Ahab - Live Prey

Review

Galerie mit 19 Bildern: Ahab – Summer Breeze Open Air 2019

AHAB machen seit jeher schon durch ihren Bandnamen deutlich, worum es in ihrer Musik eigentlich geht. Benannt nach dem verbitterten Kapitän, der sich in die Jagd nach dem weißen Wal Moby Dick versteift, erinnern uns AHAB an die fruchtlose Jagd nach dem Leben, der letztlich immer der Sensenmann ein Ende bereitet. Schöne Momente kann es geben, klar, doch die dunkle und endlose Tiefe, um beim nautischen Thema zu bleiben, wird uns schließlich alle zu sich herabziehen.

Kundige wissen jedoch, dass auch dem grimmigen Funeral Doom manch bittersüße Emotion entspringen kann. Unterhaltsame Konzerte in gemütlicher Gemeinschaft sind also kein Widerspruch zur drückenden Melancholie, die AHAB seit 15 Jahren mit ihrer Musik transportieren. Da Konzerte aktuell wegen der Corona-Pandemie ausfallen müssen, ist es also erfreulich, dass mit „Live Prey“ dieser Tage ein angemessener Ersatz erscheint.

„Live Prey“ – ein ausgefeiltes Zufallsprodukt.

Dabei ist es Zufall, dass das erste Live-Album von AHAB gerade jetzt erscheint. Dass es überhaupt existiert, ist nur einem Zufall zu verdanken. „Da das ganze ja tatsächlich eher ein Zufallsprodukt ist und die Show nicht für einen Mitschnitt geplant war, hat es erstmal gedauert, bis ich überhaupt davon erfahren habe, dass der Tontechniker den Abend aufgenommen hatte“, erklärt Schlagzeuger Cornelius Althammer im Interview.

„Live Prey“ ist allerdings auch kein unausgegorener Schnellschuss. Der Mitschnitt wurde sauber und klar abgemischt, Störgeräusche sind sehr selten. Da ursprünglich nur eine einzige Stereospur vorlag und keine einzelnen Audio-Spuren zu den jeweiligen Instrumenten, musste viel Arbeit in die Produktion gesteckt werden. Dies hat sich aber hörbar gelohnt. Der Sound dröhnt sogar so wuchtig und dicht aus den Boxen, dass fast das Live-Feeling flöten geht. Dass dadurch aber wiederum ein hypnotischer Sog entsteht, aus dem man in ruhigeren Momenten oder zwischen den Songs durch Reaktionen des Publikums rausgerissen wird, dürfte ganz dem idealen Konzerterlebnis entsprechen.

AHAB entwickeln sich stetig weiter.

Mitgeschnitten wurde der Auftritt während des Death Row Fests in Jena im Jahr 2017. In der Tracklist finden sich ausschließlich Songs des Debüts „The Call of the Wretched Sea“. Fans dürften im Detail einige Änderungen an den Songs auffallen. Ein natürlicher Vorgang, der die Entwicklung der Musiker widerspiegelt, erläutert Cornelius: „Insgesamt ist das jetzt eine viel musikalischere Angelegenheit als es die ursprüngliche Aufnahme war“. Für Abwechslung sorgen schließlich auch die Ambient-Parts zwischen den einzelnen Stücken.

„Live Prey“ dürfte also sowohl neue als auch alte Fans von AHAB abholen und fügt sich souverän in die bisherige Diskographie der Band ein. Auch wenn der Mitschnitt bereits knapp drei Jahre alt ist und lediglich Songs des Debüts abbildet, demonstriert er gut, wo AHAB als Band stehen. Dank des guten Sounds, der sowohl alle atmosphärischen Effekte als auch die druckvollen Riffs astrein darstellt, wird zudem die Stimmung des Auftritts perfekt eingefangen. „Live Prey“ ist ein Funeral-Doom-Album, an dem Fans der Band und des Genres nicht vorbeigehen sollten.

 

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20.06.2020

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Ahab auf Tour

08.10.20metal.de präsentiertAhab - Campaign For Musical Deceleration Tour 2020Ahab, Hexer, Eremit und ToadeaterMTC Club, Köln
09.10.20metal.de präsentiertAhab - Campaign For Musical Deceleration Tour 2020Ahab, Hexer, Eremit und ToadeaterMS Stubnitz, Hamburg
10.10.20metal.de präsentiertAhab - Campaign For Musical Deceleration Tour 2020Ahab, Hexer, Eremit und ToadeaterSputnik Café, Münster
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20 Kommentare zu Ahab - Live Prey

