Thorngoth
Interview mit Sorath zu "Rauhnacht"

Interview

THORNGOTH aus Bad Tölz konnten bereits mit ihrem Debütalbum „Thelema Of Destruction“ in unserer Redaktion lobende Worte ernten. Das soeben erschienene Zweitwerk „Rauhnacht“ ist nicht minder überzeugend und steht wie zuvor für Black Metal, der zwar roh, aber dennoch melodisch daherkommt. Dabei hat das Quartett seit Anbeginn alles selbst in die Hand genommen, die Produktion eingeschlossen, und sich somit eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt, die es einmal näher zu beleuchten gilt. Daher nutzten wir die Gelegenheit, um beim Gitarristen und Hauptsongwriter Sorath anzuklopfen und ihm ein paar Fragen zum neuen Album zu stellen.

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Servus Sorath! Ihr habt ein neues Album am Start, „Rauhnacht“. Wie seid Ihr bislang mit den Reaktionen darauf zufrieden?

Nun, es gab bisher viele positive Kritiken, wobei noch einige Rezensionen ausstehen. Wir können auf jeden Fall zufrieden sein.

Euer letztes Album erschien auf Northern Silence Productions, „Rauhnacht“ hingegen auf Folter Records. Was waren die Gründe für den Wechsel?

Als die Aufnahmen von „Rauhnacht“ beendet waren, schickte ich die fertige Aufnahme zu Northern Silence. Norgash von Northern Silence hörte sich die CD sorgfältig an und kam zu dem Fazit, dass ihm „Rauhnacht“ nicht vollkommen zusagt. Er meinte, dass ihm die Musik im Vergleich zu „Thelema Of Destruction“ zu uneingängig und komplex sei. Er hätte die CD veröffentlicht, doch wäre das seinerseits nur halbherzig gewesen und er empfahl uns stattdessen, die CD über ein anderes Label zu veröffentlichen und nannte auch gleich Folter Records.

Also fragte ich bei Folter Records an. Nachdem die Zuständigen des Labels „Rauhnacht“ durchgehört haben, ließ die Zusage nicht lange auf sich warten, da die Leute von der CD sehr überzeugt sind.

„Rauhnacht“ ist Black Metal schwedischer Prägung, ohne Keyboards, dafür aber durchaus abwechslungsreich und mit Zwischentönen. Was möchtet Ihr rein musikalisch erreichen und ausdrücken?

Was wir erreichen wollen, lässt sich nicht genau definieren. Wir machen die Musik, die uns gefällt. Das Ganze dient der Selbstverwirklichung. Wir wollen eine dunkle Atmosphäre erschaffen und durch melancholische Melodieführung zum Nachdenken anregen.

Wie war diesmal Eure Aufteilung beim Songwriting und bei den Texten?

95 % der Musik stammt von mir. Arrangiert wurden die Songs im Proberaum in Absprache mit den anderen Bandmitgliedern. Die Arbeit an den Texten haben Akhorahil [Vocals] und ich unter uns aufgeteilt. Von jedem stammt etwa die Hälfte der Texte.

Welcher Track repräsentiert das neue Album am besten und warum?

In all seinen Stimmungen und Tempowechseln wird das wohl der Song „Schiachperchten“ sein. „Rauhnacht“ hat sowohl einige aggressive Knüppelparts als auch langsamere, atmosphärische, bedrohliche und melodische Teile. Das alles kommt bei „Schiachperchten“ vor.

Gibt es denn einen roten Faden, musikalisch oder textlich, der sich durch das Album zieht?

Nein, den gibt es nicht. Jedes Stück steht für sich.

Um ein wenig bei den Texten zu bleiben. Zunächst: Was hat es mit dem Titel „Rauhnacht“ auf sich und inwiefern lassen sich die einzelnen Stücke des Albums darunter subsumieren?

Die Nächte zwischen dem 24.12. und dem 06.01. werden als Rauhnächte bezeichnet. Im Volksglauben steht zu dieser Zeit das Geisterreich offen. Böse Geister und Dämonen treiben in diesem Zeitraum ihr Unwesen. Die Wilde Jagd (Oskorei) soll in diesen Nächten ebenso stattfinden. Auch wenn sich nur ein Songtext (der zu „Schiachperchten“) explizit auf diese Thematik bezieht, habe ich diesen Albumtitel gewählt, da man ihn wohl mit allem Obskuren und Mystischen assoziieren kann.

