Insomnium
Alles hat ein Ende, nur die (Curry-)Wurst hat zwei

Interview

Habt ihr schon mal über finnische Texte nachgedacht? Besonders bei einem Album wie „Heart Like A Grave“, das seine Wurzeln in der finnischen Seele hat?

Markus V.: Ich glaube nicht, dass das bei INSOMNIUM funktionieren würde.

Jani: Das ist eine coole Idee, aber ich sehe auch nicht, wie das funktionieren sollte.

Markus H.: Ja, das sehe ich auch so. Das würde auch das Verständnis bei den Fans einschränken.

Markus V.: Vielleicht ein paar Sätze, aber keine ganzen Songs.

Jani: Das wäre so ein Nischen-Ding. Besonders zu sein, nur um besonders zu sein. Was normalerweise zu nichts führt.

Markus H.: Unsere Lyrics waren schon immer auf Englisch. Ich sehe keine Veranlassung, das zu ändern.

Markus V.: Wir müssen die finnische Melancholie in englische Lyrics übertragen. Das ist auch eine Herausforderung.

Jani: Ich schreibe keine Lyrics für INSOMNIUM, aber insgesamt finde ich es leichter, auf Englisch zu schreiben. Die Sprache ist nachsichtiger. Man kann Sachen sagen, die wirklich banal klingen würden, wenn man sie auf Finnisch sagt.

Markus V.: Auf „Heart Like A Grave“ haben wir zwar keine Texte übersetzt, aber jeder Song basiert auf einer Idee aus einem alten finnischen Song, die wir dann auf INSOMNIUM und Englisch angepasst haben.

Habt ihr ein Beispiel für so eine Geschichte?

Markus H. kramt sein Handy raus und ruft „Peltoniemen Hintriikan surumarssi“ von Tapio Rautavaara auf Youtube auf.

Markus H.: Das ist die Ära, mit der wir uns hauptsächlich befasst haben.

Jani: Die Lyrics sind wirklich verdammt trostlos.

Ich verstehe leider nichts…

Markus H.: Es geht um Armut.

Markus V.: „And Bells They Toll“ wurde von diesem Stück inspiriert. Es geht um ein armes Mädchen, das eine Handvoll Glück im Leben findet. Sie verliebt sich in einen Typ und die Hochzeitsglocken läuten. Aber dann stirbt er, und die gleichen Glocken läuten zu seinem Begräbnis. [Pause] Ein anderes Motiv ist das Älterwerden. Denn wir werden gerade alle 40. Es ist also auch unser 40s-Crisis-Album.

Das Midlife-Crisis-Album?

Markus H.: Endlife-Crisis-Album [lacht].

Markus V.: In vielen dieser finnischen Songs geht es um das Altwerden. Früher war alles besser, vieles wird bereut, alle guten Dinge gehen vorüber.

Markus H.: Wenn man „Heart Like A Grave“ mit einem Wort beschreiben sollte, wäre das wohl „Neverlasting“. Keiner kommt hier lebend raus.

Jani: Das Konzept von Sterblichkeit ist ganz klar vertreten.

Markus H.: Und was man am Ende bereut.

Die Dinge, die man im Leben nicht gemacht hat?

Markus H.: Und gleichzeitig die, die man getan hat.

Markus V.: Ich hatte mal einen Hoffnungsschimmer in meinem Leben, doch dann ist er verschwunden…

Markus H.: … doch dann bin ich aufgewacht [lacht].

Insomnium nicht so ernsthaft.

Ich glaube, das ist doch ein ziemlich guter Abschluss. Sehr düster, aber trotzdem.

Markus V.: Ich glaube, wir müssen jetzt runter an den Fluss…

… und uns ertränken?

Alle: Ja.

Markus H.: Lasst uns ein paar Piña Coladas trinken und uns ertränken.

Bevor wir absaufen, habt ihr noch was loszuwerden? Zum Beispiel eine Message an die INSOMNIUM-Fans?

Markus V.: Wir freuen uns, bald wieder in Deutschland zu sein, denn wir lieben Currywurst. In Finnland kriegt man nicht wirklich Currywurst.

Die könnt ihr doch einfach selbst machen?

Markus V.: Nein, da ist etwas Magisches in der deutschen Currywurst-Soße.

Ich glaube, das ist altes Frittierfett.

Jani: Es ist jedenfalls verdammt geil.

Markus H.: In Joensuu – das ist die nächste Stadt hier – gab es mal diesen internationalen Markt, unten am Fluss. Da gab eine Currywurst-Bude. Ich dachte mir, „yeah, jetzt hol ich mir eine richtig gut gemachte Currywurst“. Und dann war sie total scheiße.

Eine Enttäuschung, so wie alles im Leben?

Markus H.: Ja, genau! Überhaupt nicht mit denen an deutschen Tankstellen vergleichbar.

Galerie mit 23 Bildern: Insomnium - 70000 Tons Of Metal 2018 - 1. Tag

Wir waren gerade so philosophisch, und jetzt…

Markus V.: Wir haben es in Deutschland nur so weit gebracht, weil wir wegen der Currywurst ständig da sind.

Markus H.: Wegen der Tankstellen-Currywurst. Wir lieben sie.

Markus V.: Die Jagd nach der Currywurst.

Das nächste INSOMNIUM-Album wird also ein Konzeptalbum. „Die Jagd nach der Currywurst“.

Markus V.: Es war gut, dass wir darüber geredet haben. Jetzt will ich eine Currywurst, also werde ich mich heute Nacht glaube ich nicht ertränken. Die Deutschland-Termine stehen an, also gibt es Licht am Ende des Tunnels.

Jani: Das muss die bisher merkwürdigste Antwort auf die Frage gewesen sein, ob es eine Message für die Fans gibt [wir lachen]. Ja, die gibt es!

Markus H.: Ich denke, alle Fans, die das Interview lesen, werden zustimmen, dass Currywurst das Beste ist, was Deutschland je hervorgebracht hat.

Markus V.: Currywurst hat Mitglieder von INSOMNIUM gerettet. Heute. Vor dem Selbstmord durch Ertrinken.

Markus H.: Ihr habt tolle Skispringer und tolle Currywurst. [Pause] Das wars.

Danke euch für das Interview!

Alle: Danke dir!

Etwas philosophisch wird es im Anschluss an das Interview doch noch, als Markus H. sinniert, dass wir irgendwie alle dieses kleine, einsame Würstchen sind, das sich in der Auslage der Tankstelle vor sich hin dreht, das aber keiner will. Und wer den Jungs zum Trost nun gerne eine Currywurst mit zum Konzert bringen will, kann dies im Rahmen der bald startenden Tour Like A Grave tun.

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Quelle: Markus Vanhala, Markus Hirvonen, Jani Liimatainen von Insomnium
04.10.2019

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1 Kommentar zu Insomnium - Alles hat ein Ende, nur die (Curry-)Wurst hat zwei

  1. Atlas sagt:

    Beim Lesen depressiv geworden…