Thorngoth
Interview mit Gitarrist Sorath zu "Schwarz-Karg-Kalt"

Interview

Thorngoth

Die Bad Tölzer Schwarzmetaller THORNGOTH sind auf unseren Seiten zu Dauergästen geworden, was aber nicht weiter verwundert, da sie es verstehen, mit jedem neuen Album positiv zu überraschen. War „Leere“ schon eine deutliche Weiterentwicklung von „Rauhnacht“, geht das neue Düsterwerk „SCHWARZ-KARG-KALT“ noch einen ganzen Schritt weiter – und überzeugt abermals. Mancher spricht sogar davon, dass THORNGOTH damit ihr bestes Album abgeliefert haben. Warum aber geht die Band den Weg ohne Label im Rücken an? Im Gespräch mit Gitarrist und Bandkopf Sorath konnten wir die wichtigsten Fragen klären.

Ihr werdet bald Euer neues Album „SCHWARZ-KARG-KALT“ veröffentlichen und dem geneigten Publikum zugänglich machen. Habt Ihr da irgendeine Erwartungshaltung?

Ich denke, dass „SCHWARZ-KARG-KALT“ all diejenigen überraschen wird, die ein zweites „Leere“-Album erwartet haben. „Auf SCHWARZ-KARG-KALT“ ist jedoch viel mehr eine Weiterentwicklung unseres Stils zu hören. Daher sind wir durchaus gespannt, wie das Album aufgenommen werden wird.

Das heißt, Ihr seid gespannt, was Fans und Presse zum Werk zu sagen haben?

Es ist natürlich am wichtigsten, dass die Musik uns selbst gefällt. Wenn das nicht mehr gegeben ist, braucht man eine Metalband nicht mehr weiter am Leben zu erhalten. Dennoch interessiert es einen, was andere vom eigenen Werk halten. Dabei MUSS es nicht der Presse oder den (bisherigen) Fans gefallen, schließlich schreiben wir die Musik nicht nach dem Geschmack anderer, sondern nach unserem eigenen. Es braucht jedoch auch keiner abstreiten, dass man sich bei positiven Kritiken in seinem Schaffen bestätigt fühlt. Überbewerten sollte man die Meinungen anderen nicht, sofern man selbst von seinem Werk überzeugt ist.

Ich würde gern erstmal über ein paar „technische“ Dinge reden: Eure letzten Alben habt Ihr über Folter Records rausgebracht, das neue Album werdet Ihr selbst veröffentlichen und vertreiben. Warum seid Ihr diesen Schritt gegangen, und was ändert sich dadurch für Euch?

Während der Aufnahmen zu „SCHWARZ-KARG-KALT“ bin ich auf Metal-Promotions gestoßen und war von deren Konzept von Anfang an recht angetan. Die meiner Meinung nach wichtigste Arbeit, die ein Label für eine Band übernimmt, sind Vertrieb und Promotion. Beides kann über Metal-Promotions geregelt werden.

„SCHWARZ-KARG-KALT“ wird über Amazon, Nuclear Blast, einige andere Großhändler sowie unseren eigenen Shop thorngoth.bigcartel.com erhältlich sein. Für all diejenigen, die das Album kaufen wollen, ändert sich also überhaupt nichts. Wir haben allerdings das gesamte Album selbst finanzieren müssen, wohingegen ein Label in der Regel zumindest die CD-Pressung finanziert.

Die Gründe, warum wir uns gegen eine Labelveröffentlichung entschieden haben, waren die absolute Unabhängigkeit und Selbstbestimmung hinsichtlich der Promotion und des Vertriebs. Außerdem entstehen für uns im Vergleich zu einer Veröffentlichung bei einem kleinen bis mittleren Label keinerlei Nachteile, ausgenommen, dass wir eben komplett in finanzielle Vorleistung gehen müssen. Letztendlich haben wir durch diesen Weg Einsicht über alle Vorgänge, die das Album betreffen, was zuvor nicht gegeben war.

Wie die letzten Alben habt Ihr auch „SCHWARZ-KARG-KALT“ selbst produziert, und diesmal hat das Album eine Durchschlagskraft wie sonst noch nicht zuvor. Wie kommt’s?

