Ahab und Weite
Zwanzig Jahre unter dem Meer
Konzertbericht
AHAB und WEITE – Zwanzig Jahre unter dem Meer
Der Altar steht noch in der Braunschweiger Jakobikirche. Lichtkegel setzen ihn in Szene, aufgehängte Spiegelglaselemente ergänzen das schöne Ambiente. Ein besonderer Rahmen für AHAB, die zwanzig Jahre „The Call Of The Wretched Sea“ feiern. Ein paar mehr Besucher hätten zwar durchaus noch Platz gefunden, dem Konzerterlebnis kommt die nicht ausverkaufte Kirche allerdings entgegen: Es bleibt in alle Richtungen ausreichend Raum, um den Abend entspannt zu verfolgen.
WEITE liefern zunächst ein eigenwilliges Kontrastprogramm. Die Instrumentalband wirkt live weniger psychedelisch oder krautig als vielmehr ausgesprochen verspielt. Es wird ausgiebig gefrickelt und ordentlich musiziert, während der vorne links versteckte Keyboarder kaum zu sehen ist. Ein obskurer Auftritt, der weit von der Schwere des Hauptacts entfernt liegt. AHAB haben allerdings schon immer ein Faible für ungewöhnliche Supportbands bewiesen. Insofern sind WEITE eine konsequente Wahl.
AHAB stehen in regulärer Besetzung ohne Sessionmusiker auf der Bühne. Richtige Amps sind ebenfalls wieder am Start und sorgen für einen kräftigen Sound in der Kirche. Die Band spielt routiniert, und man merkt den Musikern an, dass sie Bock auf diesen Abend haben. Bevor es am nächsten Tag zum Desertfest nach Lüttich geht, gibt es hier ein Spezialset, das gerade langjährigen Fans einiges bedeutet.
AHAB – Zurück zu den Anfängen des Nautic Funeral Doom
„The Call Of The Wretched Sea“ ist der Grundstein des Nautic Funeral Doom. Gegenüber späteren Veröffentlichungen wirkt das Debüt besonders schwer und monolithisch, dabei aber keineswegs monoton. Diese Musik war damals genau richtig und entfaltet auch heute eine enorme Wirkung. „Old Thunder“ und „The Hunt“ gehören ohnehin fest zum Liverepertoire. Nun auch die inzwischen seltener gespielten Stücke im Zusammenhang zu erleben, macht diesen Abend so besonders. Für Fans der ersten Stunde ist das ein berauschendes Wiederhören.
„The Hunt“ beschließt den Hauptteil und bietet noch Gelegenheit für ein bisschen großes Seefahrertheater: Cornie spielt mit der flachen Hand an der Stirn den Ausguck, Daniel legt den Zeigefinger auf die Lippen, um die Vorfreude im Publikum kurz zu zügeln. Vergeblich: Das „Whale ahead!“ wird einmal mehr viel zu früh gegrölt. Ein schöner Moment zwischen all der Schwere.
Mit „O Father Sea“ und „The Divinity Of Oceans“ bleiben auch die Zugaben bei den frühen Alben. Die beiden Stücke des zweiten Werks unterstreichen noch einmal eindrucksvoll, welche Entwicklung AHAB innerhalb weniger Jahre in Richtung Progressivität gemacht haben. Ein großartiger Abschluss für einen besonderen Abend, der die Wucht der frühen Stücke ebenso spürbar macht wie die Begeisterung, die sie bis heute auslösen.
Setlist AHAB
Below The Sun
The Pacific
Old Thunder
The Sermon
Ahab’s Oath
The Hunt
Zugaben:
O Father Sea
The Divinity Of Oceans

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Text: Mirko Pidde & Oliver Schreyer
Video: Sabine Langner
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Oliver Schreyer




















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