Year Of The Goat
"Das Leben ist kurz, genießt die Reise!" - Interview mit Multiinstrumentalist Pope zum neuen Album "The Unspeakable"

Interview

Year Of The Goat

Die eröffnende Frage nach dem allgemeinen Befinden und dem Gemütszustand vor Veröffentlichung des neuen Werkes „The Unspeakable“ beantwortet Pope gleich sehr direkt – und mit einem höflichen „Vielen Dank“ (auf deutsch): „Uns geht es sehr gut, wir sind schon ziemlich aufgeregt bezüglich der Veröffentlichung. Wir bekommen bereits die ersten Reaktionen der Medien, insbesondere Reviews – aber auch wenn es schön ist, ein gutes Review zu bekommen, so hoffen wir doch auf das Publikum. Einfache Mathematik: Je mehr Leute wirklich mögen was du tust, desto größer wird der Ansporn, Musik zu machen, und wir leben, um Musik zu machen. Das Wichtigste, worauf wir hoffen, ist die Gelegenheit, wieder auf die Straße zu kommen und all die großartigen Leute zu treffen, die es dort draußen gibt.“

Nun ist es bereits drei Jahre her, seit das Debüt „Angel’s Necropolis“ im Underground für Aufregung sorgte, dann war erstmal weitestgehend Funkstille um die schwedische Truppe. Das ist umso ungewöhnlicher, als dass die Taktung für Neuveröffentlichungen im restlichen Musikmarkt immer höher wird. Aber für diese Wartezeit gibt es eine Erklärung: „Unser Ziel ist es schon, Alben schneller zu machen, aber die Zeit führt ein hartes Regiment. Auch hier wieder Mathematik: Wenn unser Publikum größer wird, dann können wir unsere Touren effektiver gestalten und mehr Zeit ohne Unterbechungen für die Arbeiten an einem Album einplanen. Nicht, dass wir die Absicht hätten, ein kommerzieller Act zu werden und tonnenweise Kohle zu scheffeln. Auch wenn wir unser letztes Hemd geben würden, um die Musik zu machen, die wir lieben, so wäre es doch schön, genug Geld damit zu verdienen – und auch ein Haufen Geld wäre willkommen. Außerdem haben wir diesmal das Label mitten im Prozess gewechselt – das könnte zusätzlich für eine Verzögerung gesorgt haben.“ Die Glaubwürdigkeit, mit der YEAR OF THE GOAT agieren, macht sie sicherlich von jeglichem Verdacht des kommerziellen Ausverkaufs frei – und der Zusammenhang von größerem Publikum und mehr Möglichkeiten bei der Planung sind durchaus verständlich.

Aber was steckt denn nun eigentlich hinter „The Unspeakable“? Was ist die Idee hinter diesem Werk? Pope gibt sich zurückhaltend: „Also ganz grundsätzlich mögen wir die Idee eines Albums, dass sich um ein einziges Konzept oder eine Idee dreht. Das vorherige Album „Angel’s Necropolis“ mit der dazugehörigen EP „Lucem Ferre“ drehte sich um Luzifer und, um es mal so zu sagen, eine Antithese zu Miltons ‚Paradise Lost‘, wo Lucifer und sein Gefolge den Kampf gegen den allmächtigen Diktator im Himmel gewinnen. Dieses Album wiederum, und sein Prolog ‚The Key And The Gate‘, nehmen eine andere Wendung. Wir haben uns erneut von der Literatur inspirieren lassen, und mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Wir wünschen uns, dass der der Hörer eine eigene Erfahrung macht, ohne sie vorher durch unsere Gedanken zu ruinieren – seine Gedanken und Gefühle beim Hören sind genauso bedeutsam, wie unsere. Es gibt einige Hinweise und Tipps, die sich durch das Album und die EP ziehen. Für den interessierten Hörer, genauso wie für die Bandmitglieder, gibt es verschiedene Schichten zu entdecken – lass uns diese mögliche Erfahrung bewahren.“ Also selbst ist der Mann/die Frau! Ran an das Album – Eigeninititive ist gefragt, die sich definitiv lohnt.

