Rival Sons
"Uns kann sicher niemand vorwerfen, wir seien ein One-Hit-Wonder!"

Interview

Feral Roots“ ist gerade vielleicht das Album der Stunde. Die Platte hat nicht nur Fans und Kritiker mehr als überzeugt, sondern sich auch souverän im ersten metal.de-Soundcheck des noch jungen Jahres gegen schwermetallische Hochkaräter wie SOILWORK, DUST BOLT oder LEGION OF THE DAMNED durchgesetzt. Kein Wunder, schließlich gelten RIVAL SONS nicht erst seit gestern als legitime Anwärter auf den derzeit vakanten Hard Rock-Thron. Doch was ist das Erfolgsrezept des kalifornischen Quartetts, das schon mit Legenden wie BLACK SABBATH, GUNS N‘ ROSES oder THE ROLLING STONES auftrat?

Um diese Frage zu klären, riefen wir kurzerhand bei Schlagzeuger Mike Miley in Los Angeles an, der mit uns einen kurzen, aber genauen Blick hinter die Kulissen von „Feral Roots“ warf. Doch lest selbst!

Rival Sons Band

Hi Miley, danke dir, dass du dir die Zeit für uns nimmst, obwohl es bei euch ja noch relativ früh ist…

Früh? Keine Sorge, ich habe Kinder, früh ist für mich etwas anderes! (lacht)

Na gut, dann lass uns doch gleich zum Wesentlichen kommen: Ihr habt mit „Feral Roots“ ja einen absoluten Volltreffer gelandet, die Platte kam eigentlich überall gut an. Jetzt ist das Album endlich draußen und in ein paar Tagen geht’s schon los auf Tour. Wie fühlst du dich und verlief bei dir die Zeit vor dem Release?

Ach, ich fühle mich so bereit, wie man sich nur fühlen kann! Wir konnten viel Zeit mit unseren Familien verbringen, davor haben wir in Ruhe das Album fertiggestellt, die richtigen Songs ausgewählt und viel geübt. Ich persönlich habe eigentlich die meiste Zeit an meinem Schlagzeug verbracht und natürlich auch viel trainiert, schließlich muss ich körperlich fit sein. Wirklich mehr konnte ich auch nicht machen. (lacht)

Vor etwa zehn Jahren habt euer Debüt „Before the Fire“ rausgebracht und seitdem ist eine ganze Menge passiert. Wie denkst du über die letzten Jahre?

Naja, es war definitiv ein langer Weg nach oben. Uns kann sicher niemand vorwerfen, wir seien ein One-Hit-Wonder! Ich denke, wir sind eher der Ochse der Rock ’n‘ Roll-Branche, der mühevoll seinen Karren ziehen muss, um im Musikgeschäft mitzumischen. Wir haben immer versucht bei unserer Interpretation von Rock ’n‘ Roll zu bleiben und dabei stets unser eigenes Ding durchgezogen.

Inzwischen haben wir sieben Platten rausgebracht, sechs Alben und eine EP. Wir haben haben einen Plattendeal bei Warner/Atlantic/Elektra gelandet, sind endlich bei einem Major Label. Nichtsdestotrotz war es ein langer, mühevoller Aufstieg. Und trotzdem streben wir weiterhin nach Größerem und arbeiten wirklich hart dafür, dass unsere Ziele in Erfüllung gehen.

Mit „Feral Roots“ seid ihr euren Zielen mit Sicherheit einen Schritt näher gekommen. Lass uns doch gleich mal über den Opener „Do Your Worst“ sprechen. Innerhalb der ersten Sekunden hört man direkt, dass man es mit einem RIVAL SONS-Album zu tun hat, schließlich habt ihr euren eigenen Sound gefunden. Nichtsdestotrotz klingt keines eurer Alben wie das andere. Wie schafft ihr es, euren Sound beizubehalten und dennoch stets neue Ideen einfließen zu lassen?

Mann, das ist eine verdammt gute Frage! Tatsächlich stelle ich am Ende jedes Aufnahmeprozesses fest, dass wir uns immer noch nicht wiederholt haben. Es gibt keinen zweiten Teil von „Pressure & Time“, keinen zweiten Teil von „Keep On Swinging“ – jeder Song lebt gewissermaßen in seiner ganz eigenen Nische. Wie wir das schaffen? Keine Ahnung! Ich kann nur noch einmal sagen, dass wir immer versuchen uns an unsere Interpretation von Rock ’n‘ Roll zu halten.

