Borgne - Temps Morts

Review

Galerie mit 8 Bildern: Under The Black Sun 2016 - Borgne

BORGNE ist das Industrial-Black-Metal-Projekt von Multiinstrumentalist Bornyhake, das schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Seit 2017 ist Keyborderin Lady Kaos (welche unter anderem auch bei den Niederländerinnen ASAGRAUM ihr Unwesen treibt) mit dabei. Dabei scheint Bornyhake einen kleinen Run zu haben, denn zum einen stellt „Tempos morts“ bereits das zehnte Full-Length dar, zum anderen kam das letzte Studioalbum „Y“ gerade erst letztes Jahr heraus und darüber hinaus hat er gefühlt noch fünfzehn andere Projekte nebenher oder auf Eis oder in Planung. Und schon für  „Y“ haben BORGNE mit Les Acteurs de l’Ombre Production scheinbar ein Label gefunden, mit dem man in Zukunft weiter zusammenarbeiten möchte, kommt „Temps Morts“ doch erneut bei jenen heraus. In der Vergangenheit konnte das Ein-Mann-Projekt allerdings nicht wirklich für Begeisterung bei uns sorgen. Ändert „Temps Morts“ das mittlerweile?

Geduld und ein aufmerksames Ohr werden für „Temps Morts“ benötigt

Während die Industrial- und Synthieparts an die Musik so manchen Gothic-Clubs der 90er stellenweise erinnern, ist der Rest hauptsächlich von Black Metal in der schnellen und aggressiven Variante bestimmt. Es gibt durchaus coole Songwriting-Momente wie einen Part in Richtung EBM am Ende von „L’Écho de mon Mal“, aber im Allgemeinen bleibt man dem Genre-Standard doch schon sehr verhaftet. Das einzige, was sich im Gegensatz zu vorigen Platten mehr oder minder getan hat, ist somit die Produktion, die über 20 Jahre Existenz schon gut zugelegt hat, was aber auch erwartet werden darf. Es wird sich punktuell um ein wenig mehr Abwechslung bemüht, gute Songs kommen dabei aber nicht zwingend heraus, vor allem wenn man sein Werk auf über 70 Minuten ausdehnt.

Ein gutes Beispiel ist „The Swords Of The Headless Angels“, der bei 9 Minuten Laufzeit vermuten lässt, hier Abwechslung geboten zu bekommen, aber im Grunde nur ein klassischer Vier-Minüter mit überlangem Outro ist. Auch „I Drown My Eyes Into The Broken Mirror“ ist ein „Zwischenstück“, was zwar neben Akustikgitarre ebenfalls Piano und nahe an Orgeln spielende Synthesizer mit Cleangesang vermischt und somit Experimentierfreude zeigt, dessen musikalisches Grundthema sich allerdings über sechs Minuten zieht und das Grundproblem verdeutlicht: Es passiert musikalisch zu wenig interessantes, um die Laufzeitlänge der einzelnen Songs zu rechtfertigen und darüber hinaus vielleicht auch mal ein wenig anspruchsvollere Wechsel und Überraschungen einzubringen, die bei dieser Länge ja eigentlich ohne größere Probleme möglich sein sollten. So dümpelt „Temps Morts“ hauptsächlich ohne wirkliches Ziel hin und wie ein Trüffelschwein den Wald durchwühlen muss nach den begehrten Pilzen ist hier ebenfalls eine längere Suche durchs Unterholz nötig, um die wertvollen Schätze an die Oberfläche zu befördern, wovon dann letzten Endes zu wenig da sind, um die Suchanstrengungen zu rechtfertigen.

BORGNE überzeugen in Ansätzen, verzetteln sich aber noch zu häufig

BORGNE profitieren auf der einen Seite von guten Ideen (das tanzbare und später sogar leicht episch werdende „Even If The Devil Sings Into My Ears Again“), einer extrem kalten, industriellen Atmosphäre, die gar nicht so recht zu der Atmosphäre passen will, die das Coverartwork als Abbildung der noch recht „erdigen“, frühen industriellen Revolution so ins Gedäctnis ruft, abgesehen vom Begriff „Industrial“ selbst vielleicht. Auch die Synth-Parts sind nicht schlecht, können sich aber scheinbar auch nicht ganz zwischen schmissigem Gothic-Kitsch und eher dezenter Ornamentierung vom Rest der Musik entscheiden. Das gibt in Summe einfach ein unrundes Album, was mehr wie eine Zusammenstückung von Ideen wirkt und keine besonders guten Songs parat hält.

Da vielleicht lieber gleich zu Konsorten wie SAMAEL oder MYSTICUM bei Industrial Black Metal greifen, wenn man grundsätzlich kein großes Problem mit Elektronik in seinem Schwarzmetall hat. Die sind zwar auch immer noch ein wenig grundsätzlich verschieden von BORGNE, vielleicht sogar simpler zu nennen, aber liefern auch abweisende Atmosphäre mit wesentlich unterhaltsamerer Seite.  Wenn ein ziemlich ausgiebiger und auch bei Zeiten anstrengender Zugang zu Industrial Black Metal allerdings nicht stört, könnte „Temps Morts“ durchaus Spaß bereiten. Ein Reinhören sei daher trotzdem angeraten.

 

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13.06.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

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