Bròn - Pred Dverima Noci

Review

Achtung! Wer sich mal eben ein, zwei Songs der Zwei-Mann-Black-Metal-Combo BRÒN reinziehen möchte, wird Zeit benötigen … viel Zeit. Insofern lässt sich kein Anspieltipp für die Zigarettenpause zwischendurch benennen. Bei einer Gesamtanzahl von drei Liedern auf dem aktuellen Longplayer “Pred Dverima Noci” ist das ohnehin obsolet.

“Pred Dverima Noci” setzt auf überlange Songs

Generell lassen sich über die beteiligten Musiker oder das Projekt im Allgemeinen nur wenige Informationen im World Wide Web zusammentragen. Laut der mitgelieferten Promo trägt der Bandgründer die mysteriösen Initialen “KG” (es handelt sich offensichtlich nicht um den TENACIOUS-D-Typen). Der Mann ist gebürtiger Neuseeländer, wobei das Band-Hauptquartier zwischenzeitlich nach Belgrad verlegt wurde. Nebenbei spielt KG praktisch jedes Instrument auf dem Album. Lediglich das Schlagwerk wird von einem gewissen “GH” bedient.

Futuristische Keyboards sollen in die serbische Wildnis entführen

Beim Konsum des mittlerweile fünften Studioalbums kann man getrost die Stirn krausziehen. Nachdem die Biografie Schlagwörter wie “Ambient” und “dicke Atmosphäre” als Köder auswirft und dabei immer wieder die Natur und Wildnis als Inspirationsquelle für KGs Songwriting angibt, wird die Platte zunächst von einem scheinbar nie endenden Keyboard-Intro eingeläutet. Wer mit sphärischen, an Vollmond, Teufel und Wolfsgeheul erinnernden Klängen gerechnet hat, wird bitter enttäuscht sein. Das Zwei-Finger-Gedudel erinnert an einen vorschulähnlichen Spaceballs-Soundtrack und lädt mitnichten zum Denken an tiefe Urwälder im serbischen Hinterland ein.

BRÒN bieten aufgesetzte Andersartigkeit

Irgendwann verwandelt sich “Dverima Noi” in typisches Black-Metal-Geballer mit den üblichen Kennzeichen. Natürlich finden sich immer wieder schöne Melodien und das Gekeife von KG kommt ebenfalls amtlich. Die verhältnismäßig nicht besonders schnell gespielten Blastbeats bleiben oft zwischen dem Click hängen und auch in Sachen Drum-Fills ist das verfügbare Repertoire von GH bald aufgebraucht. Wenn man minutenlang den gleichen Rhythmus trommelt, ist das aber nachvollziehbar.

“Pred Dverima Noci” hat das Problem, dass die guten Ansätze jeweils nur kurz angekratzt werden, bevor sie der nächsten zusammenhanglosen Idee weichen müssen. So lässt sich im Songwriting kein roter Faden erkennen, was sich in den oft ruppigen Übergängen deutlich zeigt. Damit wirkt das klassische Konzept leider nicht gewünscht exzentrisch, sondern viel mehr unangebracht und aufgesetzt.

Viel Sound um nichts?

Folglich ist “Usnulu Zlobu Razbudi” ähnlich aufgebaut wie der Opener und wird zwischendurch wieder von überlangem Keyboard-Getupfe zersetzt. Dieses Arrangement-Unglück ändert sich auch nicht mehr beim abschließenden “Zastore Skrai”, das obendrein mit einem Science-Fiction-Outro verschnörkelt wird.

Letztlich haben BRÒN eine falsche Entscheidung getroffen. Hätten die Musiker statt dreißig Melodien in drei Songs, dreizehn Melodien in acht Songs verpackt, wäre der Hörgenuss entspannter und nachvollziehbarer ausgefallen. Smarte Impulse lassen sich zwar durchaus finden, die gehen aber leider in allzu blumenkindischen Casio-Möchtegern-Intermezzi verloren.

Und weil einem ein solches Ungetüm an Album keine Verschnaufpause und kein Song-Skippen erlaubt, wird es auch nicht öfter als ein oder zweimal auf dem Plattenteller landen.

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04.12.2020

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3 Kommentare zu Bròn - Pred Dverima Noci

  1. mf_Greg sagt:

    Also die Bewertung von drei Punkten lässt ja völlige Unfähigkeit in Bezug auf… na ja, alles hindeuten. Wenn ich mir den verlinkten Track anhöre, dann nervt mich zwar das Kack-Intro (wie bei so gut wie jedem Metal-Album), aber die Musik geht total in Ordnung. Ende der 90er hat man davon ganz schön viel gehört, und auch da fand ich das schon gut. Hat der Song das zeug zu einem echten Klassiker? Nö. Hat mich hier irgendwas total aus den Socken? Nö. Macht die Mukke Spass? Ja, schon. Und was ihr in letztere Zeit für Probleme mit „überlangen Songs“ habt, weiss ich auch nicht – per se ist das ja kein Qualitätsmerkmal (weder positiv noch negativ). Für mich ist das gute Musik, irgendwo zwischen einer 6 und einer 7. Aus „Protest“ ggü der Rezensentenbewertung dann definitiv die 7 😉

    7/10
  2. nili68 sagt:

    Mir gefällt das sogar richtig gut. Was ist heutzutage denn schon noch wirklich innovativ, ohne dabei albern zu wirken, weil’s nur Selbstzweck ist? Gibt’s schon, aber so selten, dass das als Bewertungskriterium für mich nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Dem Lied gebe ich mindestens 8 Punkte nach einmal hören.

  3. pentatonik sagt:

    Ich mag die Melodieführung, den Sound und den Gesang. Der Ablauf ist flüssig ineinander greifend. Tendiere hier auch zwischen 7 und 8. Entspannt anzuhören.
    Bei der mageren 3/10 Punkte Bewertung, gibt es von mir die 8 Punkte.

    8/10