Alestorm - Seventh Rum Of A Seventh Rum

Review

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Es gibt ja Bands, die es beim gemeinen Feuilleton-Hipster nie leicht haben. ALESTORM gehören zweifelsohne dazu, wobei man hierzu sagen muss, dass sich hier speziell Kapitän Chris Bowes im Rahmen der Allegationen, die letztes Jahr hinsichtlich seiner Power-Metal-Band GLORYHAMMER zu Tage gekommen sind, keinen großen Gefallen getan hat. Die Herren um Bowes sind aber auch eine dieser Bands, die sich herzlich wenig aus der Meinung anspruchsvoller Musikkritiker bzw. dem Zeitgeist im Allgemeinen zu machen scheinen, sondern praktisch seit ihrem Debüt ihren Mantel-und-Degen-Metal unbeirrt und mit meist relativ konstanter Qualität feil geboten haben, was zu einem ganzen Bataillon von Live-Klassikern wie „Fucked With An Anchor“, „Keelhauled“ und „Nancy The Tavern Wench“ geführt hat.

ALESTORM stechen in See, als hätte sich die Welt seit 2008 nicht nennenswer verändert

Mit „No Grave But The Sea“ haben die Schotten 2017 so etwas wie eine Hochwassermarke erreicht. Das neue Album „Seventh Rum Of A Seventh Rum“ segelt dagegen wieder in etwas niedrigeren Gewässern. Das heißt, dass Bowes‘ Rasselbande ihre gefühlte Pflichtanzahl an drei, vier Hits abfeuern, zwischen denen sich aber auch der ein oder andere Blindgänger sowie typischer ALESTORM-Durchschnitt befindet. Wie so oft bei ALESTORM kann man sich darauf verlassen, dass der Opener solider Pirate Metal ist, wie wir ihn von den Schotten praktisch seit „Captain Morgan’s Revenge“ serviert bekommen. „Magellan’s Expedition“ legt hymnisch und treibend vor, lässt die Säbel erfolgreich rasseln und stößt in bester, leicht käsiger aber nicht minder beherzter Manier in See.

„Cannonball“ ist, wenn schon kein Überflieger, so zumindest eine ausgesprochen spaßige (und derbe) Angelegenheit und ein solider Partykracher, den Bowes gefühlt im Schlaf schreibt, der seiner Crew halt aber auch jedes Mal aufs Neue wahnsinnig souverän von der Hand geht. Ein frühes, zumindest für unsereins unerwartetes Highlight harrt mit „P.A.R.T.Y.“ der Hörerschaft. Neben dem ziemlich lässigen Groove wird man hier vor allem von dieser großartigen Hook an die Rehling gespaxt, die fast was von ESKIMO/ELECTRIC CALLBOY im Freibeuter-Modus hat, was hier tatsächlich positiv gemeint ist.  „Come To Brazil“ ist der obligatorische High-Speed-Brecher, dessen einleitende Riffs gar eine leichte Brise MEGADETH schnuppern. Und das … war es tatsächlich auch schon mit den Hits.

Dabei regiert auf „Seventh Rum Of A Seventh Rum“ der Durchschnitt

Nennenswert wäre abseits dessen noch „Magyarország“ mit seiner komplett in ungarisch gehaltenen Hook sowie den herzlichen „Pálinka for everyone!“-Rufen. Die Hook des forsch nach vorne preschenden „Return To Tortuga“ (inkl. Captain Yarrface-Feature (RUMAHOY)) geht dank simpler aber effektiver Gangshouts ziemlich gut ins Blut. „The Battle Of Cape Fear River“ hat einen ziemlich druckvollen Break, aus dem die Band einen draufgängerischen Brecher hätte formen können. Stattdessen kommt nur so ein typischer, fast ein bisschen müde galoppierender Pirate-Meme-Song raus, wie in die Herren spätestens seit „Sunset Of The Golden Age“ regelmäßig produzieren und dessen Hookline „I’m a fucking Pirate“ sich wahrscheinlich über kurz oder lang auf dem Merchandise der Band wiederfinden wird.

Abgeschlossen wird „Seventh Rum“ dann von der dritten Inkarnation von „Wooden Leg“, deren erste auf „Sunset“ harsch thrashend auftauchte, auf „Curse Of The Crystal Coconut“ in dramatischer Symphonic-Manier fortgeführt und nun schließlich als 6/8-Spelunkenschunkler dargeboten wird. Und bezeichnenderweise ist diese neue, lt. Presseinfo finale Fortsetzung der „Saga“ die bislang schwächste, auch wenn die in spanisch und japanisch gesungenen Strophen zumindest aufhorchen lassen und einen netten, kontextuellen Bogen zu den beiden anderen Episoden schlagen. Ansonsten gibt es zu „Seventh Rum“ nicht mehr viel zu sagen. Es ist eine typische Hit and Miss-Angelegenheit, wobei sich diesmal erschreckend viel Durchschnitt auf der Trackliste tummelt.

Die Piraten legen im gehobenen Mittelfeld an

Ein nettes wenn auch nicht wirklich aussagekräftiges Detail ist, dass der Titeltrack des siebten Albums, „Seventh Rum Of A Seventh Rum“, tatsächlich an siebter Stelle der Trackliste steht. Hilft dem etwas generischen Song leider auch nicht weiter. Dass hier natürlich kein Kriegsbeil begraben wird, ist klar. ALESTORM bleiben auf ihrem eingeschlagenen Kurs, im guten wie im schlechten, wobei die Ausbeute an echten Krachern diesmal eben etwas dünn ist. Eigentlich müsste man, um den Witz fortzuspinnen, eine Sieben zücken, aber das ist hier bei aller Liebe nicht drin. „Seventh Rum“ ist aber auch wieder etwas zu kompetent inszeniert für das Mittelfeld. Insofern: Fans werden’s lieben, der Rest lässt das Schiff am besten wie gewohnt an sich vorbeisegeln.

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26.06.2022

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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1 Kommentar zu Alestorm - Seventh Rum Of A Seventh Rum

  1. Nici67 sagt:

    Eigentlich ein gutes Album, vor allem die 1. Hälfte.
    Anspieltipps: P.A.R.T.Y., Magellans Expedition, Cannonball, Seventh Rum of a Seventh Rum.

    7/10