Verwirrspiel nicht intensiv genug, fesseln einen nicht auf Dauer, weil der Wechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt.

Das kann man natürlich auch komplett anders sehen und sich aufgrund der überschäumenden Vielfalt ins Nirwana freuen, etwa die beiden 20-Minuten-Longtracks mit jeder Sehne seines Körpers genießen – dazu muss man aber ein beinharter Progger sein – und sehr viel Aufnahmefähigkeit besitzen.

29.02.2008

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