Die Lyrics zum Stück „Schiachperchten“ sind in einem bayerischen Dialekt verfasst. Für alle Nichtbayern und volkskundlich Interessierten: Worum handelt es sich bei den Schiachperchten?

„Perchten“ sind Gestalten, die in alpenländischen Überlieferungen vorkommen. Mit den Perchtenläufen und den abscheulichen Masken der „Schiachperchten“ versuchte man früher, den Winter auszutreiben. Die katholische Kirche tat dies schließlich als unchristlichen Brauch ab und dämonisierte die Perchten. Der Text zu „Schiachperchten“ greift diese Dämonisierung auf. Ich habe mich davon zu einer kleinen Geschichte inspirieren lassen, zusätzlich beeinflusst von der alpenländischen Landschaft in unserer näheren Umgebung.

Ohne die Bedeutung des Textes überstrapazieren zu wollen: „Schiachperchten“ gibt ein Phänomen aus dem Bereich des Volksglaubens wieder. Anders als die Texte zu „Curse Them“ oder „Kill For Paradise“, die sich gegen etwas richten, ist es doch in seiner Thematik und vor allem seiner Sichtweise für eine Black-Metal-Band sehr ungewöhnlich?!

Ich habe mir beim Verfassen des Textes keine Gedanken darum gemacht, inwiefern der Text Black-Metal-kompatibel sein wird. Ich persönlich finde den Text, bis auf die Verwendung des oberbayerischen Dialekts, gar nicht so ungewöhnlich. Der Text erzählt aus der Position eines Einheimischen, der vor den „Schiachperchten“, die als bösartige, mysteriöse und nicht identifizierbare Wesen dargestellt werden, warnt.

Generell finde ich aber, dass im Black Metal die meisten Texte zu einseitig verfasst sind. Bei aller stilistisch notwendigen Negativität wird zu wenig darauf geachtet, mal aus einer anderen Sichtweise zu schreiben, um so mehr Licht ins Dunkel zu bringen und dem Ganzen einen ernstzunehmenden Hintergrund zu verleihen.

Im letzten Interview hast Du betont, dass Ihr die Kontrolle über das Artwork habt und Euch Eure Plattenfirma dort nicht reinredet. Das scheint sich auf „Rauhnacht“ fortzusetzen. Wer ist bei Euch für das Artwork zuständig? Soll das Cover rein atmosphärisch wirken oder steckt hinter dem Cover eine tiefere Bedeutung?

Für das Artwork ist ein Mediendesigner aus Augsburg zuständig, den ich zufällig über das Myrrthronth-Forum kennen gelernt habe. Er selbst macht Vorschläge zum Artwork und berücksichtigt unsere Wünsche. Ich finde, er macht einen guten Job, und wir sind mit der Arbeit sehr zufrieden. Zu Deiner zweiten Frage: Das Cover soll sowohl atmosphärisch wirken als auch den Geist von „Rauhnacht“ widerspiegeln. Man kann darin etwas Übernatürliches sehen, das einen beobachtet. Dabei bleibt dem Betrachter aber Interpretationsfreiraum.

Ein Thema bei all Euren Veröffentlichungen scheint die Produktion zu sein. „Rauhnacht“ macht da keine Ausnahme: Das Album klingt sehr bassarm, aber dafür sehr ungeschliffen und kompakt. Wie zufrieden seid Ihr mit dem Klang des Albums?

Was die Zufriedenheit über die Produktion angeht, scheiden sich auch bandintern die Geister. „Rauhnacht“ wurde wie die beiden vorhergehenden Veröffentlichungen komplett in Eigenregie aufgenommen. Uns fehlt einfach das nötige Kapital für einen Besuch in einem professionellen Tonstudio. Wir setzen daher weiterhin auf Eigenproduktionen und besorgen uns im Laufe der Zeit immer besseres Recordingequipment. So kommen wir billiger weg und stehen bei einer Aufnahmesession unter keinem Zeitdruck, wie es im Studio der Fall ist. Außerdem lerne ich bei jeder Aufnahme in Sachen Recording dazu. So wird jede Veröffentlichung etwas besser klingen als der Vorgänger (bis wir uns vielleicht doch mal einen Studiobesuch leisten können, haha!).

