Domjord - Gravrost

Review

Daniel Rostén schlägt sich seitwärts in die elektronischeren Büsche. Der Mann dürfte vor allem Black-Metal-Fans ein Begriff sein, u. a. von FUNERAL MIST sowie seit 2004 unter dem Pseudonym Mortuus als Sänger bei MARDUK. Mit DOMJORD gibt es nun jedoch ein größtenteils instrumentales Ambient-Electronic-Projekt von ihm zu hören, an dem er nach eigener Aussage schon einige Zeit lang gearbeitet habe. Das Debüt „Sporer“ erschien gerade mal im März diesen Jahres, doch nun schiebt er den Nachfolger „Gravrost“ direkt hinterher. Vermutlich war es den Umständen geschuldet, dass er nun extra viel Zeit hatte, um sich in diesem Umfang um DOMJORD kümmern zu können.

Daniel Rostén geht mit DOMJORD auf elektronische Tuchfühlung

In gehörter Form begegnen einem hier sehr auf Atmosphäre abgerichtete, tief in Moll getauchte Klangerzeugnisse, meist bestimmt durch flächige, gerne irgendwie sakral anmutende Synthesizer, die sich unter ein prägnanteres Synth-Lead heben. Weniger frequent, aber dennoch regelmäßig treten auch monotone Beats auf, welche die Sache wenn auch schleppend vorantreiben. Die Idee hinter all dem, wiederum nach eigener Aussage, ist, den Hörer auf einer Reise in sieben Akten zu begleiten und sie durch eine Welt apokalyptischer Finsternis zu führen – es entspräche einem Soundtrack für das Ende der Zivilisation. Ob Rostén damit gezielt auf die immer noch vorherrschende Pandemie anspielt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Fest steht, dass die Rechnung auf dem Papier aufgeht. Der Opener „Övergång“ fängt die beabsichtigte Stimmung hervorragend ein, geht dabei fast als Ambient Doom durch, „Farsot“ bringt mit ähnlichen Mitteln sogar einen interessanten Kontrapunkt mit ins Spiel. Mit „Andrum“ wird es seltsam mystisch. Irgendwie wirkt das Ganze so ein bisschen wie der Soundtrack zu einem Videospiel aus der PS2-Ära, was nichts notwendigerweise schlechtes ist. Aber damit kommt ein kleines Problem auf, mit dem „Gravrost“ definitiv zu kämpfen hat: Die Songs sind zu repetitiv geraten und kleiden ihre repetitiven Motive nicht immer mit genügend subtiler Variation aus. Das kann den Hörfluss stellenweise sehr zäh gestalten. Daher passt der Vergleich mit Videospiel-Soundtracks, im Guten wie im Schlechten, so gut.

„Gravrost“ lässt dabei noch etwas Luft nach oben erkennen

Auf „Andrum“ geht das noch in Ordnung. Aber mit dem folgenden „Dödsans“, einem der längeren Tracks der Platte, erreicht „Gravrost“ seinen Tiefpunkt. Das einleitende, simple Piano-Lead gefällt eigentlich sogar einigermaßen, in Verbindung mit den Synths, die drum herum auf- und wieder abtauchen oder sogar doppeln entsteht eine gewisse, unwirkliche Stimmung. Aber das Lead wird einfach viel zu oft wiederholt und beginnt spätestens nach der Hälfte der Zeit zu nerven. Und gerade bei den Doppelungen erwischt Rostén nicht immer die geeigneten Samples, was manchmal zusätzlich irritieren kann. Mit dem wiederum folgenden Titeltrack geht es, auch dank kürzerer Länge, wieder qualitativ nach oben, wobei der Song etwas abrupt aufhört. Das klingt nicht sehr schön.

Glücklicherweise gewinnt „Gravrost“ nach dem Durchhänger aber wieder ein bisschen an Aufwind, auch wenn der Sound weiterhin etwas zu repetitiv für das eigene Wohl bleibt. Aber für Atmo-Ausflüge eignet sich das zweite DOMJORD-Album definitiv. Teilweise ist es erstaunlich leicht, sich in diesen Sounds zu verlieren, vor allem im dramatischen Rausschmeißer „Undergång“. Aber wer weiß, ob bei einem Nebenprojekt wie diesem wirklich noch viel gefeilt wird, bevor es mit den Hauptbrötchengebern in absehbarer Zeit doch mal weitergeht. Letzten Endes geht „Gravrost“ für das, was es sein will, absolut in Ordnung, und eignet sich daher wunderbar als Hintergrundbeschallung für die finsteren Tage des Jahres.

26.11.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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