Devilment
"Damals habe ich eine Menge getrunken, und es war zugleich die Zeit, als wir mit den Aufnahmen zum Album begonnen haben" – Interview mit Daniel Finch zu "The Great And Secret Show"

Interview

Devilment

Wenn ein Name wie Dani Filth im Spiel ist, rückt die dazugehörige Band für viele automatisch etwas mehr in den Fokus. Doch natürlich sind DEVILMENT nicht allein Dani Filth. Im Gegenteil. Daher haben wir mit dem Gründer der Combo gesprochen, und Daniel Finch hat so einige tiefe Einblicke gewährt – sowohl in seine persönliche Gefühlswelt als auch in die Vorzüge, wenn man den Frontmann von CRADLE OF FILTH in den eigenen Reihen hat.

Hi, Daniel. Wie geht’s Dir? Seid Ihr gut vorbereitet auf die kommende Tour (inzwischen befinden sich DEVILMENT auf Tour, Anm. der Red.)?

Hey, mir geht’s gut, danke. Sind wir auf die Tour vorbereitet? Ich hoffe es (lacht). Wir haben die letzten Monate sehr intensiv geprobt. Es klingt gut, aber es ist auch schwierig, weil Dani mit CRADLE OF FILTH unterwegs ist. So hatten wir nicht allzu viel Gelegenheit, gemeinsam zu proben. Aber die Band klingt absolut tight. Letztlich hängt alles davon ab, wie es an dem Tag wird, an dem wir dann tatsächlich zusammen spielen … oder es wird eine totale Katastrophe (lacht).

Einige von Euch kennt man ja schon, aber insgesamt ist DEVILMENT eine neue Band, vor allem mit dem aktuellen Line-up. Bitte stell die Band doch kurz vor.

Zum aktuellen Line-up gehören Dani Filth (CRADLE OF FILTH) am Mikro, Colin Parks (THE CONFLICT WITHIN) an der Gitarre, Nick Johnson (ERADICATION) am Bass, Aaron Boast (KEMAKIL) an den Drums und Lauren Francis, die bei uns das Keyboard übernimmt und komplett neu in der Metal-Welt ist. Und ich an der Gitarre spiele oder spielte noch bei 13 CANDLES, TWISTED AUTUMN DARKNESS und THE THINKING PRINCIPLE, aus denen SYNAPTIK wurden, die gerade ein sehr gutes Album herausgebracht haben.

Wo wird die Teufelei hinführen – auf lange Sicht betrachtet?

Ich glaube, viele denken, dass DEVILMENT nur für ein Album und eine Tour gegründet wurden, aber das stimmt natürlich nicht. Der Deal mit Nuclear Blast umfasst zwei Alben, und wir haben auch schon angefangen, neue Songs zu schreiben. Wir haben also einen Plan, und da Dani bei CRADLE spielt, sieht der so aus, dass wir abwechselnd Jahr für Jahr an einem DEVILMENT-Album arbeiten werden und er an einem CRADLE-Album. Es ist aber auch ein Glücksfall, dass wir beide beim selben Label sind und auch denselben Konzertvermittler haben. So treten wir uns nicht gegenseitig auf die Füße. DEVILMENT wird es also so lange geben, wie wir Lust haben. Und wenn Dani mit CRADLE beschäftigt ist, kann sich j eder noch seinen anderen Bands widmen . Ich werde die Zeit dann auch nutzen, um Zeit mit meiner Tochter zu verbringen und an neuem DEVILMENT-Material zu arbeiten.

Die ersten DEVILMENT-Songs sind schon zwischen 2001 und 2003 entstanden. Kann man etwas von dem alten Material auf „The Great And Secret Show“ hören?

