Wacken Open Air
Der große Festivalbericht 2008

Konzertbericht

Billing: Airbourne, Avantasia, Children Of Bodom, Concept Insomnia, Corvus Corax, Ensiferum, Iron Maiden, Job For A Cowboy, Kamelot, Lauren Harris, Lordi, Negura Bunget, Nifelheim, Nightwish, Primordial, Sabaton, Soilwork, Sturm Und Drang und Unearth
Konzert vom 2008-07-31 | , Wacken

Donnerstag

GIRLSCHOOL

Um es vorweg zu nehmen: Einen besseren Opener für das 19. Wacken Open Air konnten die Veranstalter gar nicht holen. Aus England wurde die Kultband GIRSCHOOL geladen und die rockte wie Sau. Die Rhythmusgruppe legte einen tighten Teppich unter die Riffs der beiden Gitarristinnen, dass es nur so knallte. Dass die Ladies schon lange im Geschäft sind, merkte man an der Routine, mit der sie die Bühne bearbeiteten, und jeden Zentimeter ausnutzten. “Routiniert“ ist hier allerdings nicht negativ gemeint, sondern auf die Professionalität von GIRSCHOOL bezogen. Die vier gingen enthusiastisch an ihre Aufgabe, das Publikum honorierte das entsprechend und feierte die Band ab. Stücke vom aktuellen Album vermengten sich hervorragend mit Klassikern der Band und wenn man bereits zu Beginn des Festivals zeitlose Songs wie “Run With The Devil“ oder “Emergency“ geboten bekommt, kann man nur von einem grandiosen Start sprechen. Sauberer Gig, meine Damen! (colin)

LAUREN HARRIS

Ich war schon lange gespannt, wie die Tochter von MAIDEN-Boss Steve Harris beim W:O:A-Publikum ankommen würde. Ihre im Juni erschienene Scheibe “Calm Before The Storm“ bestand zwar aus recht nettem, wenn auch seichtem Rock, doch ob die Metalheads in Wacken daran wirklich gefallen finden würden? In einer knallengen schwarzen Lederhose stürmte Madame dann die Bühne und bewies in der folgenden Dreiviertelstunde, dass sie sehr wohl eine Augenweide ist, es aber live bei ihr noch ganz gehörig hapert. Die schon zahlreich auf dem Gelände präsenten Leute schien der Auftritt weder wegzublasen, noch gab es irgendwelche Unmutsäußerungen. Die meisten machten es wie ich, und genossen ein leckeres Bier bei herrlichem Sonnenschein und einer hübschen Frau auf der Bühne. (Nightstalker)

Wacken Open Air

Wacken Open Air

NEGURA BUNGET

Die rumänischen Black Metaller von NEGURA BUNGET hatten also dieses Jahr die Ehre, mein Wacken 2008 einzuläuten. Am frühen Donnerstagabend, um 19:05 Uhr, ging es endlich in einem überraschend vollen Sauna-Zelt, viele nennen es auch „W.E.T. Stage“, los. Die Sonne hatte das Zelt den ganzen Tag lang aufgeheizt, sodass es drinnen kaum auszuhalten war. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit, die erhitzten Gemüter und den verdunstenden Alkohol tropften vereinzelt irgendwelche undefinierbaren Flüssigkeiten von der Decke des Zelts. Brrr, wir wechseln mal lieber schnell das Thema…

Gewohnt ruhig und in schlichte, traditionelle Hemden gekleidet, betraten die Rumänen die Bühne. Die dunklen, unergründlichen Wälder Transsylvaniens sind NEGURAs Inspiration. Neben den klassischen Instrumenten standen außerdem eine Trommel, ein Xylophon, einige Flöten, eine Art Alphorn und ein großes Holzbrett inklusive Hammer auf der recht kleinen Bühne. Nur genau vierzig Minuten lang konnten sie ihre genreübergreifenden Elemente und Klänge der landeseigenen Volksmusik und Sprache, sowie Ambient-Sounds zum Besten geben. Dann wurde ihnen buchstäblich der Saft abgedreht. Dazu sage ich jetzt mal besser nix… Nichtsdestotrotz sorgten NEGURA BUNGET mit ihren fesselnden, tiefgründigen und düsteren Klängen ihrer teils hypnotischen Musik für Begeisterung beim Publikum. Die Reihen rückten merklich zusammen und zumindest in den riffbetonten Passagen kreiste das Haar in den vorderen Reihen. Die Rumänen hatten wieder einmal klargestellt, dass sie derzeit eine der weltweit anspruchsvollsten Bands im Black Metal sind. Für mich waren NEGURA BUNGET wieder einmal hervorragend und überwältigend. Trotz des matschigen Sounds auf der W.E.T. Stage und der dicken Luft im Zelt schlugen sie sich tapfer und gaben ihr bestes. Jedoch ist fraglich, ob ein Festival der passende Ort für solch atmosphärische Musik ist. (maike p.)

