Wolfheart - Winterborn

Review

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BLACK SUN AEON, BEFORE THE DAWN, WOLFHEART: EIN NEUER ANFANG?

Hört man sich mit „Winterborn“ das erste größere Release von Tuomas Saukkonens neuem Projekt WOLFHEART an, dann ist die Frage, welchen Sinn es gemacht hat, die beiden Vorgängerprojekte BLACK SUN AEON und BEFORE THE DAWN zugunsten von WOLFHEART aufzulösen, sicherlich erstmal ad acta gelegt. Denn auch, wenn gewisse Gemeinsamkeiten zu den beiden erst im Januar dieses Jahres aufgelösten Bands durchaus existieren, gänzlich gleich klingt dieses Projekt natürlich nicht.

So ist der typische Stil des diesmal völlig allein arbeitenden Multiinstrumentalisten Saukkonen, wer hätte es anders erwartet, auch bei WOLFHEART allgegenwärtig, doch trotzdem klingt „Winterborn“ anders: weniger doomlastig als BLACK SUN AEON, keine Gothic-Einflüsse wie noch auf den neueren BEFORE THE DAWN-Alben. Und da dieser für Saukkonen typische Stil noch nie für einen Rohrkrepierer verantwortlich gewesen ist, ist klar, dass uns der charismatische Finne mit „Winterborn“ einmal mehr ein starkes, atmosphärisches und sehr emotionales Album bietet, das eventuelle Bedenken ob der klischeetriefenden Namen von Platte und Band bereits mit den ersten Tönen ausräumt.

KITSCH ODER KOPFKINO?

Denn so ausgelutscht es anno 2013 auch sein mag, ein Album mit Akustikgitarren einzuleiten, Tuomas Saukkonen beweist einmal mehr, das er scheinbar immer weiß, wie man dem Kitsch entgeht, auch wenn seine Kompositionen (nicht erst mit WOLFHEART) oft nur bemerkenswert knapp an jenem Attribut vorbegeschrammt sind. Statt billigen Klebemelodien bietet er dem Hörer jedoch ein Album voller Melodien und Moll-Harmonien, die für eine stets melancholische, sehnsüchtige Stimmung und eine winterlich-einsame Atmosphäre sorgen und für die sich so manche erfolglose Melodic-Black-Metal-Band ein Bein ausreißen würde.

Gekonnt und mit seinem unnachahmlichem Händchen für stimmige Kompositionen sowie ein nicht weniger stimmiges Gesamtbild, führt Herr Saukkonen den Hörer damit durch knappe 50 Minuten, die zum Kopfkino quasi einladen: Die Bilder vom einsamen, zerschlissenen Eremiten, der durch den Schnee stapft und in seiner Melancholie lediglich von wilden Tieren wie den namengebenden Wölfen begleitet wird, sie drängen sich beim Genuss von „Winterborn“ quasi auf.

WENIGER IST MEHR: BODENSTÄNDIGKEIT STATT AVANTGARDE

Die Kunst liegt also bei WINTERBORN darin, dass eine grandiose, rundum stimmige Atmosphäre eingefangen und so weit nur möglich verdichtet worden ist – nicht in irgendwelchen avantgardistischen Experimenten. Und so ist „Winterborn“ auf gewisse Weise herrlich rückständig geraten: Melancholisch-verspielte, aber nie stumpf komponierte Leadgitarren legen sich über eine meist im Midtempo agierende Rhythmusfraktion (bei der natürlich auch gewisse Finessen vorhanden sind), Ausflüge in schnellere Gefilde gibt es nur ab und zu (zum Beispiel am Anfang des etwas schwächeren „Ghosts Of Karelia“ oder in der zweiten Hälfte des Openers „The Hunt“), während der (Death) Doom Metal einer der WOLFHEART-Vorgängerbands, BLACK SUN AEON, doch häufiger zutage tritt, nicht nur atmosphärisch, sondern auch ganz offen und direkt (zum Beispiel im unglaublich emotionalen Schlusstrack „Breathe“, aber auch im sich sogar direkt auf BLACK SUN AEON beziehenden „Routa Pt.2“). Eben doch typisch Saukkonen, auch wenn wie gesagt dann doch das eine oder andere an „Winterborn“ neu im Schaffen des Finnen ist.

EIN GANZ PERSÖNLICHES SAUKKONEN-PROJEKT

Und so ist WOLFHEARTs Debüt definitiv ein Must-Have für jeden Fan der früheren Saukkonen-Projekte (wenngleich sich jene BEFORE THE DAWN-Fans, die sich von der Gothic-Seite her an die Band gewagt haben, vielleicht erst einmal vorsichtig herantasten sollten). Und selbst wenn man dem Musiker vorwerfen könnte, sich an der einen oder anderen Stelle langsam selbst zu wiederholen, man hört immer noch heraus, wie dieser Mann dazu gezwungen ist, solche (und nur solche) Musik zu schreiben – unpersönlich waren seine Alben noch nie, aber man merkt „Winterborn“ an, dass WOLFHEART ein ureigenes, ganz, ganz persönliches Projekt Saukkonens ist.

Da stört es dann auch nicht, dass manche Übergänge ein bisschen abrupt und hakelig klingen oder dass es mit „Ghosts Of Karelia“ zumindest ein Song auf das Album geschafft hat, der nicht ganz so zwingend und überzeugend herüberkommt wie das restliche Material darauf.

 

20.11.2013

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