Wir haben nur einen Song aus dieser Zeit verwendet: „Stake In My Heart“. Der hat sich im Vergleich zu damals aber ziemlich verändert. Um 2011 herum hatten wir keine wirkliche Idee, in welche Richtung es mit DEVILMENT gehen wird oder wie wir klingen werden. Wir haben damals eine ganze Menge ausprobiert – von Industrial-Goth bis Thrash –, bevor wir die Schlüsselelemente für unseren Sound gefunden haben. Ich wollte schon immer mehr in die Groove-Metal-Richtung gehen, aber mit diesem epischen Touch. Die Songs sollten groß und mächtig klingen, und das tun sie auch. Wir haben unsere Richtung, unseren Sound mit dem jetzigen Line-up gefunden. Inzwischen fühlt es sich wie eine echte Band an. Das war vorher nicht der Fall, als es für mich eher so war, als würde ich alles selbst machen und nur Musiker anheuern. Jetzt ist es perfekt, denn niemand hat mehr zu sagen als der andere, unabhängig, wie lang jeder Einzelne dabei ist, wie viel Erfahrung er hat und so weiter. Genau das ist wichtig für mich.

Devilment

War die Bekanntheit von Dani Filth in irgendeiner Form ausschlaggebend, um bei einem Major-Label zu landen und mit Scott Atkins zu arbeiten?

Es war definitiv hilfreich, denn er hat die Kontakte und er zieht eine Menge Aufmerksamkeit auf DEVILMENT. Sein Engagement wird sich auch sicherlich auf den Verkauf des Albums auswirken. Aber die Leute sind nicht dumm. Trotzdem braucht man gute Songs, und ich denke, dass wir die auch haben. Wir müssen einfach eine gute Band sein, und auch deshalb haben wir bei Monte Conner’s Nuclear Blast Entertainment unterschrieben, denn er sieht etwas in uns. Ich meine, der Mann hat SLIPKNOT unter Vertrag genommen, und schau Dir an, wie groß die heute sind. Er hat ein Auge für gute Bands und gute Musik, also ist es großartig, dass er etwas in dem sieht, was wir machen, und ein Teil davon sein will.

Mit Scott war es genauso. Er hat sich das Demo-Material angehört und gewusst, dass wir etwas haben. Also hat er angeboten, das Album aufzunehmen, ohne im Voraus Geld dafür zu bekommen. Nach dem Motto: Wenn wir dann einen Plattenvertrag haben, können wir ihn ja bezahlen. Ich bin extrem froh, dass er das Risiko eingegangen ist, aber letztlich hat sich die Investition ja ausgezahlt.

Das Album hat eine Menge Facetten. Waren alle Bandmitglieder einverstanden mit der musikalischen Ausrichtung oder gab es Diskussionen aufgrund der vielen Elemente?

Nein, wir machen einfach das, was sich für uns richtig anfühlt und was für uns gut klingt. Es geht nicht darum, Songs in eine Schublade zu packen oder in ein bestimmtes Genre, vielmehr geht es darum, einen Mix zu finden. Wir haben sechs Musiker mit sechs musikalischen Einflüssen und Ideen in der Band, also haben wir alles miteinander vereinbart, und genau das macht DEVILMENT aus. Nicht alle waren mit den ursprünglichen Demo-Songs zufrieden, und nicht jeder mag bestimmte Ideen, mit denen ich ankam, aber wir haben als Band zusammen daran gearbeitet, die bestmöglichen Songs zu kreieren. Und ich denke, das ist uns gut gelungen.

Wer kam denn auf die Idee, elektronische und orientalische Sounds einzubauen?

In der Anfangszeit habe ich mich mit dem Elektronik-Thema auseinandergesetzt, weil ich verschiedene Grooves und Gefühle finden wollte. Also habe ich eine Techno-Drum-Schleife laufen lassen und dazu gejammt. Dann kam das Metal-Schlagzeug dazu. Als nächstes habe ich ein paar Samples drübergelegt, und im Nachhinein haben wir wieder bestimmte Dinge geändert, doch genau so sind die Songs entstanden. Kürzlich habe ich das ganze alte Material gefunden, und es ist einfach verrückt, wie sehr es sich verändert hat.

