Mekong Delta
Immer einen Schritt weiter hin zum Ziel

Interview

Dieses Jahr, genauer am 08. Mai, erschien mit „Tales Of A Future Past“ ein neues Album von MEKONG DELTA, der legendären Prog-Metal-Band um Ralf Hubert, sechs Jahre nach dem Vollzeitvorgänger „In A Mirror Darkly“. Aber tatsächlich handelt es sich hierbei um mehr als „nur“ ein neues Album. Spezieller sind die „Landscapes“-Movements eine Art Studie für ein größeres Projekt, an dem Hubert schon längere Zeit arbeitet. Darüber, aber auch über die Vergangenheit, wie sehr man die Arbeit von Schlagzeugern würdigen sollte, die immense Leidenschaft der klassischen Musik, über das nach wie vor brandaktuelle Thema Coronavirus und mehr haben wir mit Hubert sprechen können.

MEkong Delta

Hallo Ralph, wie geht es dir und wie hast du den Lockdown überstanden?

Hallo Michael. Den Lockdown habe ich eigentlich ganz gut überstanden. Ich habe ja beim Komponieren und Arbeiten so viel mit Draußen nicht zu tun, sondern war ganz intim mit meinem Computer, meinen Noten und meinem Stift. (lacht) Außerdem habe ich mich von der ganzen Situation nicht so sehr anstinken lassen. Jeder, der sich ein bisschen damit befasst, hätte sich denken können, dass sowas irgendwann einmal kommen wird. Der Ausbruch von Covid war so sicher wie der Einschlag eines Asteroiden oder der Ausbruch eines aktiven Supervulkans wie z. B. der Yellowstone. Es ging hier nie ums „Ob“, sondern ums „Wann“. Insofern habe ich das ziemlich relaxed betrachtet.

Das heißt, dass du im Falle einer zweiten Welle vermutlich ähnlich relaxed sein wirst, oder?

Ja, ich halte mich weiterhin daran, wie man sich eigentlich verhalten soll. Ich renne nicht irgendwie in größeren Gruppen herum und halte immer Abstand. Insofern bin ich da gut vorbereitet. Denn dieser Wunschgedanke, dass wir den Virus schnell wieder loswerden, ist meiner Meinung nach Traumtänzerei. Das wird uns erst einmal so ähnlich weiter begleiten. Ich glaube nicht, nach dem was man mittlerweile so in der Wissenschaft herausgefunden hat, dass sich das Ding mit irgendeiner Impfung besiegen lässt.

Wenn du das neueste in der Science oder Nature gelesen hast, dass da angeblich die Antikörper wieder verschwinden, dann dürfte der Imfpstoff dahingefallen sein. Bin diesen Impfstoffplänen eh skeptisch gegenüber, denn ein RNA-Imfpstoff ist noch nie ausprobiert worden. Ich denke eher, dass das wohl Jahre dauert bis wir den Virus los sind. Wenn wir ihn überhaupt jemals loswerden. Insofern müsste man eher ein Medikament finden, dass die Viren spontan tötet. (lacht)

Und die Informationsflut ist so unübersichtlich, dass man den Überblick verliert, wenn man sich nicht von vorn herein eingelesen hat.

Ja, mich interessiert so etwas grundsätzlich. Ich bin da auf diese Sachen gekommen, als ich diesen einen älteren Film „Outbreak“ mit Dustin Hoffmann gesehen habe. Ich bin ja eigentlich in der Physik interessiert aber als ich den gesehen habe fand ich das extrem interessant. Und dann habe ich mir damals ein Buch besorgt, ’ne ziemlich dicke Schwarte, die hieß „Die kommenden Plagen“.

Das war eigentlich ziemlich toll das Buch, da wurde beschrieben, wie das CDC arbeitet, wie solche Seuchen entstehen und so weiter. Man kann das wahrscheinlich nicht mehr ganz auf den heutigen Zustand übertragen, aber man hat davon doch viel gelernt über die zahlreichen Seuchen und Erkrankungen, die es überhaupt gibt, wie Ebola und dergleichen. Und wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt hat… nun ja, es war klar, dass so etwas passieren würde.

Es gibt ja durchaus Leute, die den Virus mit den Zombie-Viren, bekannt aus diversen Medien, vergleichen. Und besonders die – nennen wir sie mal – aggressiven Skeptiker führen sich ja teilweise wie solche auf.

Die Vorstellung, dass so ein Virus wie ein Zombie-Virus wirken kann, ist schon ein bisschen beängstigend. (lacht) Das Schlimmste ist meiner Meinung nach aber nicht diese aggressive Verweigerung gegen die Existenz des Virus, sondern eher, dass wir nachlässiger im Umgang damit werden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wie wir früher immer sagten.

Und wenn du auf einmal sagst: „Ist eh alles kack egal“, ich mein‘ ich habe da auch immer noch so einen kleinen Mundschutz vor dem Gesicht, so ein kleines Säckchen, wenn ich einkaufen gehe. Doch ich sehe auch immer mehr Kassierer in den Märkten, die auf ihren Mundschutz verzichten, da sie denken, dass sie durch ihre Plexiglasscheibe ausreichend geschützt sind. Die paar Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann um die Ausbreitung aktiv zu reduzieren sollte man meiner Meinung nach auch nutzen.

Neulich habe ich ein Interview gegeben, da hat man mich gefragt ob ich ein Konzert geben würde. So vor unter Berücksichtung der Abstandsregeln bestuhltem Publikum und mit dem neuen Material. Ich habe prinzipiell keine Probleme damit und bin – Gott sei Dank! – noch nie in meinem Leben ernsthaft krank gewesen, vermutlich auch weil ich mich fit halte mit Sport und dergleichen. Aber die Verantwortung, JETZT ein Konzert zu geben, möchte ich mir nicht auf die Schultern laden. Du weißt wie ich das meine, oder?

Ja.

Also ich persönlich finde das unverantwortlich. Du weißt nie, wenn du da 500, 1000 oder 10.000 hast. Und du kannst einfach nicht verhindern, dass diese Leute über kurz oder lang miteinander Kontakt haben werden, denn so ist der Mensch nun mal.

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Quelle: Fotos: Mekong Delta
04.10.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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