Was gleich zum Einstieg von „The Unspeakable“ auffällt, ist der Zwölf-Minunten-Titel „All He Has Read“ – der mit Abstand längste, epischste und monolithischste Brocken der Scheibe. Ein mutiger Schachzug, diesen an den Anfang zu stellen, wofür es aber eine ganz einfache Erklärung gibt: „Nun, es gibt eine feine Linie zwischen mutig und dumm, lass uns mal hoffen, wir sind auf der richtigen Seite. Für uns gab es eigentlich keine andere Möglichkeit, denn der Titel passt perfekt zu den letzten Klängen von ‚Non-Euclidean Calculus‘ von ‚The Key And The Gate‘ – das Ende des Prologes ist sozusagen der Beginn des neuen Albums. Natürlich wäre es aus Marketing-Gesichtspunkten schlauer gewesen, einen kurzen Song an den Anfang zu stellen, aber wir hatten das Gefühl, es müsste genau so sein.“

Und wie schwer ist es eigentlich, so erhabene Melodien zu schreiben, wie sie sich zuhauf auf „The Unspeakable“ befinden? „Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass es ein schwer oder leicht gibt in dieser Hinsicht. Der kreative Prozess ist eine Reise für sich – und wir genießen dieses Abenteuer!“

Aber kommen wir mal zu den musikalischen Einflüssen der Band. Die dunkle Stimme in „The Wind“ könnte ein guter Teil der 1970er-Gothic-Rock-Bewegung sein – ein bisschen SISTERS OF MERCY ohne Kitschfaktor. Ein Vergleich, mit dem Pope durchaus leben kann: „Aber sicher, die SISTERS OF MERCY sind wirklich cool. Wir neigen dazu, das zu tun, was dem Song am besten steht und reflektieren es hinterher – aber dieser Gedanke hat unseren Verstand auch gekreuzt …“ Doch bei Gothic Rock ist nicht Schluss, was die musikalische Bandbreite von YEAR OF THE GOAT anno 2015 angeht: „The Unspeakable“ trägt hier noch dicker auf, als es selbst „Angel’s Necropolis“ konnte. Es gibt Ideen des Psychedelic Rocks, ein jazziges „Twin Peaks“-Intro bei „Riders Of Vultures“ und das progressive und erzählerische „All He Has Read“. Wo soll das alles noch hinführen? Pope dazu: „Das ganze Album ist eigentlich auf Impulsen aufgebaut. Wir haben uns gegenseitig mit Ideen inspiriert und sind ein Tick mehr der Eingebung des Moments gefolgt. Ich sage öfter, dass das Vorgängeralbum anders klingen würde, wenn wir es heute nochmal machen würden, und ich glaube, das ist wahr. Wo das allerdings alles hinführt: ‚Die Seele des Menschen ist in das Universum freigelassen‘, und das Universum expanidert stetig – erst das nächste Album wird zeigen, wo es uns hinführt.“

Neben dem melodiösem Occult Rock hat „The Unspeakable“ grundsätzlich eine sehr melancholische, bluesige Seele, hervorstechend mit den Titeln „The Emma“ und „The Sermon“, zu bieten. Das sieht Pope genauso: „Melancholie ist unser zweiter Vorname. Die beiden erwähnten Songs sind die einzigen Titel, die nicht von Thomas stammen. Vielleicht ist das der markante Unterschied – und das ist auch einer der Hauptunterschiede zum vorherigen Album, wo die Ideen und Basic-Riffs von Thomas stammten. Auf diesem Album habe ich ‚The Emma‘ beigesteuert und Don (Palmroos; Gitarre) ‚The Sermon‘: Wir haben uns alle stark eingebracht um den YEAR OF THE GOAT-Geschmack allen Titeln beizumischen.“

Aber wie sieht es denn nun mit den Eingangs erwähnten Liveaktivitäten aus? Ist da was in Mitteleuropa geplant? Pope hierzu: „Nope, leider nicht, dass ich wüsste – obwohl sich das jederzeit ändern kann. Wir geben die letzte Show mit Material von der ‚Angel’s Necropolis‘ am ersten August. Danach konzipieren wir eine Show für das neue Album und bereiten uns vor. Es ist eine Weile her, dass wir uns mit durchschnittlichen, mitteleuropäischen Metalfans verbrüdern konnten, da sollten wir uns also dringend drum kümmern. Wir hatten ein Tourpackage am Start, aber das führte uns weiter nach Süden. Sobald es etwas neues gibt melden wir es sofort!“ Na hoffentlich! Versprochen ist schließlich versprochen – und was könnte es besseres geben, als diesen Winter eine kleine okkulte Zeremonie in einem kleinen Club abzuhalten? Nix, eben.

Womit wir auch schon am Ende unserer kleinen Fragesession mit YEAR OF THE GOAT wären, die Pope so höflich beendet, wie sie begonnen wurde: „Danke für eure Zeit! Wenn ihr uns noch nicht gehört habt – gebt uns ein paar Durchläufe, lasst uns wissen, was ihr denkt, zum Beispiel über Facebook. Wir hoffen euch bald auf den Straßen Europas zu treffen. Das Leben ist kurz, genießt die Reise!“

Year Of The Goat

Galerie mit 20 Bildern: Year Of The Goat - Metal Hammer Paradise 2021
02.08.2015

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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