Wie bei so vielen Dingen lernt man immer mehr dazu, je länger man eine Sache betreibt. So ist es auch bei uns mit den Eigenproduktionen. Einschließlich der Demo-CD „Sigillum“ ist „SCHWARZ-KARG-KALT“ bereits die fünfte Veröffentlichung, die wir selbst produziert haben. Die Steigerung ist, denke ich, von Album zu Album hörbar. Eine große Rolle bei den Aufnahmen spielt auch die technische Ausrüstung, die wir im Laufe der Jahre Stück für Stück erweitert und aufgerüstet haben. Mittlerweile ist es durchaus möglich, mit einem Equipment im Wert von ein paar tausend Euro und etwas Erfahrung im Umgang damit ordentliche Eigenproduktionen zustande zu bringen.

Wenn man die Aufnahmen selbst in die Hand nimmt, besteht ja häufig die Gefahr, dass sich alles in die Länge zieht, weil man alles perfekt machen möchte und sich beim Feilen an Kleinigkeiten verzettelt. Wie habt Ihr das in den Griff bekommen, wie lange habt Ihr das Album produziert?

Insgesamt hat der Entstehungsprozess von „SCHWARZ-KARG-KALT“ mit sehr vielen und langen Pausen um die drei Jahre gedauert, angefangen von der der ersten Songidee bis zur Fertigstellung des Masters. Die reine Produktionszeit hat auch fast ein Jahr gedauert, da wir bereits im Februar 2012 mit den Aufnahmen begonnen hatten. Ab Mitte 2012 waren wir nur noch mit Mix und Master beschäftigt. Vor allem in dieser Phase haben wir das Material mehrmals nach der Bearbeitung wochenlang ruhen lassen, ohne weiter daran zu arbeiten, um Abstand dazu zu gewinnen und weiterhin einigermaßen objektiv an die Sache herangehen zu können. So hat sich alleine der Mix- und Master-Prozess um ein halbes Jahr hingezogen. Wir haben uns letztendlich eine Deadline gesetzt, bis wann das Album fertig produziert sein muss, um alles weitere nicht noch weiter hinauszuzögern.

An welchen Details hättet Ihr denn noch weiter gefeilt, wenn Ihr Euch die Zeit gegeben hättet?

Da hatte jedes Bandmitglied andere Vorstellungen. Der eine wollte den Sound roher und dreckiger, der andere noch sauberer und druckvoller. Es gab noch Ideen, hier und da noch mehr Samples einzubauen, jedoch haben wir das alles wieder verworfen. Letztendlich haben wir mit dem jetzigen Sound einen Kompromiss gefunden, mit dem jeder einverstanden ist.

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Auch wenn Ihr bereits auf den letzten Alben das schwarzmetallische Korsett etwas weitergeschnürt habt, so habt Ihr Euch doch auf „SCHWARZ-KARG-KALT“ ziemlich deutlich anderen Einflüssen geöffnet. Ist diese Öffnung Eurer Musik auf Eure persönlichen Vorlieben zurückzuführen oder vor allem eine Notwendigkeit aus der Thematik des Albums?

Allem voran steht der Anspruch, die Musik zu erschaffen, die man selbst gerne hören würde. Daher liegt die Ursache für die Stilerweiterung ganz klar beim eigenen Musikgeschmack. Außerdem wollen wir weder uns selbst noch andere kopieren. Dem Old School-Black Metal zu frönen, mag ja für manche Bands und Hörer ausreichende Genugtuung sein, doch uns reicht das nicht. Sicher haben wir dort unsere Wurzeln und werden auch weiterhin im Grunde eine Black Metal Band sein. Doch den Stil alter Bands einfach größtenteils zu übernehmen, kann man sich meiner Meinung nach auch sparen, weil man sich dann gleich die Scheiben der älteren Bands anhören kann.

Wir haben den Stil jetzt nicht neu erfunden und haben es in dem Ausmaß auch nicht vor, jedoch halten wir es für notwendig, vor Genregrenzen keinen Halt zu machen, um die Musik weiterhin hörenswert zu gestalten. Die Einflüsse aus dem Doom- und Death Metal haben jedoch auch mit dem Albumkonzept zu tun, mit deren Stilelementen wir die passende Stimmung erschaffen konnten.

Welche Bands haben Dich (mit Alben oder Live-Aktivitäten) in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Was den Zeitraum vom Enstehungsprozess von „SCHWARZ-KARG-KALT“ angeht, müsste ich erst nachvollziehen, welche Alben ich von 2009 bis 2011 am häufigsten gehört habe. Dazu zählen wohl einige Bands aus Schweden, wie SHINING, DARK TRANQUILLITY, OPETH oder KATATONIA. Einflüsse von diesen Bands, finden sich aber, wie ich finde, kaum auf „SCHWARZ-KARG-KALT“. In letzter Zeit haben mich LIGHT BEARER, CULT OF LUNA, AGRYPNIE, OBSCURE SPHINX oder auch OCTOBER FALLS ziemlich beeindruckt.

