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UFO - The Chrysalis Years (1980 - 1986)

Review

Es war mit Sicherheit eine verdammt mühsame und wohl auch ungemein komplizierte Situation für die britische Formation den Ausstieg ihres Gitarrenhelden Michael Schenker zu verkraften. Schließlich trug der blonde Deutsche sehr viel zum Erfolg des Live-Albums „Strangers In The Night“ bei, das es im Erscheinungsjahr 1979 bis in die britischen Charts bis auf Platz 8 geschafft hatte.

Doch Sänger Phil Mogg war schon in jener Zeit eine echte Kämpfernatur und anstelle in Selbstmitleid zu verfallen oder gar das Flugobjekt für immer am Boden zu lassen, rekrutierte Phil Paul Chapman sowie abermals den Keyboarder und Gitarristen Paul Raymond, der schon Jahre zuvor kurzzeitig als Aushilfe an Bord genommen wurde (und auch heute noch an der Seite von Phil aktiv ist) und so konnte schon 1980 das erste Album der (ersten) Post-Schenker-Ära bei UFO mit dem Titel „No Place To Run“ in die Laufbahn geschossen werden.

Mag sein, dass so mancher UFO-loge ab jenem Zeitpunkt einen Sturzflug prophezeit hatte (und zumindest geschäftsmäßig phasenweise auch gar nicht so falsch gelegen hat), von einer schwachen Scheibe kann hier aber dennoch keine Rede sein. Das dürfte auch die Besatzung so sehen, zählen doch „Lettin‘ Go“ und „Mystery Train“ auch Jahre später noch zum erweiterten Kreis jener Songs, die man seinen Fans bei Konzerte gerne servierte.

 

Nicht minder ordentlich rockt die Band auch auf dem nur etwa mehr als 12 Monate später nachgereichten „The Wild, The Willing & The Innocent“. Als interessantes Detail zu der mitunter an sich schon etwas verwirrenden Fluktuation bei UFO sei hierzu erwähnt, dass mit Neil Carter ein neuer Keyboarder anstelle des zu MSG abgewanderten Raymond ins Line-Up geholt wurde und dieser zusammen mit dem an sich schon deutlicher am AOR orientierten Chapman die Richtung der Band hin zu US-Radio tauglichen Tracks logischerweise intensivierte.

Doch dieses Unterfangen sollte sich als nicht wirklich erfolgreiche erweisen, denn selbst mit dem noch ein wenig deutlicher in jene Richtung gebürsteten „Mechanix“ konnten sich die Briten in den Staaten nicht im erwarteten Ausmaß durchsetzen, zumindest aber erneut in der Heimat die Charts entern.

Inwiefern diese Ausrichtung den langjährigen Bassisten Pete Way – einer der Namen, den es unbedingt zu nennen gilt, wenn von personifizierten „Rampensäuen“ die Rede ist – die Flucht ergreifen ließ, um wenig später mit WAYSTED seine eigene Hardrock-Band an den Start zu bekommen, weiß man (und wohl er auch nicht mehr…) so genau. Tatsache jedenfalls war, dass sich Mister Mogg plötzlich damit konfrontiert sah, auch den Posten am Viersaiter neu auszuschreiben.

Mit Paul Gray fand sich zwar bald ein Basser für die Aufnahmen des elften Studiodrehers „Making Contact“. Knapp davor teilten sich jedoch Chapman und Carter dieses Arbeitsgerät. Dieses Album stellt im Nachhinein eines der schwächsten Werke in der Historie des Flugobjektes dar, da man irgendwie nicht wirklich fokussiert gewesen ist und dadurch weder den US-Markt zu knacken im Stande war, noch weniger aber bei der angestammten Klientel in der Heimat und Europa punkten konnte.

 

Nach einer ebenso erfolglosen Tournee schein auch „Kapitän“ Mogg endgültig gefrustet zu sein und es kam, wie es kommen musste, UFO wurden aufgelöst. Doch der sympathische Brite hielt es nicht lange ohne sein „Spielzeug“ aus und so wagte er nur 24 Monate später den nächsten Startversuch. Diesmal jedoch befand sich die Homebase in den US of A, wohin Phil in der Zwischenzeit übersiedelt war.

Zudem musste er mit einer erneut umgekrempelten Mannschaft arbeiten (in die jedoch inzwischen Paul Raymond zurückgekehrt war) und von daher sollte man das vielfach geschmähte Ergebnis mit dem Titel „Misdemeanor“ wohl auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass Mogg hier nur einen einzigen Fehler gemacht hat: Er hätte sich nicht dazu hinreißen lassen sollen, den Namen UFO zu verwenden.

Doch wie wir alle wissen, sollte es nicht lange dauern, ehe das UFO wieder ordentlich Fahrt aufnehmen konnte. Mehr noch, das Flugobjekt wurde – angeführt von einem in den letzten Jahren körperlich erneut in Bestform agierenden und sämtliche Eskapaden der Vergangenheit hinter sich lassenden Phil Mogg „generalsaniert“ und bereitete uns erst kürzlich mit einem mächtigen neuen Dreher „Seven Deadly“ viel Freude.

Für all jene, die sich bis dato nicht mit dem von mir kurz umrissenen Part der Historie der Band beschäftigt haben, gibt es nun ein wahrlich imposantes Paket, das EMI geschnürt hat und unter dem Titel „The Chrysalis Years (1980-1986)“ zu haben ist. Darin enthalten sind jedoch nicht nur die erwähnten Studioalben, sondern darüber hinaus selbstredend jede Menge an Bonus-Material.

Neben jenen Mitschnitten der 1980er-UK-Tour, die unter der Ägide der BBC (und vor einigen Jahren als „BBC In Concert“ aufgelegt) aufgenommen wurden, erhält der Interessent auch jene fünf Live-Tracks aus dem altehrwürdigen „Hammersmith Odeon“, die bislang nur auf der 1983 in die Umlaufbahn geschossenen „Headstone“-Best Of-Scheibe verewigt waren.

Ein wahrlich imposantes Gerät also, das uns hier serviert wird – Remasters der Tracks inklusive – für Fans logischerweise Pflicht und für jene, die es noch werden wollen, essentiell, weil wirklich umfassend, auch wenn es selbstredend bessere Epen im Katalog von UFO zu finden gibt.

11.04.2012

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