Ea - Ea Taesse

Review

Viele Informationen gibt es nicht über EA. Nur soviel, dass die Band wohl aus den USA kommt. Zumindest die Mutmaßung, dass Album- und Songtitel finnisch seien, wird nicht nur dadurch zerstreut, sondern auch durch die Verlautbarung, die auf dem Album zu vernehmenden Vocals seien in einer uralten Sprache einer untergegangenen Zivilisation vorgetragene sakrale Texte. Ein ähnliches Konzept kennt man ja bereits von NILE. Im Gegensatz zu den Ägyptologen erfährt man bei EA aber weder, um welche Sprache es sich handelt, noch, was genau besungen wird.

Stilistisch ist eine Verortung in Finnland auch nachzuvollziehen, bewegt sich die Band mit ihrem recht melodischen Funeral Doom doch offensichtlich im Fahrwasser von SHAPE OF DESPAIR, wenn auch manche Stellen an PANTHEIST erinnern. Die ellenlangen, größtenteils instrumentalen Songs sind geprägt von einfacher Melodie und feengleichem, scheinbar weiblichem Aaaahhhh-Gesang, der aber vermutlich elektronisch erzeugt wird. Dieser kontrastiert die dröhnenden Gitarren und die äußerst selten auftretenden gutturalen männlichen Vocals.

Die knappe Stunde Spielzeit unterteilt sich in drei Abschnitte. Songs mag man diese nicht wirklich nennen, da sie nahtlos ineinander übergehen. Die Trackindizes dienen eher zur leichteren Strukturierung des Koloss‘. Und daran tut man gut, denn musikalisch lassen die drei monumentalen Kapitel an sich Struktur vermissen. Variationen der über lange Strecken wiederholten Passagen finden etwa alle fünf Minuten statt, was bei Funeral Doom generell ja nichts Außergewöhnliches ist. Die einzelnen Themen werden noch seltener gewechselt. Den Eindruck eines einzigen überlangen Songs erwecken auch vereinzelte gelegentliche Reprisen, die zusammen mit der Gleichförmigkeit der Songs den kompositorischen Rahmen zusammenhalten.

Wo es Bands wie erwähnte SHAPE OF DESPAIR und PANTHEIST allerdings perfekt verstehen, ihre repetitiven Strukturen auf einen Klimax zuwandern zu lassen, versäumen es EA, den Spannungsbogen auch einmal enden zu lassen. Auf eine auflösende Entladung wartet man vergebens. Die Platte ist vergleichbar mit einem schwülen Sommerabend, der mit drückender, feuchter Hitze auf Körper und Geist lastet, an dem man auf das reinigende Gewitter aber vergeblich wartet. Eben so lässt auch „Ea Taesse“ Blitz und Donner vermissen. Das innere musikalische Gespür des Hörers wird durch eine sich immens aufbauende Erwartungshaltung auf die Folter gespannt – und letztlich enttäuscht. Das ist wie Hunger ohne Essen, Advent ohne Weihnachten, Countdown ohne Lift-Off, Vorspiel ohne Sex. So leiert der Bogen mit zunehmender Dauer und immer neuen Ansätzen zusehends aus.

Das macht „Ea Taesse“ zwar insgesamt noch zu keinem schlechten Album. Aber leider verkommt es aufgrund fehlender Akzente und eines erlösenden Dénouements zu (immerhin gutklassiger) Hintergrundmusik. Wie sagt man so schön? Das Potenzial ist da – letztendlich fehlt nur der zwingende Biss.

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04.06.2007

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1 Kommentar zu Ea - Ea Taesse

  1. Anonymous sagt:

    Gerade die Tatsache, dass einen dieses Album mit einem Fragezeichen zurücklässt, finde ich unheimlich groß! Ich hab’s schon diversen Leuten aus meinem Bekanntenkreis und in Foren gesagt: Für mich verbreitet dieses Album das Gefühl, als ob man inmitten der Apokalypse steht. Gott selbst vernichtet mit einer schmerzhaften Langsamkeit alles Leben um einen herum. Man fühlt sich hilflos gegenüber dieser Allmacht, die auf einen hernieder geht. Und dieser engelsgleiche weibliche Gesang (den du vergessen hast zu erwähnen) vermittelt einem auch noch das Gefühl von Schuld; als ob man selbst für all das Elend auch noch verantwortlich wäre… Grandios!

    10/10