Nocte Obducta
Interview mit Marcel zum neuen Album „Karwoche – Die Sonne der Toten pulsiert“

Interview

NOCTE OBDUCTA haben just ihr 14. Album  „Karwoche – Die Sonne der Toten pulsiert“ auf die Menschheit losgelassen und bleiben dabei dem stilistischen Trend der beiden Vorgänger mit verstärkter Tendenz zum rohen 90er Black Metal treu. Warum man derzeit vordergründig eher auf Krawall gebürstet ist und wohin die Reise für NOCTE OBDUCTA als nächstes geht, erklärt uns Bandkopf Marcel im Interview.

Nocte Obducta - Karwoche Cover

Nocte Obducta – Karwoche – Die Sonne der Toten pulsiert

Hi und erstmal Glückwunsch zum neuen Album. Soweit ich das sehe sind die Resonanzen ja durchweg positiv, seid ihr auch zufrieden?

Vielen Dank. Ja, das sind wir auf jeden Fall. Das Recording 2021 lief nach einer nur sehr kurzen Phase der Proben auch wirklich flüssig, weil wir wussten, wohin wir wollen, und wie wir dorthin kommen. Einfach „nur“ eine Metal-Platte, bei der jedes Lied für sich ein eigenes Thema behandelt, und die wieder den Biss und die Giftigkeit alter Tage versprüht, indem sie bei aller Liebe zum Detail und Dynamik angemessen ruppig zu Werke geht und etwaige aufkommende Trance immer wieder unangemeldet aufbricht.

Im Nachhinein hätte man vielleicht die Unterschiede in den Vocals zwischen Torsten und mir ein wenig besser herausarbeiten können. Von den offensichtlichen Kandidaten „Birkenpech“ und „Schwarzbier“ abgesehen haben selbst Ex-Mitglieder beim oberflächlichen Hören oft nicht gemerkt, dass wir uns die Platte brüderlich teilen und außerdem von Stefan unterstützt werden. Aber irgendwie passiert das immer wieder, und vielleicht passt das auch ganz gut in den absichtlich etwas unscharfen Charakter des Albums, bei dem sich die zahlreichen Details erst langsam aus der Dunkelheit schälen.

Viele Bands haben während der Coronazeit mangels Auftrittsmöglichkeiten ja einfach mehr Musik rausgefeuert, ihr habt euch allerdings nicht merklich von eurem üblichen Veröffentlichungsrhythmus abbringen lassen. Wolltet ihr nichts überstürzen oder liegt das auch daran, dass ihr mit anderen Projekten ausgelastet seid?

Es stimmt schon, dass wir mit den Jahren in unserer Arbeitsweise nicht unbedingt schneller geworden sind, zudem sind wir allesamt auch außerhalb von Nocte nicht gerade untätig. Man muss aber auch bedenken, dass wir während Corona einen Besetzungswechsel an den Drums hatten, und das ist für eine Band, die noch sehr klassisch nach Feierabend probt, eine nicht unwesentliche Geschichte. Dazu kam außerdem in meinem Fall eine Handverletzung, wegen der ich fast drei Monate ausfiel, und dann darf man nicht vergessen, dass die Platte mittlerweile auch schon seit über eineinhalb Jahren im Kasten ist.

Der Trend geht bei euch seit ein paar Alben ja wieder klar Richtung ruppiger 90er Black Metal, während eure eher schwelgerische und psychedelische Seite momentan eher im Hintergrund stattfindet. Gibt es einen speziellen Grund für diese Entwicklung?

Einen Grund gibt es natürlich, aber keinen Plan oder eine konkrete Richtung. Es ist eher so, dass uns der Sinn danach steht und das Mehr an Aggression bei gleichzeitiger Steigerung der Dynamik und Detaildichte (beziehungsweise dem schlüssigen Arrangement dieser Details) mit dem Wechsel an den Drums auch machbar ist. Schon „Irrlicht“ hätte da wesentlich bissiger besser verzahnt werden können, aber da ist unser guter Matze einfach an seine Grenzen gestoßen, eine Entwicklung, die sich schon Jahre abgezeichnet hatte. Lange haben das weder Matze als Drummer noch ich als Kopf der Band eingesehen, bis es dann einfach nicht mehr ging. Wir sind halt einfach sehr lange gemeinsam in der Band gewesen und außerdem sehr enge Freunde, da fällt so etwas schwer. Matze wäre stilistisch gerne irgendwo zwischen „Umbriel“ und „Totholz“ mit gelegentlichen Ausflügen Richtung „Schwarzmetall“ geblieben, das Gros der Band wollte aber auch wieder die Phase des kontrollierten Chaos‘ aus der Zeit von „Lethe“ bis „Nektar“ spüren und es mit dem würzen, was wir über die Jahre gelernt oder ausprobiert haben.

Was die vermeintliche Soundentwicklung angeht, so haben wir diesmal die feinen Details und Akzente oft sehr bewusst im eher ranzigen Antlitz des Albums vergraben, sie blitzen aber immer durch, sobald man sich einen Augenblick Zeit nimmt. Nach derzeitigem Stand wird dieser Trend auch auf dem nächsten Album fortgesetzt, wobei dem neuen Material ein etwas differenzierterer Sound dann womöglich besser zu Gesichte stehen könnte, wir werden sehen. Aber so oder so ist dieser Weg nicht Teil einer klaren Marschroute, der nächste Bruch kommt schon früh genug, keine Sorge.

Ich finde die Produktion fängt die Grundstimmung eurer Alben auch immer recht gut ein. „Totholz“ hatte diesen etwas modrigen Oldschool-Sound, „Irrlicht“ klang klirrend kalt und der Sound von „Karwoche“ ist tendenziell eher warm, manchmal sogar richtiggehend hitzig. Zielt ihr bewusst auf solche Assoziationen ab und ist „Karwoche“ dann quasi euer Sommeralbum?

Es gab zwar einen Sound, auf den wir grob abgezielt haben, die Idee war aber nicht warm oder gar hitzig, sondern vielmehr energetisch, dynamisch und ausreichend dreckig. Eine sehr analoge Anmutung war ebenfalls wichtig . Und da verstehe ich natürlich, dass dies als warm oder gar hitzig empfunden wird, das Analoge und Energetische wird wohl diesen Eindruck vermitteln. Ein Sommeralbum ist es aber zumindest für mich nicht, ich habe sogar schon die Beschreibung „kalt“ gehört. Du bist aber trotzdem nicht der Erste, der diese Frage stellt, von daher scheint zumindest in der Außenwirkung was dran zu sein.

Der Eindruck wird vermutlich verstärkt durch die Worte „Sonne“ und „Sommer“ in zwei Titeln und einen klaren lyrischen Bezug zum Sommer in „Schwarzbier und Feigen“. Tatsächlich haben aber die beiden zuerst genannten Stücke nichts mit dem Thema Sommer zu tun

Galerie mit 32 Bildern: Nocte Obducta - Walpurgisnacht 2023 in Berlin

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01.09.2023

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