CONCEPT INSOMNIA

Vor der W.E.T.-Stage hatte sich eine beachtliche Meute versammelt, um CONCEPT INSOMNIA zu hören und zu sehen. Die Band aus dem Raum Frankfurt hat eine magische Bühnenpräsenz. Sowohl Sänger Luke, als auch die Gitarristen Dave und Jens und Bassist Phil posten auf der W.E.T.-Stage als wären sie schon seit Jahren auf großen Bühnen zu Hause. Es wirkte, als wäre ihnen das in die Wiege gelegt worden. Immer am vorderen Bühnenrand, so dicht wie möglich am Publikum, zog die Band die Leute in ihren Bann. Manchmal wirkte es, als ob Luke am liebsten mitten zwischen den Leuten singen würde. Seine vielseitige Stimme bot einige Abwechslung zum Einheitsbrei, der einem sonst geboten wird. Grundtenor seines Gesangs ist eine klare, angenehme Stimme, die sowohl den Hochgesang des Oldschool-True-Metal beherrscht, als auch tiefe, voluminöse Growls. Doch nicht nur Bühnenpräsenz und Stimme überzeugten, auch musikalisch legten CONSEPT INSOMNIA gut vor. Besonders hoben sich “Rotten Crown?, ?Last Breath On Earth? und ?No Words? hervor. Insgesamt sehr melodiös wurden die Songs immer wieder von harten, schmetternden Gitarrenriffs durchzogen, die zum Headbangen einluden. Ein kurzer, aber gelungener Gig von CONCEPT INSOMNIA, der sicherlich für weitere Fans gesorgt hat. (ME)

AIRBOURNE

Am Donnerstagabend standen AIRBOURNE auf den Brettern und preschten ihren 80er Stil beachtlich eindrucksvoll unter das vielköpfige Publikum. Nicht zuletzt mit “Running Wild“ hat der Vierer aus Australien einen großen Wurf gelandet und sich in der Rock-Riege mächtig nach vorne katapultiert. Sie rockten die Bude. Alle Beteiligten gaben sich redlich Mühe, die Leute zum Mitmachen zu bewegen. AIRBOURNE machten Spaß und ließen in keiner Hinsicht die Musik zurückstehen. Erstklassige Show! (Markus Seibel, stalker.cd)

STURM UND DRANG

Die Jungs aus Finnland hatten bereits im letzten Jahr mit ihrem Debüt “Learning To Rock“ einige Aufmerksamkeit erregt und damals schon größere Menschenmengen begeistert. Wenn man den jungen Rockstars so zusieht, kommt man hier und da ins Schmunzeln bei den offensichtlich gut einstudierten coolen Moves und der abgeguckten Rockattitüde. Sehr liebenswert! Im Vergleich zu seiner Stimme auf CD hat Sänger André Linman unüberhörbar an Tiefe gewonnen, hatte aber hier und da kleinere Probleme im Umgang mit diesem neuen Instrument. Unterhaltsam war das Konzert allemal, auch wenn von Zeit zu Zeit mal etwas nicht ganz hundertprozentig stimmte. STURM UND DRANG lockten neben ihren jungen Fans auch viele neugierige Festivalvagabunden an. Vor allem während der Coverversionen von JUDAS PRIESTs “Breaking The Law“ und IRON MAIDENs “Fear Of The Dark“. Eigene Songs, wie die erste Single “Rising Son“, deren zugehöriges Video auch hierzulande rauf und runter gespielt wurde, schlugen bei den Fans sofort ein und wurden lauthals mitgesungen. “Learning To Rock“ und “Forever“ folgten, plus obligatorischem Drum- und Gitarrensolo. Eine gut aufgezogene Rockshow eben. Dennoch fühlte sich das Konzert eher nach Vorband an. Da die Jungs Mühe hatten ihre Spielzeit zu füllen, ging der Kontakt zum Publikum gegen Ende der Show leider etwas verloren. STURM UND DRANG konnten trotzdem überzeugen und auf jeden Fall für eine nette Wacken 08-Erinnerung sorgen. Wenn man sich JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN zum Mentor macht kanns ja nur aufwärts gehen! (Katrin Dietl, stalker.cd)