  1. Watutinki sagt:

    Ich finde Ahab schon genial, generell sollte es mehr Funeral Doom Alben auf dem Markt geben. So richtig warm bin ich mit dem Wahljäger aber nie geworden. Ich denke es liegt zum einen an der Produktion. Wenn man Funeral Doom macht, sollte es finde ich auch nach Funeral Doom klingen. Ahab haben aber immer sehr viel Wert gelegt auf einen produktionstechnisch astreinen Klang. Dabei würde ich mir gerade bei dem Ocean Thema wünschen, dass sich das Ganze klangtechnisch quasi im Meeresrauschen suhlt. So klingt es halt nach ein paar Jungs die Doom Metal spielen, aber eigentlich mit dem Charakter Ahab und dem Meer wenig anzufangen wissen. Auch musikalisch ist alles nahezu perfekt, aber es fehlt eben das Besondere, dass den Ahab Charakter hervorhebt.
    Also geile Band, würde ich gerne Mal live erleben, aber es fehlt das gewisse Etwas. Deswegen kommt bei mir kein Ahab Album über eine 8 hinaus.

    8/10
    1. nili68 sagt:

      Geht dann nicht wieder das Besondere verloren, wenn es mehr Funeral Doom Alben auf dem Markt gibt? Inflation und so, die dann auch wieder unzählige Nichtskönner auf den Plan ruft? Ich finde, es gibt eher zu viele Bands generell.
      Ahab fand ich immer etwas langweilig, selbst für dieses Genre. Dann eher Evoken, Shape Of Despair oder Esoteric..

      1. Watutinki sagt:

        Problematisch finde ich es, wenn es zu einem Trend ausartet, so wie in den 90er beim Black Metal. Und selbst diese Bands auf den Trend ausspringen, die mit der Musik eigentlich zuvor nicht so viel anfangen konnten.
        aber Du hast recht, ich kenne mich im Doom Genre gar nicht so sehr aus, also wenn man jetzt Mal den „richtigen“ Doom Metal betrachtet. Einige zählen ja sogar MDB zum Doom, da sehe ich etwas anders. Vielleciht war das Mal so, aber dann auch nur ansatzweise. Mit Doom Metal verbinde ich sauschwere, langsam schleppende, walzende Gitarrenriffs. Was anderes würde ich persönlich nicht als Doom Metal bezeichnen. Und Ahab ist für mich kein Funeral Doom, dazu müsste es wirklich zerstörrerisch sein, aber eigentlich ist es sogar relativ brav. Würde da eher zu Monolthe greifen.

      2. nili68 sagt:

        Naja, man muss schon zwischen Funeral/Death Doom oder auch Drone und normalem (dem „richtigen“) Doom unterscheiden. Da sind Growls keineswegs verpflichtend. Erfunden hat das Genre ja Black Sabbath und Bands wie Candlemass, Reverend Bizarre, Trouble oder Saint Vitus inspiriert und.. ich kenne eigentlich niemanden außer dir, der MDB nicht als Doom bezeichnet. Nochmal: Geschmack entscheidet nicht über die Genrebezeichnung. 😉

      3. Watutinki sagt:

        Black Sabbath, Candlemass habe ich nie gehört, dahe rhabe ich mir mene Doom Definition wahrscheinlich relativ eigenständig angeeignet. 😉 Ich behaupte auch nicht, dass ich damit zwingend richtig liege, einen Wissenstest über Doom würde ich wahrscheinlich ziemlich in den Sand setzen.

        Auch wenn nich das alles sicher ergooglen könnte, was unterscheidet denn den Death vom Funeral Doom?
        Wür mich ist das derzeit ein und das gleiche, wobei ich persönlich nicht wusste, dass man Death Doom überhaupt als Bezeichnung verwendet.

        MDB ist doch eher depressiver Gothic Metal (früher), oder Dark Metal (heute), weil Gothic heute ja alles und nichts ist.

        Wie gesagt, auch wenn es einfachheitshalber so klingen mag, ich behaupte nicht das es so richtig ist, wie ich es scheibe, ich tausche mich nur aus.
        Und man kann mit mir über alles normal reden, außer über den 90er BM, DS und NB, da gibt es nur meine Wahrheit! :)))

      4. nili68 sagt:

        Ok, deine beautiful und tremendous Wahrheit sei dir gegönnt. Biggest Wahrheit. Nr. One. 😉

        Ganz ehrlich, ist mir der Unterschied zwischen Death und Funeral Doom auch nicht ganz klar. Ich habe ’ne Vermutung, aber kann das nicht akademisch darlegen. Ich bin auch nicht Dr. Doom oder so.. 😀

      5. Nether sagt:

        @Watutinki
        Dann zeig mir mal wo man auf der „Symphonaire Infernus et Spera Empyrium“ und der „As the Flower Withers“ depressiven Gothic Metal findet.

