Fvneral Fvkk - Carnal Confessions

Review

Mit ihrer EP „Lecherous Liturgies“ konnten FVNERAL FVKK vor zwei Jahren ordentlich Staub im Underground aufwirbeln. Das schicke Cover, eine stilvolle 7″ und natürlich der originelle Inhalt konnten auch den Kollegen Wolfsbrunn voll überzeugen. Ok, zugegeben, der Bandname polarisiert ordentlich – während ihn die einen sarkastisch-komisch finden, finden andere eher Worte wie „pseudo-lustig“ oder gar „geschmacklos“. Aber wie es nun einmal so ist, es gibt keine schlechte Publicity. So dürften nicht wenige gespannt auf das Longplay-Debüt der epischen Doomer gewesen sein, von denen lediglich bekannt ist, dass sie auch in Bands wie OPHIS, FÄULNIS und CRIMSON SWAN zocken bzw. gezockt haben. Nun ist „Carnal Confessions“ endlich da und wir prüfen, ob das Album den guten Eindruck des Appetizers halten oder gar übertreffen kann. Mehr über die Hintergründe von Band und Album erfahrt Ihr übrigens im Interview mit Sänger Cantor Cinaedicus und Gitarrist Decanus Obscaenus (demnächst).

FVNERAL FVKK – Anklagende Predigten von der dunklen Kanzel

Nach einem kurzen wie thematisch passenden Intro, zeigen sich bereits die ersten Klänge von „Chapel Of Abuse“ erhaben, aber auch anklagend und schrauben den Song direkt auf ein Level jenseits des auf der EP erreichten. Sofort drängen sich dem geneigten Doom-Enthusiasten Parallelen zu klassischen MY DYING BRIDE auf, obwohl der Gesang durch den Verzicht auf Growls natürlich deutlich epischer ausfällt und eher an CANDLEMASS erinnert. Offenbar versucht die Band allerdings dieses Mal noch mehr auch gesanglich einen sakralen Anstrich zu vermitteln, was auch hervorragend gelingt. Tatsächlich könnte man glauben, dass Cantor Cinaedicus gerade anklagend von einer dunklen Kanzel predigt.

Auch in Sachen Produktion konnte man einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Extrem warm und voll klingt das, was da aus den Boxen schallt. Auch der durchaus hörbar eingemischte Hall, der natürlich perfekt zum Thema passt, sorgt nicht dafür, dass der Sound verwaschen wirkt oder weniger Druck hat.

Selbst alle Lyric-Muffel, die in der Regel keine Lust haben, sich mit dem Booklet vor die heimische Anlage zu setzen und nachzuverfolgen, was dort eigentlich genau besungen wird, sollten im Falle von FVNERAL FVKK eine Ausnahme machen. Wie bereits auf der EP werden die Abgründe der christlichen Kirche behandelt, von denen es schließlich mehr als genug gibt. Neben allgemeinen Themen werden auch ganz konkrete reale Fälle angesprochen, eine kleine Recherche lohnt hier. In jedem Fall tragen die Texte mehr als einmal dazu bei, die gruselige Atmosphäre der Musik zu unterstreichen – nach wie vor aber auch mit einem deutlichen Augenzwinkern, wie beispielsweise in „Alone With The Cross“.

Ein absolutes Album-Highlight bildet das Doppelpack aus „Poor Sisters Of Nazareth“ und „To Those In The Grave“. Erstgenannter erzeugt durch zähe Riff-Brocken und unglaublich traurigen Gesang eine abgründige und verzweifelte Stimmung, die kaum in Worte zu fassen ist. Wen die wimmernden Stimmen gepaart mit dem einsetzenden mehrstimmigen Gesang kalt lassen, wer hier nicht die geschundenen Opfer eines aus den Fugen geratenen Systems vor seinem geistigen Auge sieht, der ist offenbar bereits tot. Das sind auch die im nachfolgenden Song besungenen, für dessen Hauptthema einfach nur eine Umschreibung passt: Zum Niederknien! Derart gelungene Doom-Leads zu schreiben schafft wahrlich nicht jede Band in diesem aktuell durchaus nicht wenig umkämpften Genre.

Nah an der Perfektion – „Carnal Confessions“

FVNERAL FVKK haben es auf „Carnal Confessions“ geschafft, nach ihrer bereits hervorragenden EP wirklich in allen Bereichen noch einmal eine Schippe drauf zu packen. Sei es die hervorragende Produktion, die teils unfassbar guten Melodien oder auch der wesentlich ausdrucksstärkere Gesang – hier stimmt eigentlich alles.

