Ahab - The Boats Of The Glen Carrig

Review

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Whenever be the seas so grave – for man and maid the tide is turning.

Das Spiel mit den Gezeiten hat man im Hause AHAB in der Tat längst perfektioniert. Nichtsdestotrotz ist das Slowmotion-Quartett nach wie vor gewillt, seinen ureigenen „Nautik Doom“-Sound von Album zu Album mit weiteren Genrehäppchen anzureichern. Basierend auf William Hope Hodgsons gleichnamigen Horrorroman begibt man sich mit „The Boats Of The Glen Carrig“ auf eine Reise durch teils fremde musikalische Gewässer.

Etwa durch solche, wie sie der Vorab-Song „Like Red Foam (The Great Storm)“ erahnen ließ. Der riffstarke Sludge-Brecher zeugt von der gewachsenen Bandbreite musikalischer Komponenten, wie es zu Zeiten des recht traditionellen Funeral-Doom-Debüt „The Call Of The Wretched Sea“ nicht vorstellbar gewesen wäre. Doch keine falsche Furcht vor einer hundertprozentigen Kehrtwende: Schließlich erging es der Glen Carrig aller Wahrscheinlichkeit nach nicht anders als Kapitän Ahabs geliebter Pequod – sie sank. Und mit vertontem Schiffbruch kennen sich AHAB inzwischen eben bestens aus. Das bekannte Wechselspiel aus sanften Clean-Melodien und schleppenden Doom-Parts hat sich in der Vergangenheit einfach als zu fruchtbar erwiesen, als dass in puncto Songstruktur auf „The Boats Of The Glen Carrig“ von großen Neuerungen gesprochen werden kann. Muss aber ja auch nicht, schließlich beweisen die vier Instrumentalisten, was innerhalb dieser vermeintlich eng gesteckten Grenzen noch alles möglich ist: Angejazzte Clean-Gitarren treffen auf den abermals verfeinerten, elegischen Klagegesang Daniel Drostes, ehe wahlweise überraschend treibende Sludge-Riffs oder wuchtige Death/Doom-Beats das Kommando übernehmen.

So halten sich die unterschiedlichen Dynamikstufen im weiteren Albumverlauf die Waage und leben dabei insbesondere vom warm-authentischen Feeling der Duo-Live-Recordings der jeweiligen Gitarren- und Rhythmusfraktionen. Im Endergebnis kommt die verfeinerte Produktion nicht einfach nur „mellow“ daher, sondern genehmigt im Zusammenspiel mit hörbar nachgerüsteten Pedalboards auch manch psychedelische Passage: So gelingt es AHAB in Stücken wie „The Weedmen“, die Unterwasserwelt der gleichnamigen Seemonster, welche die Crew der Glen Carrig im Verlaufe des Romans immer wieder angreifen, auf gar träumerische Art und Weise zu vertonen. Synth-Pad-Assoziationen, wo gar keine sind – das muss die Doom-Metal-Kollegenschaft erst einmal nachmachen.

Und wenngleich „The Boats Of The Glen Carrig“ keinen zentralen Überhit wie „Antarctica The Polymorphess“ („The Giant„, 2012) an Bord haben mag, so punktet die Summe aller Teile hier dennoch auf ganzer Linie. Denn wenn die Songtexte einmal mehr als liebevoll ausgearbeitete lyrische Adaption der Originalprosa fungieren, wenn der langsamste Song der Bandgeschichte dem schnellsten folgt, wenn sich im abschließenden „The Light In The Weed“ Klargesang und schwermütige Akkorde zu einem MY DYING BRIDE-Crescendo vereinen, dann wird klar, dass nur wenige Bands sich derart anmutig innerhalb der Grenzen des Doom Metals bewegen, wie AHAB es anno 2015 tun.

26.08.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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