Waldgeflüster - Herbstklagen

Review

Galerie mit 16 Bildern: Waldgeflüster auf dem Summer Breeze Open Air 2017

Ich bin ein schlechter Mensch. Vorurteilsbeladen bis zum Gehtnichtmehr, zu allem Überfluss mit einem Hang zur Bosheit. So war ich denn auch nicht sonderlich optimistisch, als ich vor ein paar Monaten um ein kurzes Statement zu „Herbstklagen“ gebeten wurde. „Heidnisch“ in der Beschreibung, „Wald“ im Namen – was immer ich zu WALDGEFLÜSTER zu sagen hätte, es würde garantiert nichts dabei herauskommen, das man werbetechnisch verwerten könnte. Aber immerhin würde mir das Drechseln von Gemeinheiten Spaß bereiten.

Natürlich ist es anders gekommen. Spaß habe ich tatsächlich, aber eben an „Herbstklagen“, im Sinne von Musikgenuss, nicht an irgendwelchen Nettigkeiten. Entgegen all meiner Erwartungen hat WALDGEFLÜSTER nämlich ein verdammt starkes Debütalbum aufgenommen. Wie das möglich ist, weiß ich nicht so genau, aber es ist schön, auch mal falsch liegen. Der Black Metal von WALDGEFLÜSTER bewegt sich tempomäßig zwischen flott und getragen, wird immer mal wieder von akustischen Gitarreneinlagen aufgelockert und neigt zu überlangen Songs – so weit, so unaufregend. Für Charakter, und zwar für jede Menge davon, sorgt die für BM-Verhältnisse ziemlich melodiebetonten, singenden Gitarren, die regelmäßig in Melancholie schwelgen. Hinzu kommt der eigenwillige Klargesang (nein, ich meine nicht „schief“), der dem Ganzen seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Aus diesen Zutaten kocht Winterherz eine gute Stunde Black Metal, der eine vergleichsweise eigene Note hat. Einzelne Lieder hervorzuheben, fällt mir schwer, weil erstens alle Stücke ihre Momente haben und zweitens „Herbstklagen“ vor Allem als stimmungsvolles Ganzes wirkt. Zurücklehnen, Augen schließen, genießen.

Um es kurz zu machen: Anders als der Titel suggeriert, bietet „Herbstklagen“ keinen Grund zur Beschwerde. Im Gegenteil, WALDGEFLÜSTER spielt wunderschönen atmosphärischen Black Metal, der mit seiner episch-romantischen Art das Erbe von Klassikern wie „Bergtatt“ überzeugend weiterführt. Nicht unbedingt musikalisch, dazu ist die Scheibe zu eigen, aber auf emotionaler Ebene auf jeden Fall.

02.03.2009

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