Ich sehe Musiker wie HOWLIN‘ WOLF, LED ZEPPELIN, ELVIS PRESLEY oder THE BEATLES gewissermaßen als meine Vorgänger. Dann gehst du ins Studio und versuchst in diese Fußstapfen zu treten. Du setzt dich an dein Instrument und hast diese Leute im Hinterkopf. Auf der einen Seite bist du voller Demut, auf der anderen ist es aber auch genau das, was dein Selbstvertrauen antreibt. Du musst einfach dich selbst überwinden und genau das ist auch unser Ethos. Jeder bei RIVAL SONS hat unterschiedliche Stärken und Schwächen, doch wir arbeiten miteinander daran und genau deswegen gehören wir einfach zusammen. Ich bin einfach unheimlich dankbar, ein Teil davon zu sein!

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann dir keine wirkliche Antwort auf diese Frage geben. Alles was ich sagen kann, ist, dass wir einfach immer versuchen, uns nie zu wiederholen. Scott [Holiday, Gitarrist] wird nie ankommen und sagen: „Schaut mal, ich habe ein Riff geschrieben, das wie „Pressure & Time“ klingt!“ Genau deswegen schätze ich es so sehr, Musik mit Leuten machen zu dürfen, die großen Wert auf Vielseitigkeit legen.

Wenn wir schon beim Thema Vielseitigkeit sind, lass uns doch kurz darüber sprechen, welche Einflüsse bei euch eine große Rolle spielen. Neben den klassischen Blues- und Hard Rock-Elementen hört man nämlich auch ganz klar Einflüsse traditioneller amerikanischer Genres heraus, wie etwa die Folk-Passagen bei „Look Away“ oder die Gospelchöre in „Shooting Stars“. Wie wichtig ist es euch, eure Musik mit solchen Elementen zu verknüpfen?

Oh, das ist uns wirklich sehr wichtig! Wenn man sich den Rock ’n‘ Roll näher anschaut, merkt man schnell, dass diese Genres eng miteinander zusammenhängen. Es ist gewissermaßen wie bei einem Stammbaum: Die Wurzeln bilden Leute wie CHUCK BERRY, FATS DOMINO oder ELVIS PRESLEY, eben alle, die in den 60ern den Rock ’n‘ Roll begründet haben. Der wiederum ist im Blues verwurzelt, den Musiker wie HOWLIN‘ WOLF, SKIP JAMES oder ROBERT JOHNSON groß gemacht haben. Aus Blues und Gospel entstand also Rock ’n‘ Roll.

Dann hast du mit THE BEATLES, THE WHO oder THE ROLLING STONES noch die Zeit der British Invasion, in der britische Bands amerikanische Musik einfach kopiert und nachgespielt haben. Sie haben sich ein eigentlich absolut amerikanisches Genre zu eigen gemacht. Daraufhin haben amerikanische Bands angefangen, bei den BEATLES zu klauen und sich gleichzeitig von LED ZEPPELIN oder CREAM inspirieren lassen. Die ganze Entwicklung des Genres ist ein einziges Hin und Her.

Und auch wir bedienen uns bei verschiedenen Einflüssen. Jay [Buchanan, Sänger] zum Beispiel hat sich stark von der Musik aus der Region der Appalachen inspirieren lassen, wo die Leute gemeinsam gesungen haben, während sie auf den Feldern arbeiteten. Außerdem sind er und Dave [Beste, Bassist] nach Nashville gezogen und haben sich vom dortigen Leben auf dem Land und dem Süden im Allgemeinen beeinflussen lassen. Scott und ich hingegen leben immer noch in Kalifornien, sind für die Aufnahmen aber nach Nashville gekommen und haben gewissermaßen ein Stück Westküste mitgebracht.

Tatsächlich habe ich bis gerade eben noch gar nicht viel darüber nachgedacht, aber jetzt wo du es sagst, fällt mir auf, wie viele verschiedene Faktoren uns in unserem Schaffen eigentlich beeinflusst haben. Ich habe das irgendwie immer ausgeblendet, vielleicht, weil ich ja mit dieser Musik aufgewachsen bin. Manchmal braucht es wohl einfach einen Blick von Außen, um solche Zusammenhänge zu erkennen.

