Lunar Aurora
Morgen kann ich bereits tot sein...

Special

Cold Dimensions, vielen nur als „das LUNAR-AURORA-Label“ bekannt, haben definitiv weit mehr zu bieten als nur diese eine Band. Neben der gerade erschienenen MORTUUS-INFRADAEMONI-Debüt-CD stellt Whyhrd, alleiniger Betreiber des Labels, seit einiger Zeit aber auch beispielsweise Wiederveröffentlichungen der ersten LUNAR-AURORA- und PAYSAGE D’HIVER-Alben her. Der Ausblick auf die Zukunft zeigt, dass Veröffentlichungen mit dem Eiskristall auf dem Artwork zudem weiterhin zum Besten gehören werden, was man im Bereich düsterer Musik kaufen kann. Nun, wo neben Edmund Stoiber mit LUNAR AURORA auch die anderen großen Bayern vorerst von der Bühne abgetreten sind, steht dem Label allerdings ein kleiner Schnitt bevor. Zeit und Möglichkeit, ein paar Sätze über die vergangenen zwei Jahre zu verlieren.

Lunar Aurora

In der letzten Zeit wird um Musiker und Bands gerne ein großer Kult gebaut, gerade im Black-Metal-Bereich, in dem manches noch mysteriös bleiben kann. Man kennt Dich im Wesentlichen als „Whyrhd“, als Musiker einer eher zurückhaltenden Band namens LUNAR AURORA. Viele können sich sicherlich kaum vorstellen, dass Du auch „nur ein Mensch“ bist. Wie würdest Du Dich als Menschen beschreiben?

Da ich prinzipiell nichts von Personenkulten usw. halte, stellt sich mir immer die Frage, wen das eigentlich interessiert, wer oder was jemand ist. Deswegen glaube ich auch, dass es wahrscheinlich für die Leute nicht sehr spannend ist, wer ich eigentlich bin. Natürlich bin ich ein Mensch wie jeder andere auch, mit den gleichen Gefühlen, Gedanken usw. wie alle anderen. Ich habe sicherlich über gewisse Themen und Dinge andere Ansichten als der normale Durchschnittsbürger, aber deswegen sehe ich mich in der Gesellschaft oder jetzt im speziellere Fall, der Black Metal Szene, als wichtiger an, als jeder andere auch. Ich gehe einfach meinen Weg, versuche mich selbst zu finden und mir selbst treu zu bleiben.

Du bist Ende 2005, nach fast zwölf Jahren, bei LUNAR AURORA ausgestiegen. Einige Monate vorher, zur Veröffentlichung von „Zyklus“, wurde Cold Dimensions gegründet. Inwiefern hängen diese beiden Ereignisse zusammen?

Nach der Veröffentlichung von „Mond“, war es unser Wunsch als Band, wieder des Öfteren live aufzutreten. Ich erkannte aber ziemlich bald, dass das mit meiner beruflichen Tätigkeit und Cold Dimensions nicht wirklich vereinbar war. So entschloss ich mich, nach intensiven Gesprächen mit Aran und Sindar, mich als aktiver Musiker zurückzuziehen, wobei ich noch bei der Auswahl und Einarbeitung der neuen Musiker beteiligt war.

Wofür steht der Name „Cold Dimensions“? Was erwartet einen in diesen Dimensionen?

In den Namen sollte man nichts Großartiges hinein interpretieren. Es geht ja nicht den Ausdruck mystischer Texte oder dergleichen. Cold Dimensions hat mir einfach als Name sofort für ein Plattenlabel gefallen.

Ihr hattet mit LUNAR AURORA mit vier Labels zusammengearbeitet, bis Ihr Euch entschieden habt, Eure Alben selbst zu veröffentlichen. Welche Erfahrungen waren das im Einzelnen, und was hast Du daraus für Deine Arbeit gelernt?

