Blodhemn - H7

Review

Wenn norwegischer Black Metal von knisternden Flammen eingeleitet wird, kann man das als standesgemäß einstufen. Wenn kurz darauf ein flammendes Inferno an wilden Black-Thrash-Riffs entbrennt und es nicht allzu lange dauert, bis das Bienenschwarm-Todeskommando gierig durchs Feuer prescht, ja dann ist der traditionelle Aspekt trotz fieser Finsternis sonnenklar. Am Beginn von „H7“ steht der Anheizer „Flammenes Virke“ – mit einem Riff, das genauso gut der Gitarrensaite von 1349 entsprungen sein könnte. Ein Punkt, der gleich klargestellt werden sollte: Mastermind Invisus liefert unter seinem BLODHEMN-Banner ein fantastisches neues Album ab, weil es aber kaum Mühe kostet, Referenzbands zu nennen, fehlt es unterm Strich an Eigenständigkeit. Wer die Innovativ-Lösung im Black Metal sucht, kann trotz hoher Wertung also enttäuscht werden. Wer hingegen auf TAAKE, ISVIND, DEN SAAKALDTE und so weiter abgeht, dem geht auch einer beim Hören von „H7“ ab!

Der Alleingang von Invisus ist schon bemerkenswert. Aber norwegischer Black Metal passt auch höllisch gut zum nihilistischen Umherwandern in dichten Wäldern – warum dann nicht ganze Alben selbst kreieren und einspielen? Hier klingt auch nichts nach Computer. Zudem ist der Sound von „H7“ ziemlich großartig: klar abgemischt, aber ehrlich schnarrend. Für alle, die den Backkatalog von BLODHEMN kennen (also die 2010er-EP „Brenn Alle Bruer“ und das 2012er-Debüt „Homengraa“): Einen wirklichen Kurswechsel gibt es nicht. In Nuancen hat sich die Stimme verändert, das klang früher noch mehr nach Hoest von TAAKE. Außerdem scheint das neue Langeisen neben selbstredend vorhandenen Blastbeats und schnellen Riffs etwas mehr auf Midtempo-Parts zu setzen („Åndenes Ansikt“ ist so ein Fall, der auch gleich als schwächster Song auffällt). Das Gegenbeispiel nennt sich „Evig Heder“. In unüberhörbarer ISVIND-Stimmung rüttelt das Teil so dermaßen effektiv am Kopf, dass es – außer für den jeweiligen Nacken – eine wahre Freude ist. Kein gutes Lied, ein Hit!

Die Blutrache findet zudem in einer sehr ansprechenden Länge statt – nicht zu kurz, nicht zu lang, perfekt getroffen. Und weil BLODHEMN (wer erinnert sich an das vierte Studioalbum von ENSLAVED?) sich trotz fehlender Originalität an Variation versuchen, ist die Kaufempfehlung absolut gerechtfertigt. „H7“ spielt sich locker in den gehobenen Qualitätsbereich norwegischen Black Metals! Die Rhythmuskurve dieses einen Riffs in „Slettet Av Tid“ ist einfach nur stark, ebenso die DEN-SAAKALDTE-Reminiszenz im späteren Songverlauf. „Fandesvenn“ ist ein böses Black-Thrash-Monster, die brutale Seite der Platte im Gegensatz zur majestätischen Epik, die man beispielsweise im sehr anmutigen „Veiten“ hört. Man ergänze ein paar Soli und fertig ist ein Album, das mehrere Facetten hat, aber letztlich doch lieber an Bäumen vorbeiwandert, statt sie auszureißen – am besten natürlich allein.

14.11.2014

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1 Kommentar zu Blodhemn - H7

  1. Marco sagt:

    Wahrlich ein enorm starkes Album. Da ich vorher mit Blodhemn nicht vertraut war danke ich dem Rezensenten für die Erleuchtung.

    8/10