Airbourne - "Diamond Cuts"

Review

Galerie mit 21 Bildern: Airbourne - Summer Breeze Open Air 2019

Unter dem Titel „Diamond Cuts“ präsentieren die ehrbaren Herren AIRBOURNE so etwas wie eine Werkschau. Das aktuelle Album „Breakin‘ Outta Hell“ fehlt, dafür gibt es neben den ersten drei Scheiben eine „Diamond Cuts – The B-Sides“ betitelte Sammlung an B-Seiten und neuen Songs sowie die DVD-Doku „It’s All For Rock N‘ Roll“.
So denn: Als AIRBOURNE vor 10 Jahren ins Bewusstsein der Rockwelt preschen, schlägt ihnen allenthalben Begeisterung entgegen. Zumindest jedenfalls Wohlwollen. Ihrer Mischung aus charmant schlichten, tendenziell nichtigen Texten (und Ansagen), wichtigen Riffs und richtiger Power ist schwer zu entkommen. Dass die Gebrüder O’Keeffe nichts anderes machen als das, was ihre australischen Landsmänner AC/DC auf Adrenalin-Testosteron im 21. Jahrhundert liefern würden – geschenkt! Beziehungsweise: Astrein! Euphorisierende Auftritte auf jeder verdammten Bühne von Mega-Festival bis Müffel-Keller tun ein Übriges.

AIRBOURNEs Alben – kein ganz Lupenreiner Hattrick

Das Debüt „Runnin‘ Wild“ von 2007 hat als offensive High-Energy-Rock-Blutgrätsche in einer Dekade nichts von seinem pulssteigernden Reiz verloren. Seine ungehobelten kleinen Oden schreien noch heute nach Schweiß-Dusche und Schnaps-Orgie (oder umgekehrt). Das mag klischeehaft klingen, aber genau so verhält es sich eben auch mit der Musik von AIRBOURNE. „Stand Up For Rock N‘ Roll!“
Dass dieser tendenziell gleichsam reduzierten wie überzeichneten und insgesamt stark limitierten Form die Gefahr, sagen wir, des Erstarrens innewohnt, zeigt sich allerdings beim Zweitwerk „No Guts. No Glory.“. AIRBOURNE machen im Prinzip nichts anderes als zuvor, nur halt nicht mehr ganz so charmant und unbekümmert wie zuvor. Anders gesagt: Ohne den Überraschungseffekt und vor allem das offenkundige Mitteilungsbedürfnis begeistern die Australier auf Platte nicht mehr vorbehaltlos. War „Running Wild“ noch das zischende Ventil für die überschüssige Energie und Kreativität, ist „No Guts. No Glory.“ ein Zweitwerk, das eben anstand und das passagenweise eher affektiert und gezwungen als unbeschwert klingt.
„Black Dog Barking“ lässt das dezent zutage getretene Problem, dass niemand auf diesem Planeten die Lässigkeit und die Ausstrahlung AC/DCs hat, wieder etwas weniger gewichtig erscheinen und nimmt nicht nur mit der dunklen Cover-Gestaltung die Richtung des Debüts wieder eleganter auf. Aber das ist ja eh alles bekannt oder unhaltbare subjektive Erbsenzählerei. Beziehungsweise: Für Außenstehende komplett abwegig („Bei denen klingt doch jeder Song gleich.“)

Welchen Mehrwert haben die „Diamond Cuts“?

Was können also die beiden neuen Songs, die unter die ebenfalls enthaltenen B-Seiten der frühen Jahre geschmuggelt wurden? „Heavy Weight Lover“ ist ein nur bedingt pfundiger, da allzu typischer Stampfer ohne großartig alarmierenden Refrain. „Money“ gerät etwas krawalliger, stellt aber auch nicht zwingend den nächsten Ohrwurm für die Kellerbar dar. Abgesehen von der Tatsache, dass es nett ist, auch die B-Seiten von AIRBOURNE gesammelt zu haben, kann die ebenso enthaltene DVD-Doku da schon mehr.
„It’s All For Rock N‘ Roll“ nämlich erfüllt mit seiner Mischung aus Interviews, Live- und Backstage-Szenen seine Funktion in Gänze: Die Dreiviertelstunde nimmt nicht nur vorbehaltlos für die Band ein – allein wie Frontmann O’Keeffe einem Fan im Rollstuhl eine Extra-Show bietet, ist ganz großes Kino. Sie unterhält auch hervorragend und als Liebeserklärung ans Genre entfacht sie beim Publikum problemlos die Liebe zum Rock. Oder weckt sie erneut. Oder hält sie heiß.Auf jeden Fall hebt sie Mundwinkel und Laune.
Joel O’Keeffe bringt seine Motivation, eine Band zu gründen, gleich zu Beginn auf den Punkt: „When I was listening to Rock N‘ Roll I was in another world. And I wanted to live in that world – and stay there.“ Wer will das schon nicht? Wenn auch zugegebenermaßen vielleicht nicht permanent? Und vielleicht auch nicht so risikoreich und konsequent wie der Chef mit seinen Campino-Ausflügen in die höchsten Traversen der größten Bühnen? Aber im Prinzip doch? Eben. Alles richtig gemacht.

Fazit: „Diamond Cuts“ ist mit einem Preis von 30 – 40 Euro für die CD-Box eine solide Angelegenheit für den AIRBOURNE-Erstkontakt und eine angemessene Würdigung der Band als Fackelträger des Rock. Noch spannender (für Sammler) erscheint indes wohl die Vinyl-Version – die allerdings gut das doppelte kosten mag. Rock on.

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20.10.2017

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