Nun, mit unseren ersten beiden Labels Voices Productions und Kettenhund Records hatten wir eine sehr gute Zusammenarbeit, sowohl auf persönlicher als auch auf geschäftlicher Ebene. Ich habe in beiden Fällen sehr viel vom ganzen Business mitbekommen, was mir besonders in der Anfangszeit mit Cold Dimensions sehr zu Hilfe kam. Ich bin aber auch ein Typ, der sehr schnell lernt und gern seinen eigenen Weg geht, weshalb das heute nicht mehr von Bedeutung ist. Außerdem ist die Situation ja heute auch eine komplett andere…

Seit einigen Jahren gründen sich Klein- und Kleinstlabels, gerade im Black Metal, wie am Fließband. Jede Demoband verhökert ihre Demos unter einem eigenen Labelnamen. Wie erklärst Du Dir diese Entwicklung, warum gibt es kaum noch klassische Demos? Und was könnte man dagegen tun?

Es ist heute durch das Medium Internet sehr einfach geworden, sich selbst gut darzustellen, und das nützen viele einfach. Ich denke es liegt zum größten Teil am Drang der Leute einfach nur wichtig zu sein, egal ob es um Bands, Labels oder Magazine geht. Die ursprüngliche Intention, sich evtl. zu entwickeln, sich zu verbessern etc., ist oftmals völlig abhanden gekommen. Aber ich denke, man sollte keinen Gedanken daran verschwenden, sondern es einfach selbst besser machen. Qualität wird sich immer durchsetzen und viele von den anderen verlieren meist sehr schnell die Lust, sobald der Ernst des Lebens beginnt und sie mit Schule, Studium oder Ausbildung fertig sind.

Wir haben einmal darüber gesprochen, dass die „Konkurrenz“ enorm groß ist, es also sehr viele Bands und Labels gibt, die den Markt überschwemmen und es für jede Band und jedes Label schwieriger wird, Aufsehen zu erregen. Du sagtest, Atmosphäre sei der Schlüssel. Kannst Du das bitte einmal aufgreifen und ausführen?

Zuerst würde ich mal sagen, dass es nicht wirklich darum geht „Aufsehen“ zu erregen. Für mich ist das Label eine Möglichkeit, die Musik und die Musiker, die ich sehr schätze, zu unterstützen. Wenn ich von Atmosphäre spreche meine ich damit etwas Fühlbares, Schmerz, Trauer, Freude, Liebe, Zorn, Kälte, Hitze, Leidenschaft. „Bauch-Musik“, keine konstruierte „Kopf-Musik“. Musik ist Gefühl und wenn ich das spüre, dann ist sie gut, egal welcher Art sie ist.

Du hast es in kürzester Zeit geschafft, Dich qualitativ und im Ansehen an der vordersten Front der Black-Metal-Labels zu etablieren. Worauf führst Du das zurück? Sicher nicht ausschließlich auf den Status LUNAR AURORAs, oder?

Sicher war es nicht schlecht am Anfang, eine bekannte Band wie Lunar Aurora auf seinem Label zu haben. Allein schon deswegen, damit der Name Cold Dimensions die Runde macht. Auf der anderen Seite, wie oben schon erwähnt, hat jede Band/ jeder Musiker bei Cold Dimensions sein eigenes Potential und muss sich hinter niemanden „verstecken“. Alle Veröffentlichungen haben den gleichen Stellenwert und vertreten die Idee und den Geist von Cold Dimensions. Dass Cold Dimensions als qualitativ gesehen wird, liegt denke ich daran, dass ich immer versuche, das Beste zu geben, denn halbgare Dinge sind nicht meine Welt. Das merken die Leute mit denen ich zu tun habe, egal ob Kunden oder Geschäftspartner.

LUNAR AURORA legen eine längere Pause ein oder werden nie mehr etwas veröffentlichen, GEIST sind nicht mehr bei Cold Dimensions. Neben PAYSAGE D’HIVER, GRAUPEL und MORTUUS INFRADAEMONI fällt mir derzeit keine Band ein, mit der Du zusammenarbeitest. Was erwartet uns da in Zukunft, auch von den genannten drei Bands?

