Manilla Road
Mysterium - Track By Track mit Neudi

Special

Manilla Road

Wenn man sich in den sozialen Netzwerken und Foren dieser Welt einmal umschaut, merkt man schnell, dass nicht gerade wenige (junge) Fans sich immer mehr mit den alteingesessenen, kauzigen Bands beschäftigen. Eine Band die viele auf diesen Erkundungstouren durchs Netz für sich entdecken, sind die Epic-Metal-Urväter MANILLA ROAD. 1977 gegründet haben die Wichita-Metaller in den Achtzigern zwar immer hochwertige Alben veröffentlicht, die mittlerweile auch als Metal-Klassiker gelten (man denke nur an das göttliche “Crystal Logic”), der große Durchbruch blieb den Mannen um Mark ‘The Shark’ Shelton aber immer verwehrt. Nach “The Courts Of Chaos” (1990) löste sich die Band dann erst einmal auf. Mit einem Paukenschlag namens “Atlantis Rising” meldeten sich MANILLA ROAD dann wieder in der Szene zurück und legen seither ein starkes Album nach dem anderen vor.

Manilla Road

Im Februar 2013 steht der neuste Streich “Mysterium” ins Haus und wird von nicht wenigen Metallern sehnsüchtig erwartet. Zu Recht, denn das Album – so viel sei verraten – hat es echt in sich. Facettenreicher als zuletzt und erstmals mit Neu-Drummer Andreas ‘Neudi’ Neuderth hinter den Kesseln. Neudi hat sich bereit erklärt, exklusiv für metal.de, die Songs von „Mysterium“ aus seiner Sicht zu analysieren. Eigentlich war geplant, dass ich auch eine kurze Einschätzung zu jedem Song schreibe. Da Neudi aber so viel Enthusiasmus bei seinen Statements an den Tag legt, ziehe ich mich an dieser Stelle höflich zurück und überlasse dem Drummer alleine das Feld.

The Grey God Passes
“Seit “The Deluge” bin ich Fan von MANILLA ROAD. Dass ich seit Oktober 2011 nun bei meinen Alltime-Faves Drums spiele, ist für mich kaum in Worte zu fassen. Nun darf ich mit ein paar Sekunden auch noch die neue Scheibe, die erste mit mir, eröffnen. Es war nicht leicht einen Opener zu finden, doch dieser Song ist heavy und transportiert genügend MANILLA ROAD-Trademarks. Auch wenn es der Laie nicht merkt, Bryan Patrick singt im Refrain eine extrem schwer zu intonierende Melodie, da Vocals und Gitarren/Bass zwei komplett unterschiedliche Harmonien aufweisen. Von den Drums übrigens ganz klar der unspektakulärste Song, für meine Verhältnisse fast schon straight.”

Stand Your Ground
“Der erste Entwurf, den mir Mark Shelton als mp3 geschickt hat, wirkte noch wie eine Mid-Tempo-Nummer. Während der Recordings stellten wir jedoch fest, dass eine thrashige Ausrichtung des Songs wie die Faust aufs Auge passt. Ganz klar die härteste Nummer des Albums und im MANILLA ROAD-Kontext auch kein Ausreißer. Man erinnere sich an “Up From The Crypt” oder “Whitechapel”. Das Songwriting kennt auch keine Konventionen, denn es gibt keine typische Wiederholung des Refrains – was an dieser Stelle sicher 99% aller Bands getan hätten. Am Ende noch ein kurzes Doublebass-Feuer und dann ist der kürzeste Song der CD auch schon wieder vorbei.”

The Battle Of Bonchester Bridge
“Erst ein Opener der abgeht, danach eine quasi-Thrash-Nummer obendrauf und dann wird es so richtig typisch MANILLA ROAD, wenn man damit die Achtziger meint. Dieser Song haut mich nach wie vor vom Hocker und gehört zu meinen Faves auf dem Album. Gerade der ruhige, mit cleaner Gitarre gespielte, lange Anfangspart mit kleinen (teilweise schrägen und unerwarteten) Drumfills machen für mich klar, dass man hier MANILLA ROAD hört und das in Reinkultur. Als Fan würde ich denken, dass hier die Besetzung Shelton/Park/Foxe am Start ist. Würde man mir erzählen, dass der Song einst für “Mystification” oder “The Courts Of Chaos” geschrieben wurde, dann würde ich es auch glauben. Dennoch weiß ich, dass auch dieser Song nicht bewusst in diese Richtung geschrieben wurde, sondern wie alle anderen Stücke auch, einfach in Marks Kopf ‘passiert’. Seine Leadvocals sind für mich auch ein Highlight, gerade bei diesem Song. Interessant ist, dass auch hier keine Regeln gelten. Der Song ist lang, besteht aber eigentlich nur aus zwei Teilen, mit epischem Aufbau.”