In den Songs geht es um fiktionale Geschichten, aber hinter „Sanity Hits A (Perfect) Zero“ verbirgt sich eine sehr persönliche Geschichte, oder?

Ich schreibe keine Texte für DEVILMENT. Früher habe ich auch in Bands gesungen, aber meine Texte waren immer ziemlich scheiße, wenn ich ehrlich bin. „Sanity“ war einer der ersten Songs, die Colin eingebracht hat. Zu der Zeit, als wir an der Nummer gearbeitet haben, haben sich meine damalige Frau und ich getrennt. Das war eine verdammt schmerzhafte und dunkle Zeit in meinem Leben. Ich habe mich um die Bandangelegenheiten gekümmert und so, aber ich war erleichtert, als es von den anderen hieß: „Nimm Dir eine Auszeit“. Alle haben sich dafür eingesetzt und meine Aufgaben übernommen, und so konnte ich den Kopf freibekommen, um mit allem klarzukommen. Ich werde immer dankbar dafür sein, dass sie mir das ermöglicht haben.

Damals habe ich eine Menge getrunken, und es war zugleich die Zeit, als wir mit den Aufnahmen zum Album begonnen und mit Labels und so weiter gesprochen haben. Ich bin nicht der Erste, der durch so eine harte Zeit durch musste, und es hat eine Weile gedauert, wieder glücklich zu werden. Bei dem Song muss ich jedes Mal an diese Zeit denken, und sehr lange war es extrem schwierig für mich, die Nummer zu spielen, weil die alten Gefühle wieder hochkamen. Doch inzwischen fühlt es sich eher positiv an. Es ist wahr, dass die Zeit die Wunden heilt, und im Moment fühle ich mich gut. Ich bin froh, all diese großartigen Menschen um mich herum zu haben, die Unterstützung war fantastisch.

Betrachtet man die Entwicklung von DEVILMENT, stößt man auf viele Veränderungen im Line-up. Ist die aktuelle Besetzung stabil?

Ja, das Line-up ist stabil, und vor allem sind wir auch alle gut befreundet. Klar, jeder hat noch andere Bands, aber wir sind alle mit vollem Einsatz dabei. Jeder Einzelne hat seinen Platz und seine Rolle bei DEVILMENT.

Seid Ende Oktober seid Ihr mit LACUNA COIL auf Tour. Ihr seid die Supportband, doch können wir trotzdem eine spezielle Show erwarten, vielleicht ein wenig Horror auf der Bühne?

Nein, wir halten es sehr minimalistisch. Ich meine, sicher würden wir auch gern Backdrops, eine Licht-Show, Pyros und dergleichen integrieren … ein riesiger Drache, der aus der PA rauskommt und Feuer speit, eine Plattform für die Musiker, so wie bei einer KISS-Show (lacht), aber letztlich entscheidet das Budget. Wir werden einfach die Musik für sich sprechen lassen, und hoffentlich kann unsere Stage-Performance dann Abend für Abend die Zuschauer mit sich ziehen. Als neue Band haben wir jetzt erst mal viel Arbeit vor uns. Da wird es interessant, wie die Reaktionen ausfallen, nicht nur in Bezug auf das Album, sondern auch auf die Konzerte.

Die berühmten letzten Worte … sie gehören Dir.

Ich will einfach jedem für die Unterstützung bis jetzt danken. Die Kommentare zu unseren Singles haben uns schon umgehauen, und auch die bisherigen Besprechungen waren wirklich positiv. Es scheint also, als würde sich die harte Arbeit der letzten drei Jahre auszahlen. Außerdem kann ich es kaum erwarten, endlich live zu spielen, und ich freue mich sehr darauf, ein paar unserer Fans zu treffen. Stay Metal!

Galerie mit 13 Bildern: Devilment - WGT 2017
09.11.2014

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