Bislang warst Du selbst ja für den Großteil der Musik zuständig. Bist Du nach wie vor die treibende Kraft hinter der Musik von THORNGOTH, oder hat sich das mit der dezenten musikalischen Öffnung ebenfalls ein wenig geändert?

Die Musik auf SCHWARZ-KARG-KALT stammt größtenteils von mir, wobei unser zweiter Gitarrist Vulgrim einige Riffs und Ideen beigesteuert hat. Die Arrangements der Songs habe ich zusammen mit unserem Drummer Grond erarbeitet. Die Texte stammen von unserem Sänger Akhorahil, Vulgrim und mir. Das gemeinsame Songwriting gestaltet sich für eine Band, deren Mitglieder alle unterschiedliche Arbeitszeiten haben, als relativ schwierig. Daher hat sich seit dem „Leere“-Album an der Vorgehensweise beim Songwriting nichts geändert. Die Basis der Songs entsteht am Computer, an dem ich oder Vulgrim unsere Riffs einspielen. Alles Weitere baut darauf auf.

Selbst wenn THORNGOTH nach wie vor die Hütte prügeln – Eure Musik wirkt reflektierter, durchdachter und stimmiger. Was möchtet Ihr rein musikalisch erreichen und ausdrücken?

Wir möchten eine durchdringende Atmosphäre erschaffen, die den Hörer mit sich reißt. „SCHWARZ-KARG-KALT“ steht für das unvermeidbare Ende des uns bekannten Lebens, auch wenn das wahrscheinlich in sehr weit entfernter Zukunft liegt. Bei „SCHWARZ-KARG-KALT“ ist die Stimmung, die die Musik erzeugt, wichtig, um diese Atmosphäre in sich aufzusaugen. Und was wir musikalisch allgemein erreichen wollen: simpel ausgedrückt wollen wir Musik schreiben, die es wert ist, gehört zu werden und nicht gleich in Vergessenheit gerät.

Zum textlichen Konzept hinter „SCHWARZ-KARG-KALT“ sagt Ihr kurz und knapp: „Es ist ein Konzeptalbum über das Universum und wie es einst enden könnte.“ Kannst Du uns ein wenig mehr zu dieser Thematik sagen?

„SCHWARZ-KARG-KALT“ handelt von den möglichen Zuständen, die das Universum in ferner Zukunft erwarten könnten. Eine Theorie besagt, dass sich das All immer weiter ausdehnt und die Materie sich verdünnt, so dass in ferner Zukunft keine neuen Sterne mehr entstehen können. Ohne Sterne gibt es kein Licht und keine Wärme – es ist alles schwarz und kalt. Was übrig bleiben würde, ist Materie, karg und regungslos. Schwarz, karg und kalt sind also die Eigenschaften einer möglichen Zukunft des Universums.

Was macht für Euch die Faszination dieses Themas aus?

Was könnte da einen daran nicht faszinieren? Gegen die Unendlichkeit von Zeit und Raum ist doch alles, was die Menschheit und die Erde betrifft, irrelevant. Das Thema ist es uns definitiv wert, es einem Album zu widmen. Die typischen Black Metal-Themen, wie z.B. Krieg oder Misanthropie, sind im Vergleich zum Ende der Erde in ein paar Milliarden Jahren doch auch bedeutungslos.

Das knappe Statement zum Albumkonzept hat jedoch auch schon seltsame Reaktionen im Internet hervorgerufen. So schrieb jemand in einem Metal-Forum als Kommentar zum Statement „Ah, da hat wer Abitur und mag Black Metal. Klingt irrelevant.“, was für einige Erheiterung in unserem Bekanntenkreis gesorgt hat.

Du sagtest gerade, dass das Albumkonzept nicht an typische Black-Metal-Themen anknüpft und in der Hinsicht wenig anthropozentrisch ist. Mal allgemein gefragt: Welche Rolle wird Deiner Meinung nach die Menschheit in diesem Universum gespielt haben?

