Suicidal Angels
Conquering Europe Tour 2015

Konzertbericht

Billing: Angelus Apatrida, Dr. Living Dead! und Suicidal Angels
Konzert vom 18.02.2015 | K17, Berlin

Das für die metallische Hauptstadt-Fraktion durchaus renommierte K17 will sich am hiesigen Mittwoch zu einem Sägewerk wandeln. Und Berlin möchte zu Stakkato-Angriffen, jaulenden Soli und schnellen Drums via Haarpropeller Shampoo-Duft im dunklen Club verteilen. Thrash Metal ist angesagt!

Als die Friedrichshainer Ausgabe der Conquering Europe Tour 2015 pünktlich um halb acht startet, befindet sich eine Band auf der Bühne, die man so gar nicht auf dem Zettel hatte. Schon beginnt das Bandlogoraten – zumindest unter den paar Leuten, die sich bereits im Inneren befinden. Nach einer Weile wird das Frage- zu einem Ausrufezeichen: BLOODROCUTED sind das also, vier Mann stark, aus Belgien, die bald ihr zweites Langeisen „Disaster Strikes Back“ rausbringen. Die Truppe zockt so dermaßen lupenreinen Thrash, wie er nur klingen kann, das aber auf einem rasanten Niveau. Als Anheizer und überraschend vierte Abend durchaus gelungen, zumal auch der Sound richtig gut mitspielt. Da die ersten Reihen noch ihre Leere gähnen, imitiert der Bassist mal eben eine Angelbewegung – klappt aber nicht. Ob das der Grund ist, warum er kurz darauf seinem Gitarristen eine sanfte Backpfeife gibt? Wohl eher Stageacting – später legt er ihm ja auch ganz romantisch den Kopf auf die Schulter. In rot beleuchteter Bordellatmosphäre posen BLOODROCUTED auf allzu typische Weise und bolzen ihre überwiegend im hohen Tempo konzipierten Nummern solide runter. Netter Auftakt!

Suicidal Angels

ANGELUS APATRIDA, die mit „Hidden Evolution“ im Januar schon ihr fünftes Album veröffentlicht haben, sind rund ein Jahrzehnt länger unterwegs als ihre Bühnenvorgänger. Die gehäufte Erfahrung hört man an den sehr viel differenzierteren Songstrukturen. Da fließen auch mal Soli mit ein und die Geschwindigkeit zeigt sich variabler. Auch die Spanier können munter unter einem nahezu perfekt gehissten Soundbanner musizieren. Ganz selbstbewusst fordert Sänger Guillermo Izquierdo einen Pit und animiert auch in der Folge stets eifrig. Kann er sich leisten, denn auch die cleanen Passagen sitzen ziemlich gut. Etwas mehr Menschen haben sich inzwischen eingefunden und so entwickelt sich aus dem Wohnzimmerambiente langsam (ganz langsam) eine Party. Die Resonanz, als ANGELUS APATRIDA den Headliner ankündigen, könnte dennoch ausgelassener sein. Letztlich muss man sogar den gesamten Auftritt hinsichtlich der Publikumsreaktion als bestenfalls in Ordnung einstufen, obwohl die Südeuropäer aufgrund einer starken Performance mehr verdient hätten. Am Ende drehen sich dann immerhin ein paar Figuren im Mini-Pit.

Suicidal Angels

Es wird deutlich „tanzbarer“. DR. LIVING DEAD! würzen ihren Thrash Metal mit reichlich Crossover und Hardcore. Im futuristisch anmutenden Intro feuern aber zunächst unsichtbare Lasergeschosse und Hubschrauber rotieren. Die Schweden kommen mit den obligatorischen Totenkopfmasken auf die Bühne und wirken auch sonst wesentlich moderner als alle anderen Combos an diesem Abend – sowohl vom Look als auch von den Bewegungen her. Da wirkt das DISSECTION-Shirt des Gitarristen beinahe ironisch. Was heute wirklich tadellos funktioniert, ist der Sound. Wieder ballern die Instrumente gut hörbar und abgemischt aus den Boxen – großes Kompliment an alle Beteiligten. Im Publikum zeigt man sich hingegen erneut eher defensiv. Natürlich bangen sich einige Glückliche die Haarwurzel aus dem Schädel, aber insgesamt spart man sich die Kraft und Energie wohl für den Hauptact auf. Musikalisch können DR. LIVING DEAD! durch hervorstechende Breaks punkten, die ihre Songs interessant aufhübschen (vom aktuellen Werk „Crush The Sublime Gods“ kommen mit „Buck$“ und „TEAMxDEADx“ übrigens nur zwei Lieder zum Zuge). Ein Typ in der vordersten Reihe darf später sogar mal ins Mikro blöken und auch sonst präsentieren sich die Totenköpfe recht kommunikativ: „Metalheads want some war? Unicorn world war“. Alles klar, und los!

Suicidal Angels

Sie sind keine Engel und zeigen keine suizidalen Tendenzen, die Griechen spielen einfach den Thrash Metal, der auch schon vor vielen Jahren zu Hochzeiten des Genres hätte veröffentlicht werden können. Immer wieder ploppen SLAYER-Reminiszenzen auf, auch wenn man mit dem letzten Output einen kleinen Kurswechsel vorgenommen hat. Vom fünften Album „Divide And Conquer“ werden übrigens nur drei Songs gespielt – für mich kein Problem, da so genug Setlisten-Platz für all die besseren SUICIDAL-ANGELS-Songs vorhanden war. Auch wenn die neuen Stücke live definitiv ordentlicher knallen als auf Platte.

Suicidal Angels

Leute, wo seid ihr? Immerhin ist Bergfest! Noch immer ist es nicht ganz voll, ein winziger Pit rotiert dennoch früh. Man muss es inzwischen kaum betonen, aber trotzdem: Wieder präsentiert sich der Sound von seiner besten Seite. Einige Mutige hoffen trotz vereinzelt lichter Reihen aufs Beste und machen sich per Stagediving auf zur Bühne – funktioniert ohne Bruchlandungen. Und auch die Wall oft Death beim letzten Song scheint keine Nasenbrüche zu produzieren. Ein bisschen geht also doch. Musikalisch sind es vor allem die Album-Hits, die auch von der Bühne aus als Highlights durch den Club fegen. Also Nummern wie „Apokathilosis“ und „Bleeding Holocaust“. Die SUICIDAL ANGELS können mit ihrem Material aber grundsätzlich nicht viel falsch machen, und so wird aus dem Auftritt ein handfester Erfolg, der einen Abend bestens abschließt, der kaum mehr vom Thrash beherrscht werden konnte – sowohl in alter als auch in neuerer Ausführung.

Setlist SUICIDAL ANGELS:

Intro

Divide And Conquer
Bloodbath
Apokathilosis
Reborn In Violence
Seed Of Evil
Morbid Intention To Kill
The Prophecy
The Pestilence Of Saints
Beggar Of Scorn

Control The Twisted Mind
Bleeding Holocaust
Moshing Crew

 

11.03.2015

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