Thrice Woven European Tour 2017
Wolves In The Throne Room in Schorndorf

Konzertbericht

Billing: Wolves In The Throne Room
Konzert vom 13.12.2017 | Manufaktur, Schorndorf

WOLVES IN THE THRONE ROOM

Also gut, wir geben es zu: Wir haben keine Ahnung von den Wölfen. Letzte Woche hatten wir zufällig in „Thrice Woven“ von WOLVES IN THE THRONE ROOM reingehört und aufgehorcht. Wenige Tage später stellten wir fest, dass sie ein einziges Konzert in Süddeutschland spielen werden und das direkt vor unserer Haustüre, im metallischen Niemandsland sozusagen, in Schorndorf. Und dass das Konzert mit Vorbericht in den Tageszeitungen angekündigt wurde. Das machte uns so neugierig, dass wir heute in der Manufaktur stehen und auf die Wölfe warten.

Vorband? Gibt es nicht, die Bühne ist schon für WOLVES IN THE THRONE ROOM gerichtet, die um 21 Uhr mit einem Intro vom Band beginnen. Zuerst hören wir nur Geräusche. Wir überlegen alle, ob das Wasser ist oder Wind, es ist ein An- und Abschwellen. Oder doch ein rhythmisches Plätschern? Meeresrauschen? Eine Ansage gibt es nicht. Die Wölfe fangen einfach an zu spielen und ab jetzt hat man nur eine Chance: sich darauf einlassen, eintauchen in die Musik. Kopf ausschalten, tief durchatmen, wirken lassen.

Konzertfoto von Wolves In The Throne Room

Einer der Gitarristen zündet eine Art Naturzigarre an und bläst den Rauch ins Publikum. Ich weiß nicht, was sie uns da immer wieder mal zukommen lassen, vielleicht ist es Artemisia, das nimmt man als Meditationshilfe. Wir können uns jedenfalls ungewöhnlich tief in die Musik einsinken lassen und vergessen Zeit und Raum – und das, obwohl wir fotografieren. Die Bilder sind dann auch anders als sonst.

Wir wissen eigentlich nur, dass die Wölfe eine Farm bewirtschaften und die Mystik von Natur und Wäldern preisen. Wehende Winde, fallende Tropfen, zwitschernde Vögel, aber auch Düsternis und Raserei, das alles verweben die Weber-Brüder (die Bandköpfe heißen Weaver) musikalisch zu einer dichten Atmosphäre, die uns einhüllt und tief abtauchen lässt. Die Natur ist schön, sie ist majestätisch – aber sie ist auch bedrohlich und bedroht. Das alles transportiert der Black Metal von WOLVES IN THE THRONE ROOM und es ist die reinste Form von Black Metal, sinniere ich, wie ich da so stehe. Befreit von allem und perfekt, so perfekt wie die Natur, wenn wir uns nicht einmischen und sie damit zerstören.

Okay, vielleicht war das Räucherzeug doch etwas stärker als ich dachte. Aber nein, ein bissel Kraut reicht niemals für die ganze Manufaktur. Es ist die Musik, die uns in eine andere Dimension (die Wolfs-Dimension) eintauchen lässt. Aber das kann man mit Worten nicht beschreiben, das muss man selbst erleben, was da fünf amerikanische Musiker auf der Bühne weben, ohne eine einzige Ansage zu machen. Drei Saitenzupfer, ein Drummer und eine Keyboarderin, die aber nicht singt und eine dunkle, aber schön dekorierte Bühne reichen aus, um uns alle zu fesseln. Zwischen den Liedern kommen immer wieder ambientmäßige Winde und Wasser vom Band, die uns im tief im Geschehen halten.

Konzertfoto Wolves In The Throne Room

Als die Klänge versanden und die Wölfe ohne ein Wort die Bühne verlassen, erklingen noch eine Weile Zugabe-Rufe, allerdings eher zögerlich. Alle brauchen etwas Zeit zum Auftauchen, so tief war man versunken. Immer mehr Leute verlassen den Saal und ein Blick auf die Uhr sagt, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM 75 Minuten gespielt haben. Uns kommt das viel länger vor, wir waren in einem anderen Universum. Wir bleiben noch fast eine halbe Stunde da, aber es passiert nichts mehr, die Wölfe sind fort.

Keine Vorbands, keine Ansagen, 75 Minuten intensivster Black Metal. Das hört sich wenig an, es war aber so intensiv, dass es einem wie ein langer Konzertabend vorkommt. Dass wir die Wolfsreise so ahnungslos angetreten haben, war nicht weiter schlimm. Wie gesagt: einfach Kopf ausschalten, Bauch einschalten. Man kann das auch nicht beschreiben, die Wölfe muss man erleben.

Dagmar Geiger und Stephanie Lauber

 

26.12.2017

Foto-Team

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1 Kommentar zu Thrice Woven European Tour 2017 - Wolves In The Throne Room in Schorndorf

  1. Hansi.Bierdo sagt:

    Cooler Bericht, genauso fühlte sich das für mich auch an. Selten hab ich so ein intensives Konzert erlebt oder selten ein Konzert so intensiv erlebt, oder… Wer dort war, weiß was ich meine. Alleine dieses ewig lange Intro, dieser Klangteppich, in dem wohl auch jeder was anderes für sich drin entdeckt hat. Ein sensationelles Einstimmen auf das atmosphärische BM “Born From The Serpent’s Eye” Brett das anschließend kam.