Richtig, die Texte handeln eigentlich weniger von der Menschheit und deren Rolle im Universum. Wobei der erzählerische Aspekt hier sicher auch eine Rolle spielt und es sich nicht ganz vermeiden lässt, in dieser Form Texte zu schreiben. Einige Songs beschreiben aber in Metaphern Phänomene des Alls. „Im toten Feld der Wirklichkeit“ handelt von den ersten Sekundenbruchteilen des Universums, also dem Urknall; „Todesschrei der Materie“ von schwarzen Löchern und die letzten „Lebenszeichen“ von Materie, bevor diese im schwarzen Loch verschwindet, um die beiden Songs als Beispiele zu nennen. Wir versuchen jedenfalls den Inhalt unserer Texte so zu umschreiben, dass man nicht sofort erkennt, worum es eigentlich genau geht.

Die Menschheit wird angesichts des Alters und der Größe des Universums wohl kaum eine große Rolle spielen. Falls grundsätzliche gesellschaftliche Probleme nicht gelöst werden können, wird die Menschheit nicht einmal für die Erde eine größere Rolle spielen, da die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering ist, dass sie sich in Zukunft selbst vernichtet.

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Das Albumcover ist in Farbgebung und Motiv ziemlich düster und mystisch. Welche Aspekte der Texte bzw. der Thematik finden sich im Artwork wieder?

Das Albumcover soll den Weg zum tristen und kargen (End-) Zustand des Universums symbolisieren. Die schwarze Pyramide steht für untergegangene Zivilisationen, die den widrigen Lebensbedingungen nicht mehr trotzen konnten. Rund herum ist nur karge Felslandschaft und ein weißlicher, lebloser Planet im Hintergrund zu sehen.

Kannst Du noch etwas zur Entstehung der Coverabbildung erzählen? Wer hat es angefertigt, was waren die Vorgaben etc.?

Der Designer des Covers nennt sich Scherbenleyd. Er stellt seine Werke auf seiner Webseite malformed-malice.com dar. Obwohl wir mit unserem bisherigen Designer A.S. sehr zufrieden waren, wollten wir bei diesem Album mit einem anderen Artworkkünstler versuchen. Wir haben Scherbenleyd unsere Vorstellungen geschildert. Er sollte das Mystische und Bedrohliche einer fremden und lebensverneinenden Welt darstellen, was ihm auch gut gelungen ist.

Was stand am Anfang des Albums: Das thematische Konzept, einfach nur neue Musik – womit habt Ihr bei „SCHWARZ-KARG-KALT“ angefangen?

Das thematische Konzept wuchs mit der Entstehung der Musik heran. Der Anfang des Ganzen war jedoch der Titelsong. Ursprünglich wurde dieser Song nicht einmal für THORNGOTH geschrieben, sondern für ein Nebenprojekt von mir, das mittlerweile mehr oder weniger auf Eis liegt.

Das ist PERDITION’S LIGHT, nehme ich an. Warum hast Du das Projekt auf Eis gelegt?

Eigentlich ist PERDITION’S LIGHT Debütalbum musikalisch bereits komplett fertig, auch einige Gesangsspuren sind bereits aufgenommen. Jedoch geht bei dem Projekt seit ca. einem Jahr nichts mehr voran, und ich bin mir über die stilistische Ausrichtung noch nicht ganz im Klaren, da PERDITION’S LIGHT mehr oder weniger eine Mischung aus allem ist, was der extreme Metal zu bieten hat und darüber noch hinaus mit Elektro-Elementen und Cleangesang angereichert ist. Wie und wann es damit weitergeht, muss ich mit meinem Mitstreiter noch klären.

Jedenfalls stellte sich beim Songwriting heraus, dass die anderen Songs von der Stimmung gut zum Titelsong passten, ohne dass sie bewusst dafür komponiert wurden. Nachdem die ersten zwei oder drei Songs fertig geschrieben waren, stand eigentlich schon fest, wie das Konzept zum Album aussehen würde.

Zuletzt eine Frage zu Euren Liveaktivitäten: In der Vergangenheit seid Ihr ab und zu aufgetreten, wenngleich nicht sehr häufig. Habt Ihr vor, an dieser Taktung etwas zu ändern? Und was bedeutet es für Euch, live zu spielen?

Allzu viel Einfluss auf die Häufigkeit der Liveauftritte haben wir selbst nicht. Das hängt ganz von den Angeboten an, die uns gemacht werden. Wir wollen auf jeden Fall die Songs von „SCHWARZ-KARG-KALT“ live präsentieren. Veranstalter dürfen uns gerne kontaktieren! Für uns sind Live-Gigs etwas Besonderes. Wir wollen live unsere Songs bestmöglich wiedergeben, um den Konzertbesucher auch etwas zu bieten.

Danke für das Interview, Sorath! Die letzten Worte gehören Dir!

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11.04.2013

- Dreaming in Red -

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