Moonspell - Extinct

Review

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Nach “Alpha Noir” aus dem Jahr 2012 stand ein wenig die Frage im Raum, in welche Richtung MOONSPELL nun zumindest in naher Zukunft gehen würden; eher etwas stärker die metallischere Seite in den Vordergrund schieben oder lieber die Gothic-Rock-angehauchte Ausrichtung weiterverfolgen, die auf “Omega White” vorherrschte. Eben jene Scheibe wurde zwar klar als Bonus-CD zum regulären Album “Alpha Noir” angepriesen, stellte im Grunde aber dennoch ein eigenes Album dar. Klarheit darüber, welche Facette der Band nun besser zu Gesicht steht, ist nur schwer zu schaffen. Bei einer seit 1992 andauernden Karriere und solch’ stilistischen Vielfalt, wie MOONSPELL sie seit jeher pflegen, scheint wirklich jeder einzelne Hörer eine eigene, eine spezielle Meinung darüber zu haben, wo die Qualitäten der Band genau liegen. Gerade bei MOONSPELL scheint dies in besonderem Maße der Fall zu sein.

Nachdem die ersten Stücke von “Extinct” auftauchten, kam ein wenig Licht ins Dunkel: Finster und doch feinfühlig. Passend dazu setzen sich die portugiesischen Dark Metal-Pioniere auf ihrem neuen Werk thematisch mit dem menschlichen Ableben im Angesicht der Gewissheit der Endgültigkeit auseinander. Eine hochemotionale und existenzialistische Angelegenheit also, die zu den gefühlvollen Kompositionen passt. Dabei überzeugen MOONSPELL wieder einmal mit ihrem ureigenen Sound, widmen sich aber vermehrt den Melodien und lassen den Rock-Faktor wiedererwachen. Die erste Single “The Last Of Us” ließ bereits nach den ersten Takten Erinnerungen an die “Darkness And Hope”-Era erwachen. Eine Zeit, in die man im Laufe des Albums immer wieder zurückgeworfen wird.

Doch MOONSPELL wären nicht sie selbst, wenn nicht auch einige Überraschungen auf “Extinct” enthalten wären. Vor allem Streicher- und Orchesterelementen wie direkt zu Beginn vom Opener “Breathe (Until We Are No More)” erweitern die Klanglandschaften des sympathischen Fünfers ein ums andere Mal. Bombast, der zumindest in genanntem Stück auch in einer Kollaboration mit WITHIN TEMPTATION denkbar wäre (sofern mir die Anmerkung an dieser Stelle verziehen sei). “Medusalem” setzt dem Ganzen dann zusätzlich noch mit einem Schuss orientalischer Exotik die Krone auf und galoppiert in bester THE VISION BLEAK-Manier und mit einer Prise SISTERS OF MERCY (feat. OFRA HAZA) voran. Spätestens wenn ihn diesem Stück dann auch noch das “Land Of Honey” besungen wird, schmilzt man förmlich dahin. Doch vor allem die Songs der ersten Hälfte von “Extinct” weisen immer noch eine deutliche harte, metallische Kante auf (allen voran der Titeltrack), die aber leider nicht immer komplett zu überzeugen weiß. Es wirkt, als wenn MOONSPELL in diesen Momenten mit leicht angezogener Handbremse zu Werke gehen, um den Gesamteindruck des Albums nicht zu schmälern. So entsteht bisweilen das Gefühl, nichts Halbes und nichts Ganzes vorliegen zu haben und insgesamt mehr aus den Songs hätte herausgeholt werden können.

Mit “The Last Of Us” werden die Songs weniger verspielt, suhlen sich in Lieblichkeit und tendieren klar zum Gothic-Rock, wo immer wieder deutlich wird, wie groß der Einfluss der SISTERS OF MERCY für die Portugiesen zu sein scheint. Man höre nur einmal das Intro von “Funeral Bloom”. Ohnehin nehmen die elektronischen Anteile in dieser Phase des Albums zu (“Malignia”), wodurch die Songs gar zu tanzbaren Nummern werden, hier und da aber auch etwas simpel gestrickt erscheinen. Die harschen Vocals von Sänger Fernando Ribeiro werden rar gesät, setzen, wenn sie denn mal zum Vorschein kommen, jedoch kraftvolle Akzente (“A Dying Breed”). Nach dem schwelgerischen “The Future Is Dark” gibt’s mit “La Baphomette” einen Rausschmeißer in französischer Sprache und dazu passender musikalischer Untermalung, der sich nahzu perfekt neben “Herr Spiegelmann” vom 96’er Werk “Irreligious” einreiht und einen herrlich makabren Ausklang beschert.

Richtig überraschend ist die Tatsache nicht, dass sich MOONSPELL auf “Extinct” phasenweise neu erfinden. Dennoch ist es beachtlich mit welch’ Konsequenz dieser Weg eingeschlagen wird. Metallische Melancholie, die trotz aller Lieblichkeit größtenteils auf Kitsch (der z.B. in “Domina” zu finden ist) verzichtet, sondern durch Orchestrierung und orientalische Einflüsse neue Akzente setzt. Nennenswert an dieser Stelle ist unbedingt auch Produzent Jens Bogren, der mit seiner Arbeit die Songs in ein passendes Licht rückte, wodurch homogene Stücke herauskommen sind, die trotz der Vielfalt nie überladen wirken. Jeder einzelne Song besitzt, trotz kleiner Schwächen an einigen Stellen, seine Momente, sodass “Extinct” schlussendlich eine überzeugende Platte ist, die zwar ihre Zeit für die volle Blüte benötigt, aber zumindest einem Teil der Anhängerschaft ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern dürfte.

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28.02.2015

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2 Kommentare zu Moonspell - Extinct

  1. metalfreak sagt:

    Als groessten Freak von Moonspell wuerde ich micht nicht gerade bezeichnen , aber EXTINCT hat einige wirklich hervorragende Songs. Meiner Meinung nach auch besser als einige der Vorgaenger. Fuer Fans wie Presse wird immer Irreligious das absolute Band Highlight bleiben.

    8/10
  2. Bluttaufe sagt:

    MOONSPELL machen Pop? Ich dachte, dass sie nach dem Langweiler “Alpha Noir” wieder die Kurve kriegen. Bekamen sie leider nicht. Durch die Bank wirkt “Extinct” sehr bombastisch, viele Anleihen an Achtziger Wave Bands, poppige Gesangspassagen, mit Hall unterlegte Leadklampfen, paar Synties hier und da und so weiter. Die Effekthascherei wirkt eher wie eine Kompensation um die Tatsache zu übertünchen, dass die Kompositionen eher im Mittelfeld anzusiedeln sind. Das einzige was von Klasse zeugt ist Fernando sein Gesang, wenn hier auch etwas schnulzig. Bloß weil der Gesang fast clean gesungen ist, muss man noch lange keine Vergleiche zu “Darkness & Hope” ziehen. Ist zwar auch nicht eines meiner Lieblingsalben, ziehe ich hier aber eindeutig vor. Denn da hört man wenigstens noch Gitarren, die man auf “Extinct” über weite Strecken suchen muss.
    “Funeral Bloom” & das sehr poppige “The Last Of Us” stechen hier noch positiv heraus.
    Alles in Allem finde ich “Extinct” weniger gelungen.

    6/10