Nun, vor einiger Zeit haben Aran und ich uns dazu entschlossen, sein Ambient – Projekt TRIST auch über Cold Dimensions zu veröffentlichen, worüber ich mich sehr freue. Außerdem wird natürlich von den 3 genannten Bands auch wieder neues Material veröffentlicht und von diversen ausverkauften Lunar Aurora Album wird es auch Neuauflagen mit den ein oder anderen „Schmankerln“ geben. Aber alles zu seiner Zeit, wie gesagt, die Qualität macht’s, nicht die Quantität. Außerdem werden mit Sicherheit auch neue großartige Bands auftauchen.

Du hast vor einiger Zeit die Arbeit von Kunsthall übernommen und auch einige PAYSAGE D’HIVER-Veröffentlichungen neu herausgebracht. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Das sollte vielleicht an dieser Stelle mal geklärt werden, ich habe Kunsthall nicht übernommen oder dergleichen, ich veröffentliche die Paysage D’Hiver Werke als A5 Digipak CD, dass ich dies unter dem Banner von Kunsthall mache, liegt am Wunsch von Wintherr, da er Paysage D’Hiver einfach mit Kunsthall verknüpft sieht und diesem Wunsch komme ich gerne nach. Wir sind seit Jahren befreundet und da die PDH Veröffentlichungen sehr, sehr zeitaufwendig sind, greife ich so einfach unter die Arme…

Welchen Status hat Black Metal für Dich und für Cold Dimensions? Könntest Du Dir vorstellen, auch vollkommen andere Genres zu veröffentlichen? Was ist der Kern einer Musik, die sie in sich tragen muss, damit eine Veröffentlichung auf Cold Dimensions für Dich in Frage kommt?

Dunkle Metal-Musik nimmt natürlich einen großen Teil meines musikalischen Interesses ein, aber ich habe generell einen ziemlich breit gefächerten Musikgeschmack und ich werde mit Sicherheit auch das ein oder andere veröffentlichen, was nicht aus dem Metalbereich stammt. Wie gesagt geht es um Emotion und Atmosphäre, wenn ich das fühle, kommt eine Veröffentlichung in Frage.

Wenn die Entwicklung weiterhin eine ähnliche Bahn nimmt wie im vergangenen Jahr, hältst Du es für möglich, Cold Dimensions zu einem Vollzeitjob auszubauen und Deine jetzige Arbeit an den Nagel zu hängen?

Ich bin natürlich froh, dass sich mittlerweile die meisten Veröffentlichungen von selbst tragen. Allerdings würde es für einen Vollzeitjob noch nicht reichen und ich glaube auch nicht dass ich das möchte, denn ich will und werde absolut unabhängig arbeiten, das ist mir wichtig und sichert auch die Qualität von Cold Dimensions.

Ich nehme an, Du wirst auch weiterhin Musik machen. An welchen Projekten nimmst Du derzeit teil, was sind Deine eigenen musikalischen Pläne, und wie schätzt Du selbst die Zukunft von LUNAR AURORA ein?

Im Moment arbeite ich nur für mich allein an Musik, sowie an Texten für das nächste Album von NOCTERNITY, auf dem ich den Gesang übernehmen werde. Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, weder für Lunar Aurora noch für eigene Projekte. Es ist alles offen und da genieße ich.

In den letzten zwölf Jahren hat sich einiges in der Metalszene verändert. Wie empfindest Du diese Veränderungen, inwiefern beeinflussen sie Dich und Deine Arbeit? Was erwartest Du für die Zukunft?

Generell stehe ich Veränderung immer offen gegenüber, da diese wichtig für die Entwicklung sind. Ich ziehe es jedoch vor über mein Lernen selbst zu walten und mich nicht Dingen anzupassen, die ich nicht gutheißen kann. Ich versuche in der Gegenwart zu leben und mache mir daher nicht sehr viele Gedanken über das was in der Zukunft kommen könnte, denn ich kann nur jetzt leben, morgen kann ich bereits tot sein und hätte so wertvolle Zeit mit unnützen Gedanken verschwendet….

15.02.2007

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