Death - Spiritual Healing

Review

Galerie mit 15 Bildern: Death - Death To All Tour 2013

Scheiß Premiere! Scheiß Premiere!

War echt der erste Gedanke, den ich hatte, als ich gewahrte, dass das “Spiritual Healing“-Reissue zur Rezension anstand.

Wieso Premiere? Also das ist das dritte DEATH-Album, wurde ursprünglich 1990 auf die Hörerschaft losgelassen – wieso denn dann Premiere? Und warum überhaupt Scheiß Premiere bitteschön???

Sportfreunde, die sich vor einigen Jahren so manches Fußball – oder Eishockeyspiel nicht im Öffentlichen Fernsehen begucken konnten und obendrein im Stadion durch die Kameras vom Bezahlsender Premiere belästigt wurden, haben schon mal öfters “Scheiß Premiere“ skandiert.

Wenn dann jemand, der das “Spiritual Healing“-Cover als großen Rückenpatch auf der Kutte trägt, die Scheibe besprechen darf, ist klar, dass hier eigentlich 10 Punkte obligat sind. Und das wäre für denjenigen auch gleich das erste 10-Punkte-Review auf metal.de … also ’ne echte Premiere… aber für ’ne Wiederveröffentlichung? Also Scheiß Premiere! Sprich Scheiß, weil is’ nich’!

Spaß beiseite. Derjenige Death-Metal-Fan, der diesen mächtigen Klassiker nicht ohnehin schon längst im heimischen Plattenregal stehen hat, sollte sich nicht nur was schämen, sondern diese Scheibe auch schnellstmöglich kaufen.

Das hier war mein erstes Album von DEATH, wohl auch aus diesem Grunde mein liebstes. Viel wichtiger aber ist, das “Spiritual Healing“ eine Großtat für den Todesmetall darstellt, nimmt es nicht nur textlich, sondern auch musikalisch Abschied vom simplen Haudraufundschluss, wobei die Qualität dieser Richtung an dieser Stelle gar nicht angezweifelt wird. Aber 1990 hat Evil Chuck gezeigt, dass auch dem “kranken“ Death Metal ein phantastisches Entwicklungspotential innewohnte und durchschritt mit eben diesem Album hier die Tür in eine größere Welt. Nun lag der Fokus auf sozialkritischen Texten und wenn die Mucke selbst mit der Komplexität und technischen Ausführung kommender Alben nicht mithalten kann, nimmt doch gerade der Charme dieser Umschwungphase den begeisterten Hörer für sich ein.

Da bassblubbert noch kein Steve DiGiorgio und ein Gene Hoglan würde die Schlagzeugspuren Andrews’ wohl auch noch narkotisiert mit dem linken Ohrläppchen einspielen können, doch mit Album Nummero 3 hebt die Band ihr Schaffen bereits auf eine beachtliche Stufe. Der technische Aspekt ist vor allem was die Klampfen angeht stark betont, passt aber perfekt zu den Songs und der Art, wie sie geschrieben sind. Man spürt zu jeder Zeit die brutalen Wurzeln des Debüts und des Zweitwerks und kann sich gleichzeitig doch an einer Vielzahl Raffinessen und eines vielschichtigeren, elaborierteren Songwritings erfreuen, das sich auch nach über 22 Jahren in keinem Punkt abgenutzt hat.

Einem Death Metaller jetzt noch mehr über diesen Klassiker erzählen zu wollen, hieße natürlich, Euros nach Athen zu tragen, deswegen wollen wir uns jetzt mal um das eigentlich “Neue“ kümmern, welches uns Relapse mit diesem Reissue bescheren.

Wobei man sich hier gleich mehrere Grade der Bescherung aussuchen kann:

Die Basis-Version enthält zwei CDs, wobei die erste davon das eigentliche Album als Remaster enthält und die zweite mit Outtakes, Proben und Spaß-Aufnahmen aufwartet. Dazu kann der geneigte Fan sich an liner notes von Album-Gitarrist James Murphy und Bassist Terry Butler, Chucks Schwester Beth und VOLBEAT-Fronter Michael Poulsen erfreuen.

Darüber hinaus wird eine auf 2000 Einheiten limitierte 3CD- Deluxe-Edition exklusiv über relapse.com angeboten, die zusätzlich ein Konzert des Album-Line-Ups vom 17.03.1990 in New Rochelle beinhaltet.

Eine iTunes-Digital-Deluxe-Edition legt dann noch unveröffentliche “Human“-Probeaufnahmen oben drauf.

Als Rezensionsexemplar liegt die 2CD-Version vor und es wäre wünschenswert gewesen, wenn Relapse den Mitschnitt des 1990er Gigs einfach auf die zweite Platte dieser “kleinen“ Version gepackt hätte, denn die Probeaufnahmen mögen zwar zu gewissen Teilen ein Bild vermitteln, wie sich die einzelnen Songs entwickelt haben, sind meines Erachtens aber einer Live-CD nicht vorzuziehen, wobei die Joke-Songs dann ohnehin nicht das sind, was man sich zwingend ein zweites Mal anhören muss.Hier werden sich womöglich nur die Komplettisten unter den DEATH-Fans so richtig freuen.