Neben den musikalischen Einflüssen finden sich auch immer wieder Motive aus der amerikanischen Geschichte in euren Songs und Lyrics. Auf „Head Down“ gibt es die Songs „Manifest Destiny Pt. 1 & 2“, deren Titel ja auf einen zentralen Gedanken anspielt, der bei der Eroberung des Westens durch die amerikanischen Siedler eine wesentliche Rolle spielte. Auch „Feral Roots“ (dt. wilde Wurzeln) spiegelt die wilde, ungezähmte Seite des Landes wider und konzentriert sich gleichzeitig auf diesen „Back to the Roots“-Aspekt, der sich durch das ganze Album zieht. Inwieweit wählt ihr solche bild- und wortgewaltigen Elemente bewusst für eure Musik?

Wenn du in den USA aufwächst, wirst du natürlich schon früh mit der amerikanischen Geschichte und diesen Motiven konfrontiert. Der Grundgedanke von „Feral Roots“ ist meiner Meinung nach jedoch nicht unbedingt ein amerikanischer, sondern kann für jeden gelten. Es ist, wie du bereits angedeutet hast, eine Rückbesinnng auf sich selbst und darauf, was einen zu dem Menschen macht, der man ist.

Dennoch bringt der Titel doch trotzdem einen gewissen Hauch von Amerikanismus mit sich, nicht auf eine patriotische Art und Weise, sondern eher als spirituelles Konzept.

Ja, ich verstehe definitiv, was du meinst. Jay schreibt ja die Texte und er ist ein sehr belesener Mensch. Er ist sehr an Geschichte interessiert, kennt sich sehr gut aus und lässt natürlich einiges von dem, das er so liest, mit einfließen. Natürlich gibt es da Kapitel in unserer Geschichte, aus denen wir lernen müssen und vor denen wir nicht einfach wegrennen können. Wenn wir also solche Elemente verwenden, dann um etwas aufzuzeigen. Jede Geschichte hat ihre Höhen und Tiefen, doch ich glaube, manchmal fokussieren wir uns zu sehr auf die Triumphe.

Um auf den Gedanken hinter „Feral Roots“ zurückzukommen und das miteinander zu verknüpfen, müssen wir doch nur mal schauen, für wie selbstverständlich wir hier in der westlichen Welt solche Dinge wie fließendes Wasser nehmen. Doch wer bist du von Natur aus wirklich? Schalt alle Lichter aus, klink dich aus dem Stromnetz aus, verzichte auf Handys und Computer – wie würdest du in der Wildnis ohne all das zurecht kommen? Das ist doch die Frage, die eigentlich hinter „Feral Roots“ steckt!

Ihr scheint euch beim Songwriting sehr mit persönlichen Gedanken, Fragen und Themen zu beschäftigen. Tatsächlich empfinde ich „Feral Roots“ als sehr tiefgründiges und zum Teil auch bewegendes Album, das manchmal sehr emotional, manchmal aber auch sehr positiv und lebensbejahend klingt. Würdest du sagen, dass eure Musik in gewisser Weise auch immer widerspiegelt, was gerade in euren Leben so vor sich geht?

Also zunächst einmal möchte ich sagen, dass es natürlich niemandes Ziel bei RIVAL SONS ist, unsere Hörer in irgendeiner Weise traurig zu machen. Besonders Jay, der ja unsere Texte verfasst, hat garantiert nicht diese Intention. Wir versuchen immer, eine positive Kraft in dieser Welt zu sein und diese Positivität auch auf unsere Musik zu übertragen. Es freut mich natürlich trotzdem, dass unsere Musik Emotionen auslöst!

Zwischen all dem Scheiß und all dem Bösen, das in unserer Welt so passiert, ist es wichtig, etwas Positives beizusteuern. Ich sehe uns lieber als Licht, das die Dunkelheit erhellt und deswegen geben wir stets alles, diese Einstellung beizubehalten!

Vielen Dank für das tolle Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Ich danke dir! Es war sehr spannend und ich freue mich auf die kommende Tour!

Quelle: Mike Miley, Rival Sons
29.01.2019

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