  2. BlindeGardine sagt:

    Ich würde sagen Death Doom ist etwas dynamischer und näher am Death Metal, während Funeral Doom halt eben sehr schwer und vor allem laaaaaaaaaaaangsaaaaam ist, das ist aber hauptsächlich meine eigene Interpretation.

    1. nili68 sagt:

      So ähnlich würde ich das auch sagen. Beim Funeral Doom gibt es ja manchmal sogar Überschneidungen zum Drone, was ich bei Death Doom jetzt nicht so vermuten würde. FD ist auch elegischer, da steht trotz Heavyness, nicht der „Rock ’n‘ Roll-Faktor“ so im Spotlight. Vielleicht kann das ja mal jemand googeln.. 😀 😉

      1. Watutinki sagt:

        Hier steht ein bisschen was:
        „symphonischen und orchestralen Elemente begünstigten diese Weiterentwicklung des Death Doom zum Funeral Doom.“
        https://www.metal.de/reviews/ahab-live-prey-409122/

        Übrigens auch „Der Erfolg dieser Bands (MDB, Anathema, Paradise Lost) ist es wohl auch, der dafür verantwortlich ist, dass das Gros der nicht mit der Doomszene vertrauten Metalfans mit dem Begriff Doom in erster Linie den typischen Peaceville-Death-Doom assoziiert.“ :))

        Aber wie Death Doom jetzt tatsächlich klingt, muss ich mir Mal anhören. Interessant wären da Mal neuere Bands, oder gibt’s dazu nur alte Sachen?

      2. nili68 sagt:

        Empfehlenswert wären auf jeden Fall ARCANE SUN und MOURNING BELOVETH. Neuere fallen mir aus dem Stegreif nicht so ein. MONOLITHE kennst du ja schon..

      3. Steppenwolf sagt:

        Ophis vielleicht?

      4. Cynot sagt:

        Hamferð vielleicht noch? Zumindest laut Wikipedia werden sie als Death Doom eingeordnet.

    2. BlindeGardine sagt:

      Asphyx werden doch auch als death doom kategorisiert oder nicht? Oder ist das doom death und ist das überhaupt was anderes? Fragen über fragen, aber daher kam mir der gedanke mit der dynamik.
      Muss aber auch sagen, dass mir diser ganz schleppende doom mit growls eh größtenteils nichts gibt und ich dann eher klassischen doom oder epic doom bevorzuge, candlemass, crypt sermon, sowas.

      1. Steppenwolf sagt:

        Ich stell mir grade die Frage, liegt Death-Doom nicht auch sehr nahe am Sludge bzw wo ist da die Linie? Liegt der Unterschied ausschließlich am Gesang der ja oft noch ein wenig vielschichtiger ist als das bloße gegrowle aus dem Death? Was wäre noch charakteristisch um beides klar voneinander trennen zu können…

      2. Nether sagt:

        @Steppenwolf
        Death Doom hat im Allgemeinen keine Anleihen aus Stoner und Hardcore. ‚
        Bands wie Crowbar, EyeHateGod oder auch Down würde man kaum dem Death Metal zuordnen.

      3. Steppenwolf sagt:

        Kommt immer drauf an wie ausgeprägt ein Stil in der Musik untergebracht ist. Stoner liegt ja wiederum dem Doom sehr nahe bzw. ist Doom ein vorläufer davon. Ich denke man muss immer auf die Band selbst schauen… ist mehr Doom dabei oder mehr Death, sind verschiedene Musikstile kombiniert worden usw., damit man ungefähr sagen kann um was es sich handelt.

      4. Steppenwolf sagt:

        Das mit dem Hardcore isr ein interessanter Punkt, wobei HC auch nicht bei jeder sludge Band vertreten ist.

  3. Steppenwolf sagt:

    Wen es interessiert:

    https://youtu.be/WZupGQVCuZE

    Extreme Mischung verschiedener Stile -Check-
    Widerwärtiges Cover -Check-
    Kommen aus Kanada -Check-
    Geiles Album -Check-

  4. nili68 sagt:

    >werden doch auch als death doom kategorisiert oder nicht? Oder ist das doom death und ist das überhaupt was anderes?<

    Ich finde (juhuuu 'ne Meinung im Internet) ja, dass man bei marginalen Unterschieden nicht gleich ein neues Genre auf machen muss. Das ist doch albern. Auf die Unterschiede kann man ja im Review hinweisen. Da steigt doch eh kein Mensch mehr durch, wie man hier gut sieht. Andererseits hätte ich sonst diesen wichtigen Kommentar nicht schreiben können..