Tool
Listening Session zu "Fear Inoculum": Ein Reisebericht

Special

Weiter geht’s mit TOOL!

  1. Descending

Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit „Descending“, einem Song, der live schon sein Debüt feierte.

Zunächst haben wir eine sehr maritime Stimmung. Wir fühlen uns unter Wasser bei einem stürmischen Seegang, und Wellen brechen über unseren Kopf hinein. Mit der Zeit klaren die Geräusche immer mehr auf, bis der Bass einsetzt. Keenans Gesang lässt uns mit seiner Melodie in ein rituelles Abenteuer aufbrechen. Währenddessen fängt Jones mit seiner Gitarre an, ein Thema auf Chancellors Rhythmus zu spielen, und nach einiger Zeit wechseln die zwei, sodass Jones in den Hintergrund rückt und dem Bass die Möglichkeit zur Entfaltung seines Riffs gibt. An dieser Stelle wird uns wieder gezeigt, wie TOOL aus einem komplexeren Konstrukt, wie dem Polyrhythmus, etwas Eingängiges und Wohlfühlendes herausarbeiten können.

Der Titel „Descending“ passt als Beschreibung für große Teile des Songs sehr gut. Je weiter der Song sich zieht, desto mehr fühlt es sich an, als ob man in irgendetwas hinabsteigt. Dieses wird wieder durch weitere Komplexität hervorgehoben. Zum Teil stehen sich Jones und Chancellor mit verschiedenen Takten gegenüber. Wir steigen so lange herab, bis wir von einer Reprise des Intros von oben zurückbegrüßt werden. Die Sci-Fi-Einschläge durch die Synthesizer, die auf dem Album bisher immer mal wieder in Erscheinung treten, zeigen uns doch, dass wir ganz woanders gelandet sind, um weiterhin metaphorisch zu bleiben.

  1. Calling Voices

Die Stimmung schmiegt sich dem vorherigen Song an. So wurden wir grade noch von einer Atmosphäre des Unbekannten, jedoch Vertraulichen im vorherigen Song verabschiedet, und jetzt empfängt uns die Stimmung der Entdeckung von etwas Mystischem. Ob das letztlich auch lyrisch stimmt, kann ich nicht sagen, allerdings tippe ich auf nicht, auch wenn es die Stimmung der Musik mit auf den Weg gibt. Die Kombination der ruhigen Gitarrenmelodien und dem Gesang wirken etwas wie ein ritueller Klagegesang, der der Musik eine gewisse Melancholie verleiht.

Der Song baut sich immer weiter auf. Er wird immer lauter und druckvoller, bis wir bei einem Riff angelangt sind, der nur so zum Headbangen einlädt. Mit einer netten Rückkopplung hört der Song dann auch auf. Ein Song, der letztlich auf das Aufbauen bis hin zur vollen Dröhnung basiert und dies in schönster TOOL-Manier vollbringt.

  1. Chocolate Chip Trip

Auf dem ersten Blick sieht der Titel aus wie ein Scherz. Aber TOOL haben auch einen Song mit dem Namen „Die Eier von Satan“ im Katalog, also möglicherweise bekomme ich ein leckeres Rezept für Schokohaschkekse.

Klar ist auf jeden Fall von vorneherein, dass es eine Art Interlude sein wird. So soll es auch kommen, es ist ein Interlude, welches sich schon daran abzeichnet, dass der Player eine Lauflänge von unter zehn Minuten anzeigt. Bisher hatte nur das Interlude „Legion Inoculant“ eine Minutenanzahl im einstelligen Bereich. Aber wie klingt es nun?

Stellt euch eine esoterische Yogastunde vor, die von einem extraterrestrischen Drogenexperten geleitet wird. Die Yogaschule befindet sich dabei über einem Proberaum und dessen Wände und Böden sind nicht besonders gut schallgedämmt. Während dieses außerirdischen Esoterik-LSD-Yoga-Trips schallt auf einmal der sehr talentierte Drummer von unten durch und spielt einfach mal ein Drumsolo.

Carey zeigt hier, wie auf dem Rest des Albums, eine Mordsleistung.

  1. 7empest („Tempest“?)

Hier bin ich mir nicht sicher, ob der Titel, den ich auf meinem Infoblatt bekommen habe, nicht ein Tippfehler ist. Grade, da ich meine „Tempest“ im Gesang von Keenan mit herausgehört zu haben, aber bis jetzt konnte ich das nicht klären. Es wird sich sehr wahrscheinlich klären, sobald die Tracklist von offizieller Seite herausgeht.

Obwohl der längste Song des Albums eher mit einer etwas spirituell angehauchten Atmosphäre beginnt, ist es im Großen und Ganzen der härteste Song des Albums. Es befinden sich mehrere härtere Rhythmussektionen im Song, die einem zum Kopfwippen bewegen. Keenans Gesang wirkt zusammen mit den Riffs aggressiv. Das Solo ist melancholisch und psychedelisch, aber wirkt gleichzeitig auch dissonant, schräg und gewollt chaotisch. Natürlich begegnen uns weiterhin rhythmisch anspruchsvolle Parts.

Erst am Ende wechselt die Härte und eröffnet ein wunderschönes, einprägsames Riff, welches im weiteren Verlauf immer mal verändert wird, um verschiedene Facetten des musikalischen Themas zu beleuchten.

  1. Mockingbeat

Der letzte Track des Albums ist sowas wie ein Outro. Es besteht aus verzerrtem Vogelzwitschern und Percussions. Letztlich ist das fast dreiminütige Instrumental ziemlich schräg. Allerdings gibt es auf dem Album relativ viele schräge Ideen, also passt das Outro als Schluss eines langen und auch abwechslungsreichen Albums ziemlich gut.

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15.08.2019

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1 Kommentar zu Tool - Listening Session zu "Fear Inoculum": Ein Reisebericht

  1. nili68 sagt:

    Ich bin ja eher Tool-Hater, aber mir ist letztens die Band A Perfect Circle untergekommen, die ich auf Anhieb ziemlich geil fand, bevor ich die Verbindung zu Tool kannte. Finde ich natürlich immer noch geil. lol So kann’s gehen..