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IRON MAIDEN

Donnerstag, ca. 23:30 Uhr. Das Wacken Open Air hatte soeben seinen absoluten Höhepunkt. Da geht nichts mehr drüber, komme was wolle, waren Kollege Metalgreg und ich uns einig. Triumphzug nennt man so was wohl auch. Doch der Reihe nach.

Vor der Black Stage, auf der ein gigantischer Bühnenaufbau in bester “World Slavery Tour“-Manier stand, drängelten sich zehntausende Metaller. Das komplette W:O:A war auf den Beinen, so schien es. Das Licht auf der Bühne ging aus und die ersten Töne von “Aces High“ erklangen. Kollektives Ausrasten im Publikum war die Folge. Bruce Dickinson turnte – wie immer schrecklich gekleidet (komische Fetzenhose und Kaffeewärmer auf dem Kopf) – über die Stage und sang mal wieder wie ein junger Gott. Von der ersten Minute an fraß ihm das Publikum aus der Hand. Sollte es noch irgendwelche Zweifler gegeben haben, so fegte die der folgende Doppelschlag “2 Minutes To Midnight“ und das großartige “Revelations“ hinweg. Das hier MUSSTE der Metalhimmel sein!

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Selbst die abgezockte Profis IRON MAIDEN zeigten sich von den enthusiastischen Publikumsreaktionen beeindruckt, und heizten der Meute mit Klassikern wie “The Trooper“ und dem lange nicht gehörten “Wasted Years“ weiter ein. Dickinson war stimmlich voll auf der Höhe, die drei Jungs an den Klampfen feuerten eine Salve nach der anderen ab, Steve Harris stopfte mit seinem Bass imaginäre Soundlöcher, und Nicko trieb die Band von hinten an. Eigentlich also alles wie immer, nur irgendwie viel, viel geiler!

Als Bruce dann den nächsten Song mit den Worten “this is what not to do, if a bird shits on you“ ankündigte, stellte sich die erste Gänsehaut ein. Während der nächsten fast 15 Minuten, die “The Rime Of The Ancient Mariner“ dauerte, passierte einfach so viel mehr, als heutzutage bei manchen Bands auf deren kompletten Alben.

Weiter ging die Reise durchs metallische Wunderland. “Powerslave“, “Run To The Hills“, das eigentlich laut Tourmotto gar nicht so passende, aber dennoch fantastische und von tausenden Kehlen unterstützte “Fear Of The Dark“ und “Moonchild“ zauberten einfach jedem Fan ein seliges Lächeln aufs Gesicht. Auf das in meinen Augen elende “Can I Play With Madness“ hätte man zu Gunsten von irgendeinem Song von “Somewhere In Time“ wie etwa “Stranger In A Strange Land“ oder “Alexander The Great“ zwar verzichten können, aber man kann es ja nie allen recht machen.

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Bei “Iron Maiden“ taumelte dann ein übergroßer “Somewhere In Time“-Eddie über die Bühne, und Dickinson sang „Iron Maiden’s gonna get you wherever you are“. Wie verdammt Recht der Mann doch hat! Ganzkörpergänsehaut Nummer zwei gab es dann noch beim abschließenden “Hallowed Be Thy Name“. Welch großartiger Song! Was für eine grandiose Show! Ich kann mich nicht erinnern, MAIDEN seit langen Jahren so stark gesehen zu haben. Absoluter Killer! Wer das nicht gesehen hat, der kann sich getrost kräftigst in den Hintern beißen! Es bleiben nur zwei Fragen: Warum schreiben die Jungs heute nicht mehr so geile Songs? Und warum in drei Teufels Namen spielt man auf der “Somewhere Back In Time“-Tour bitteschön nicht “Somewhere In Time“??? (Nightstalker)

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08.09.2008

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