Creature - Feindtbild

Review

Die schwäbischen Black-Metaller von CREATURE sind eine der wenigen Bands, die ehemals unter einem einschlägigen deutschen Label agierten und aus denkbaren Gründen nicht von mir ignoriert wurden. Politik war glücklicherweise nie ein Thema der Band und musikalisch lieferte man auf bisher jeder Platte den Beweis, dass man fähig ist, rasenden Black Metal mit einer dezenten Portion Melodie zu verbinden und dabei eine rohe, bedrohliche Aura zu kreieren. Fraglich ist dahingehend, ob angesichts von Label- und Sängeraustausch eine vergleichbare Qualität erneut aufbringbar ist.

“Feindtbild“ heißt also das neue Machwerk und erscheint unter dem neuen Banner namens Eichenthron Records, dabei übernimmt Neukreischer Alexander Barth den Gebetsständer. Die Zielscheibe ist klar definiert, so feuern die lyrischen Ergüsse auf ein Neues derbste verbale Kanonensalven auf Christentum und die elende menschliche Existenz ab. Wie man die Glaubwürdigkeit des Ganzen einschätzt, bleibt stets eine subjektive Sache, obgleich ich sagen muss, dass die Texte auf mich zum Großteil deutlich zu plakativ wirken. Ansonsten werden die Erwartungen nahezu vollends erfüllt, auch wenn man produktionstechnisch vor einigen wesentlichen Veränderungen steht.

Nicht alleine die technischen Fähigkeiten und deren gekonnter Umsatz innerhalb des Songwritings haben sich seit “Kreuzlaub“ entschieden verbessert, auch das gesamte Soundgefüge donnert, aufgrund stark aufgemotzter Produktion, viel klarer und glatt polierter aus den Boxen als noch auf den vorhergehenden Veröffentlichungen. Demnach hämmert etwa Gregor Lasczok nicht nur merklich präziser auf seine Felle ein – der Sound, der letztendlich aus dem Ausgabemedium dröhnt, fetzt dabei ganz gewaltig und verleiht “Feindtbild“ damit eine ganz andere Form der Durchschlagskraft. Das passt in meinen Augen wunderbar zum melodisch rasenden Schwarzmetall der Deutschen, der hier keineswegs an Rohheit einbußt, sondern viel mehr schlagkräftiger und wuchtiger zu Werke geht.

Die unbarmherzig kalte Atmosphäre, die CREATURE stets versprühten und auch mit diesem Album weiterhin versprühen, zieht sich konstant durch die gesamte Platte und erreicht ihren Höhepunkt meines Erachtens in den beiden englischsprachigen Stücken “Twilight“ und “World Decadence“. Der bereits angesprochene, neue Sänger Alexander Barth eröffnet ebenso keinerlei Grund zur Klage – sein Gekeife zeigt sich immer mal wieder variabel und wechselt dahingehend zwischen Ebensolchem und kläglich hohen Schreien, die in der Essenz an diverse Suicidal Black Metal Formationen erinnern mögen.

Das dritte vollwertige Album von CREATURE zeigt sich insgesamt als weitgehend homogen, was sich alleine schon durch die größtenteils sehr ähnlichen Songstrukturen zeigt, die zumeist geradezu durch lang gezogene Uptempo-Parts schreddern und nur selten mal Fahrt heraus nehmen. Das ist allerdings weniger tragisch, da die Schwaben Atmosphäre und Feeling vornehmlich durch die eingängigen melodischen Einsprengsel aufbauen und dieses Konzept erneut auf ganzer Strecke aufgeht.

26.11.2008

Der metal.de Serviervorschlag

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