The Hermitage
“Für mich hat dieser Song DEN Refrain des Albums und er ist auch ein weiterer von diesen Stücken, die auch auf älteren Platten hätten sein können. Man hört gut, dass eine gewisse Jam-Session Atmosphäre geherrscht hat, denn Bass und auch die Gitarren gehen teilweise explizit auf meine Breaks ein, gerade in den beiden Gitarrensoli-Teilen. Aber der Gewinner bleibt der Refrain des Songs. Sowas kann nur einer schreiben…”

Do What Thou Will
“Für mich klassicher Epic-Doom-Metal, der ohne Probleme auch auf dem Debüt von CANDLEMASS stehen könnte. Dennoch typisch MANILLA ROAD zur “The Courts of Chaos”-Phase. Natürlich spiele ich auch bei diesem Song straighte Beats bewusst ungerade und verschleppe sie teilweise komplett. Aber sind solche Drums nicht auch ein Trademark von MANILLA ROAD, gerade zwischen “The Deluge” und “The Courts Of Chaos”? Manch ein kommerzieller Produzent hätte gesagt: „Sowas kann man aber nicht machen…“. Aber ein solcher Mensch würde bei MANILLA ROAD schon am ersten Tag aus dem Studio geprügelt werden! Es herrscht doch noch ein wenig die Freiheit vor, die man von vielen 70s-Bands kennt.”

Manilla Road

Only The Brave
“Ich kenne zwar noch keine Setlists für die kommenden Live-Shows, aber es würde mich wundern, wenn “Only the Brave” nicht in die Auswahl kommen würde. Typisch MANILLA ROAD, aber auch die Nummer, die ich ganz klar in die reinrassige US-Metal-Ecke stecken würde. Könnte ‘everybody´s darling’ werden. Der Song geht straight im flotten Mid-Tempo nach vorne und wird lediglich während des Soloteils leicht doomig.”

Hallowed be thy Grave

“…erinnert mich am Anfang an “Dementia” von “The Deluge”, was das Opening-Spektakel angeht. Danach folgt ein abwechslungsreicher Song, bei dem Strophen und Refrain unterschiedliche Grundbeats haben. Obwohl das Stück nicht langsam ist, enthält es meiner Meinung nach diese BATHORY-Schwerfälligkeit. Der Song ‘walzt’ quasi und passt hervorragend zum Albumcover.”

The Fountain
“Das ist Mark ganz alleine und akustisch. Mich hat “Centurian War Games” vom “Invasion”- Album schon immer begeistert und jetzt setzt er auch noch einen obendrauf. Vom Feeling her erinnert mich der Song an epische JETHRO TULL-Stücke, auch von der Qualität. Mit diesem Song könnten wir rein theoretisch ganz neue Fanschichten an die Band heranführen. Zwischen MANILLA ROAD und HELLWELL schreibt Mark übrigens schon seit Jahren Akustik-Songs und nimmt diese auf.”

The Calling & Mysterium

“Was soll ich dazu sagen… Dieser Song (“The Calling” ist das Intro dazu) ist eine Welt für sich und knackt locker die 10-Minuten Grenze. Somit wird auch das Trademark ‘Long Song’ bedient (wie einst “The Empire”, “Cage Of Mirrors”, “The Deluge”, etc.). Für mich einfach ein herzerweichendes Monster, was sich nicht widerspricht. Und die Erkenntnis, dass mit diesem letzten Song auf der gesamten CD alles vereint ist, was MANILLA ROAD von “Invasion” bis “Playground Of The Damned” ausmacht. Auch wenn ich der Drummer bin, ich werde immer zeitgleich Fan sein und beide Parteien in mir sind mehr als sehr zufrieden.”

Manilla Road

Ich denke, man kann Neudis Einschätzung so stehen lassen. Am 01.02.2013 werden MANILLA ROAD den nächsten Pflichtkauf für Epic-Metal-Fans in die Regale der Plattenläden stellen. Um das zu erkennen, muss man “Mysterium” nicht zwangsläufig durch die rosa Fanbrille sehen. Alles Weitere wird dann in Review und Interview eruiert werden. Bis dahin danke ich Neudi für seine Mithilfe bei diesem Special und wünsche ihm und MANILLA ROAD alles Gute für die Zukunft.

 

10.12.2012

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