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Sound für die zur Verfügung stehenden Mittel zufriedenstellend ist. Es war eigentlich geplant, die „Rauhnacht“-Aufnahme zum Mastern in ein Studio zu geben, woraus jedoch nichts geworden ist.

Habt Ihr denn eine Vision, wie ein Black-Metal-Album generell und ein THORNGOTH-Album im speziellen zu klingen hat?

Ich persönlich finde die Produktionen von BLOT MINEs „Ashcloud“ und SHININGs „Halmstad“ sehr gelungen. Der Klang von „Ashcloud“ würde einem THORNGOTH-Album stehen. Generell denke ich, dass Black Metal nicht zu sauber und klinisch produziert werden sollte, da so in vielen Fällen die Atmosphäre darunter leidet.

Inwiefern würdest Du THORNGOTH als Teil der oder einer Black-Metal-Szene sehen?

Wir sehen uns nur bedingt als Teil der Szene. Wir pflegen zwar Kontakte zu anderen Bands, vor allem aus der näheren Umgebung, haben aber im Alltag wenig mit anderen Black Metallern zu tun (bis auf ein paar Hanseln hier in der Gegend, die diese Musik ernsthaft hören). Des Weiteren halten wir von einigen Teilen der Szene allgemein nicht allzu viel. Ich persönlich finde es z.B. wirklich unnötig, sich dem Szenedresscode absolut unterzuordnen, und kann über Typen, die das wegen der „Trueness“ tun, nur schmunzeln.

Musikalisch kann man uns jedoch zur BM-Szene zuordnen – wobei das wiederum davon abhängt, wie man Black Metal definiert. Eine mit uns befreundete Band, deren Stil man als „True Black Metal“ bezeichnen kann, sieht unsere Musik z.B. nur teilweise als Black Metal an, da ihrer Ansicht nach einige genrefremde Element in unserer Musik enthalten sind.

Du sagtest gerade, dass Ihr Euch nicht unbedingt als Teil einer Szene seht. Dennoch arbeitet Ihr sehr stark mit Elementen des Black Metal. Inwiefern gehört demnach Corpse Paint, um nur das Auffälligste zu nennen, mit zu Eurer künstlerischen Vision? Sind diese Elemente nicht vielmehr zu Klischees verkommen und haben folglich an Ausstrahlungskraft verloren?

Diese Äußerung bezieht sich eher auf die allgemeine Einstellung und Geisteshaltung der BM-Szene, speziell auf die Engstirnigkeit, die bei einigen „Szenemitgliedern“ herrscht. Die Verwendung von Corpsepaint dient zur Visualisierung der Dunkelheit der Musik. Live trägt es zur Atmosphäre bei.

Ganz generell denke ich, dass die Ausstrahlungskraft davon abhängt, wie man das Ganze realisiert und rüberbringt. Man kann vieles ins Lächerliche ziehen. Dass diese Elemente zu Klischees verkommen, liegt aber auch an den vielen Selbstdarstellern bei MySpace oder sonstigen Internetplattformen.

Wie sieht es momentan bei Euch aus? „Rauhnacht“ habt Ihr ja schon vor einiger Zeit aufgenommen – arbeitet Ihr an neuem Material? Wohin wollt Ihr Euch mit THORNGOTH in Zukunft musikalisch entwickeln?

Ja, wir arbeiten an neuem Material. Fünf Songs für das nächste Album stehen bereits und es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis das restliche Material steht. Wir planen, in der ersten Jahreshälfte 2009 aufzunehmen. Im Vergleich zu „Rauhnacht“ klingen die neuen Songs ein bisschen progressiver. Zudem werden wir neue Stilelemente verwenden.

Es ist aber schwierig zu sagen, wohin die musikalische Entwicklung gehen wird. Als Band muss man irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. So sind größere Sprünge in der Stilistik nicht so leicht. Tendenziell werden wir uns jedoch allmählich vom traditionellen Black Metal entfernen, soweit ich die zukünftige Entwicklung einschätzen kann.

Danke für das Interview! Die letzten Worte gehören Dir!

Danke für das Interview und die Aufmerksamkeit!

19.12.2008

- Dreaming in Red -

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