Das neue Soundgewand des eigentlichen Albums auf der ersten Scheibe macht den Bass ein wenig knackiger (dabei spielt Butler ja im Grunde nur nach, was Murphy und Chuck vorgeben), präzisiert den Gesang und die Klampfen ein bisschen und lässt die Mucke insgesamt ein Stück weit druckvoller aus den Boxen donnern. Kann man durchaus haben, zumal das Album hier keine wesentlichen Änderungen erfährt, die sich in irgendeiner Form tatsächlich störend auswirken könnten, sondern lediglich etwas frischer daherkommt. Die Frage, ob der Sound des Reissue dem des Originals vorzuziehen ist, bleibt aber letzten Endes die des Geschmacks.

Diejenigen unter euch, die sich hinreichend geschämt haben, haben die Wiederveröffentlichung ja nun sowieso schon längst geordert…

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20.11.2012

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Death - Spiritual Healing

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Über die Bedeutung von DEATH für die gesamte Metal-Szene brauchen wir uns eigentlich nicht zu unterhalten. Chuck Schuldiner hat nicht nur ein Genre erfunden, sondern nebenbei auch noch diverse Genre-Klassiker veröffentlicht. Zu diesen Klassikern zählt mit ziemlicher Sicherheit auch das dritte Album „Spiritual Healing“, das die Band 1990 veröffentlicht hat.

Nach den eher ungestümen („Scream Bloody Gore“) und brutalen („Leprosy“) Vorgängern gingen DEATH neue Wege. Die Songs wurden anspruchsvoller und der technische Aspekt rückte erstmalig in den Vordergrund. Nicht so sehr wie auf späteren Veröffentlichungen, aber man konnte die Entwicklung deutlich hören. Genau aus diesem Grund ist „Spiritual Healing“ für mich so essentiell. Die Brutalität der ersten beiden Alben wurde mit technischen Finessen und detailliertem Songwriting gepaart und funktionierte auf Anhieb. Gleich der Opener „Living Monstrosity“ schlägt die Brücke zwischen den „alten“ und den „neuen“ DEATH. Vertracktere Songstrukturen und mit mehr Liebe zum Detail arrangiert. Auf der anderen Seite stehen immer noch die kompromisslosen, brutalen Parts, die schon seit dem ersten MANTAS-Demo den Stil der Band bestimmten. Genau das macht auch heute noch den Reiz dieses Albums aus und genau deshalb fesseln die einzelnen Tracks auch nach Jahrzehnten noch. Songs wie „Altering The Future“, „Within The Mind“, das famose „Killing Spree“ oder der Titeltrack zeigen eine talentierte Band, die sich im Umbruch befindet, aber dennoch nicht auf die alten Trademarks verzichtet, sondern sie vielmehr als Stilmittel in die neuen Songs integriert.

Alle acht Songs von „Spiritual Healing“ sind Volltreffer. Kein Ausfall, keine auch nur annähernd schwache Nummer. Dazu eine Produktion von Scott Burns, die perfekt zu den Songs passt. Hart und brutal, aber immer auch genügend Räume für die technischen Finessen lassend. Ebenfalls perfekt zu der Musik passt das Cover aus der Hand von Meister Ed Repka (sollte man natürlich als Vinyl besitzen). Kurzum: „Spiritual Healing“ ist ein ganz wichtiges Album in der DEATH-Diskografie, weil es den ersten Schritt weg vom eher simplen, brutalen Death-Metal der ersten beiden Alben, hin zu den progressiveren Alben der Band darstellt. Es ist diese Aufbruchstimmung, die den Songs innewohnt, die „Spiritual Healing“ zu meinem Lieblingsalbum der Band machen.

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17.12.2011

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3 Kommentare zu Death - Spiritual Healing

  1. Soulreaper sagt:

    Mit Human mein Favorit von Death, wobei natürlich jedes Album duchwegs perfekt ist. Nur wenn ich mich entscheiden müsste wären es die beiden. Wie schon im Anfang des Reviews gesagt, muss man zu Death nicht viel Sagen. Technisch höchstes Niveau, einfach traurig das es sie nicht mehr gibt….

  2. MetalGerhardt sagt:

    Die Entwicklung von Album zu Album ist schon bemerkenswert. Ging es schon auf dem Vorgänger deutlich reifer zur Sache, wird der Sound hier abermals verfeinert, mit noch mehr komplexen Arrangements bestückt und dabei kommt dann sehr anspruchsvoller Death Metal heraus, der zwar noch nicht unbedingt das große Wort „progressive“ tragen muss, aber schon einige Elemente davon besitzt. Ich persönlich finde es ja schade, dass Schuldiner seine Vocals etwas verändert hat, denn in den beiden Vorgängern klangen sie einfach fieser – wie direkt aus der Hölle. Nun erkennt man fast etwas angepisste Melodik in seiner Stimme. Passend ist es aber. Leicht zugänglich ist das Album dabei keineswegs, denn das Tempo variiert in jedem Song mehrmals, so dass man sich eine Eingängigkeit erst erarbeiten muss.
    Ein starkes Album, aber für mich nicht stärker, als der Vorgänger!

    8/10