Year Of The Goat - Novis Orbis Terrarum Ordinis

Review

Soundcheck September 2019# 12 Galerie mit 11 Bildern: Year Of The Goat - Summer Breeze 2013

Viele Hard-Rock-Bands mit okkultem Einschlag kamen während des großen Booms dieses „Trends“ vor ein paar Jahren, viele sind auch bereits wieder gegangen. YEAR OF THE GOAT sind noch da und das aus gutem Grund. Kaum eine andere Formation in diesem Bereich schaffte es, einen derart eigenständigen Sound zu erschaffen, so zu klingen wie keine andere Band. In den letzten Jahren wurde es um die seit jeher von Kritikern hochgelobten Schweden etwas ruhiger, aber nun sind sie nach vier Jahren mit ihrem dritten Langspieler „Novis Orbis Terrarum Ordinis“ und stark verändertem Line-up zurück. Näheres zu den Hintergründen der Scheibe erfahrt Ihr übrigens in unserem ausführlichen Interview (folgt demnächst).

YEAR OF THE GOAT mit mutigem aber überzeugenden Auftakt

Nach dem Zwölfminüter „All He Has Read“ auf dem letzten Album „The Unspeakable“ beweisen YEAR OF THE GOAT erneut Mut bei der Wahl des Openers, mit der zwar melodischen, aber eher schleppenden Nummer „Subortus“. Auch aufgrund seines unwiderstehlichen Refrains kann der Song aber sofort überzeugen und gehört zu den besten des gesamten Albums. Thomas Sabbathi zeigt außerdem direkt, dass er den Gesang sogar noch besser beherrscht als zuvor, baut soulige Schlenker ein und klingt leidenschaftlicher denn je.

Erst an zweiter Stelle steht dann mit „Acedia“ die Nummer, die noch am ehesten auf „The Unspeakable“ hätte stehen können, allerdings durch stärkeren Einsatz von Distortion und Vocal-Filtern deutlich aufgeraut wirkt. Auch „Luxuria“ steht, vor allem dank des geradezu verführerischen Gesangs in den Strophen, seinen beiden Vorgängern in nichts nach.

Mit „Ira“ wird es dann das erste Mal komplexer, das Stück kommt auf knapp zehn Minuten Spielzeit. Der düstere Gesang, untermalt von gezupften, aber bereits teilverzerrten Gitarren schafft eine gefühlvolle Einleitung in den folgenden, von schwermütigem Südstaaten-Rock geprägten Teil. Bevor der Track langsam an Fahrt aufnimmt schleichen sich allerdings einige leichte Längen ein. Der deutlich leichtfüßigere zweite Teil sorgt aber schnell für die nötige Abwechslung, bevor sich der Kreis am Ende wieder schließt und ein schlüssiges Ganzes ergibt.

Auch die folgenden Songs haben alle Alleinstellungsmerkmale, die sofort hängen bleiben – seien es die Mitklatsch-Gospel-Vibes in „Superbia“, der funkige Start von „Gula“, das nach Spaghetti-Western klingende Gitarren-Thema aus der ersten Single „Avaritia“ oder der unfassbar unter die Haut gehende Gänsehaut-Mittelteil in „Invidia“. Füllmaterial sucht man auf „Novis Orbis Terrarum Ordinis“ definitiv vergebens. Trotz der vielen Ohrenschmeichler geht übrigens, auch durch die teilweise wirklich bösen Vocals á la „A body to honor god / By making it a holy shrine / And put a knife to your throat“, nie die morbide Grundatmosphäre verloren.

Mit 14 Minuten ist das finale „Subicio“ nicht nur der längste Song des Albums, sondern auch der Band insgesamt. Schon der hohe Gesang zu Beginn sorgt für die erste Erpelpelle. Zu dem was danach folgt lässt sich eigentlich nur wenig schreiben, außer: Augen schließen und das fantastische Finale dieses großartigen Gesamtwerks genießen.

Nah an der Perfektion – „Novis Orbis Terrarum Ordinis“

„Novis Orbis Terrarum Ordinis“ ähnelt insgesamt eher dem ersten Album „Angel‘s Necropolis“ als dem darauffolgenden „The Unspeakable“, obwohl weiterhin kleine Veränderungen den Sound der Band bereichern. Das kann man auch am Ende von „Subicio“ hören, die beschwörerischen Chöre nehmen dort direkt Bezug auf den damaligen Schlusspunkt „Thin Lines Of Broken Hopes“. Im Gegensatz zum Erstling lässt aber gerade der Fokus auf Southern-Rock-Einflüsse die Stimme von Thomas Sabbathi noch besser zur Geltung kommen. Wie es ein schwedischer Metalhead eigentlich schafft, so viel Soul in seine Stimme zu legen, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Schon das genial gewählte Eröffnungstrio aus „Subortus“, „Acedia“ und „Luxuria“ macht deutlich, dass wir es hier mit etwas großem zu tun haben. Gesang, Instrumentierung, Songwriting und auch die Produktion haben ein unglaublich hohes Niveau erreicht. In Bezug auf letztere fragt man sich wirklich: Verdammt, auf diesem Alben kommen mehr Chöre und mehr „Bombast“ zum Einsatz als zuvor, trotzdem klingt der Sound wärmer, erdiger, natürlicher – wie zum Teufel (höhö!) machen die das?

YEAR OF THE GOAT schaffen es im Vergleich zu den bereits extrem starken ersten beiden Longplayern noch einmal zuzulegen und bewegen sich, abgesehen von den leichten Längen in „Ira“, wirklich sehr nahe an der Perfektion. Ein abwechslungsreiches Album das unbedingt mehrfach gehört werden will, damit sich die wahre Größe der enthaltenen Songs entfalten kann. Definitiv ein heißer Anwärter auf die Top 10 der besten Alben des Jahres und vermutlich die beste okkulte Hard-Rock-Scheibe seit GHOSTs „Prequelle“.

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08.09.2019

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2 Kommentare zu Year Of The Goat - Novis Orbis Terrarum Ordinis

  1. Vayreon sagt:

    Macht mir richtig Spaß die Scheibe, ist für meinen Geschmack aber einen Ticken zu lang.

    8/10
  2. BlindeGardine sagt:

    Mir gefällt es auch ganz gut, kann man einerseits drin versinken, andererseits aber auch wunderbar nebenbei hören. Weil ghost oft als vergleich herhalten müssen: wo der forge deutlich stärker zur poppigen catchyness tendiert, driften year of the goat eher ins trippig psychedelische, weshalb mir ghost dann im direkten vergleich auch einen tick besser gefallen.

    8/10