Tiles - Fly Paper

Review

Besser kann man ein Cover-Artwork nicht gestalten! Sticht einem zunächst vor allem die Doppeldeutigkeit des Wortes „Fly Paper“ ins Auge, werden bei genauerer Betrachtung die politischen Dimensionen des Motivs deutlich. Ein Papierflieger über New York – völlig harmlos und unbedeutend, aber seit dem 11. September 2001 dennoch der Inbegriff einer verborgenen Bedrohung. Vielleicht stellt auch der Inhalt der Zeitung, aus der das fliegende Objekt gefaltet wurde, den entsprechenden Sprengstoff dar.
Einige der tiefgründigeren Interpretationsmöglichkeiten eröffnen sich dem Betrachter erst auf den zweiten oder dritten Blick. Das Gefühl menschlicher Verwundbarkeit transportiert das in düsteren Farben gehaltene Bild jedoch vom ersten Moment an. Hier wird nicht mit Plakativität gearbeitet, sondern mit scheinbarer Schlichtheit, eindringlich statt aufdringlich. Das ist auf seine Weise ganz große Kunst!

Doch eigentlich sollte der Schwerpunkt dieser Rezension auf der anderen, der musikalischen Kunstfertigkeit der Band liegen. Und auch die kann sich durchaus sehen lassen. TILES geben eine exzellente Mischung aus progressiver Rockmusik und vereinzelten Metal-Einsprengseln zum Besten, meist ausgesprochen melodisch und immer songorientiert. Wildes Instrumentalgefrickel sucht man hier vergeblich, die gitarrenorientierten Kompositionen sind straff gehalten und ufern selbst in den beiden Achtminütern „Dragons, Dreams & Daring Deeds“ und „Hide & Seek“ nicht aus.
In Szene gesetzt wird das Ganze von Produzent Terry Brown, der unter anderem bereits mit RUSH gearbeitet hat und für einen gleichermaßen klaren wie natürlichen Sound sorgt. Stellenweise würde man sich etwas mehr Druck wünschen, ansonsten gibt es jedoch an der Aufnahmequalität nichts auszusetzen. Vermutlich dürfte Terry Brown auch den Kontakt zu Alex Lifeson hergestellt haben. Der RUSH-Gitarrist veredelt „Sacred And Mundane“ mit seinem charakteristischen Gitarrenspiel.

Mit namhaften Gastmusikern hausieren zu gehen, haben TILES dabei eigentlich nicht nötig. Die Mannen um Gitarrist und Hauptsongschreiber Chris Herin verstehen ihr Handwerk und bringen ihre Songs hervorragend auf den Punkt. Catchy Hooklines dominieren das Geschehen, was im Falle von „Crowded Emptiness“ sogar bis hin zu radiotauglichem Pop-Appeal reicht, ohne dadurch in allzu seichte Gewässer abzudriften. Das Niveau bleibt stets gewahrt.
Vielleicht mag der ein oder andere Song nicht hundertprozentig zünden. Vielleicht hätte die Band auch den Härtegrad durchaus noch ein wenig steigern können. Wer jedoch klassischem Prog-Rock voller Melodien, Herz und Verstand etwas abgewinnen kann, der sollte dieses Album einmal anchecken. Denn hier wurde mit viel Liebe zum Detail vorgegangen und – im Gegensatz zu vielen Genre-Kollegen – von überladenen Liedungetümen deutlich Abstand genommen. Ein starkes Album – und für das eingangs erwähnte Cover-Artwork gibt’s noch einen Bonus-Punkt.

02.02.2008

Der metal.de Serviervorschlag

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