Will man überhaupt etwas kritisieren, wäre es die teilweise recht starke Ähnlichkeit der Songs untereinander, die z.B. im Übergang von „Alone With The Cross“ zu „The Hallowed Leech“ besonders deutlich wird. Vermutlich gilt hier aber das alte IT-Motto „it’s not a bug, it’s a feature“ und die Überleitung mit ihren sich stark ähnelnden Vocals ist genau so gewollt. Tatsächlich schwingt in sakralem Gesang eben immer auch eine gewisse geradezu hypnotische Monotonie mit, die hier auch gekonnt als Stilmittel eingesetzt wird.

Es sollte sich also niemand vom vielleicht etwas kruden Bandnamen abschrecken lassen. FVNERAL FVKK ist hier eine wahre Großtat gelungen, die vor allem bezüglich Erzeugen von dichter Atmosphäre und Melodiösität Maßstäbe setzt und sich dabei nah an der Perfektion bewegt. Bislang eines der besten, wenn nicht sogar das beste Doom-Album des Jahres!

Hier könnt Ihr das Album in verschiedenen Versionen bestellen.

26.10.2019

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Fvneral Fvkk auf Tour

13.11. - 15.11.20metal.de präsentiertHammer Of Doom XV (Festival)Fvneral Fvkk und OphisPosthalle, Würzburg

13 Kommentare zu Fvneral Fvkk - Carnal Confessions

  1. nili68 sagt:

    >Wie bereits auf der EP werden die Abgründe der christlichen Kirche behandelt<

    Innovativ. Endlich traut sich mal 'ne Metalband das anzusprechen..

    1. ClutchNixon sagt:

      I see what you did there.

    2. Dystopya sagt:

      In der Tat. Beim Thema Islam gäbe es eigentlich viel mehr abzuarbeiten. Und es wäre sogar recht ..edgy, wie man heute so sagt. Doch irgendwie gibt es da in der Richtung nicht viel. Zumindest fällt mir da nicht viel ein – Al Namrood z.B. Nicht unbedingt spannend, aber die Typen haben mal richtig dicke Eier (mach mal BM in Saudi Fucking Arabien).

  2. Nether sagt:

    Endlich ist die Platte da! 🙂

  3. deadhouse sagt:

    Super My Dying Bride Vibe. Beste Doom Scheibe dieses Jahres (soweit) für mich.

    9/10
  4. royale sagt:

    es ist windig und es pisst, der Hund muss dennoch raus! Geile Scheibe. „Gehört, Gekauft, nun Gassi“.

    9/10
  5. L@THERIVERFLOW sagt:

    Zweifelsohne ein gutes Doom Album. Ich bin nur einfach kein wirklicher Freund von den angeführten Bands und tu mich auch mit dieser Scheibe schwer. Irgendwie hat jeder Song die gleiche langweilige Atmosphäre, fast so als besteht das Album aus einem einzigen Song.
    Die ersten vier Songs laufen so durch, hier und da mal ein winziger Höhepunkt bis die Scheibe ab The Hallowed Leech erst so richitg interessant wird und mit Poor Sisters Of Nazareth seinen Höhepunkt erreicht hat, um mit dem letzten Song wieder abzuflachen in das davor dargebotene.
    Mir ist das zu vorhersehbar und es fehlt die Abwechslung, deswegen wirklich sehr gut gemeinte 7 Punkte für die Produktion und dem doch hohem Niveau der Scheibe. Ich finde nur es hätte mehr drin sein können, vielleicht sogar drin sein müssen…

    7/10
  6. Ein Kommentar wurde auf Userwunsch gelöscht.

    1. Sane sagt:

      Ich wünsche mir dass sämtliche Kommentare von nili gelöscht werden.
      Das leben ist also doch ein Wunschkonzert, juhuuuu.

      1. nili68 sagt:

        Ich wünsche mir dann, dass Sane gelö.. ääh seine Kommentare, weißt schon, was ich mein‘..

  7. Watutinki sagt:

    Ich liebe My Dying Bride, aber hier fehlt mir etwas, genau, der Gegenpart zu den Vocals. So ist mir das auf Dauer zu langweilig, hat man 5 Minuten gehört, kennt man das ganze Album, viel mehr passiert eigentlich nicht. Auch die Produktion find eich etwas zu brav. Wird seine Hörer finden, aber schade, hätte noch deutlich mehr Potential gehabt.

  8. Vlad_the_Impala sagt:

    Überzeugt mich sehr! 🙂

    9/10