H E X - H E X

Review

Gute Neuigkeiten für die, denen es nicht düster und atmosphärisch genug sein kann: H E X, in Genf gegründet, schicken sich an, mit ihrem selbstbetitelten Debüt ebenjene Tiefen zu erkunden. Als rockendes Trio gestartet vergrößerte sich sich die Band, bestehend aus Vincent Hänggi, Alex Muller Ramirez und Adriano Perlini, mit der Zeit zu einem Quintett und begann, von ihren abrasiven Anfängen Abstand zu nehmen. So tauschte man den Bass relativ schnell gegen einen Synthesizer aus, um mit dessen Hilfe so richtig schön in die Psychedelik abtauchen zu können. Schließlich verließ Adriano Perlini die Band und wurde durch Laure Betris ersetzt, die neben dem vakant gewordenen Posten an der Gitarre zusätzlich noch den Gesang übernimmt… wobei „Gesang“ recht euphorisch ausgedrückt ist. H E X sind im Kern nämlich eine Instrumental-Band und der Gesang als solcher wird in seiner zum Großteil wortlosen Beschaffenheit eher als weiteres Instrument eingesetzt, um die Effizienz der Amotsphärik weiter zu steigern in geradezu cineastische Höhen.

Cineastische Musik – ein Klischee?

Gutes Stichwort: Der Begriff der cineastischen Musik ist ja weit dehnbar – man mag allein vom Begriff per se ja schon gelangweilt sein, wenn man dabei zum Beispiel auch an Symphonic Metal denkt. Und ja, dieser kleidet sich nur zu gerne mit solchen Federn wie „cinematic“. Das ermüdet natürlich, besonders wenn diese Bands weniger das Kopfkino anstrengen und viel mehr einen vagen Appeal anstreben, der sich dann mit einschlägigen Filmscores vergleichen lässt. Im Grunde machen H E X eigentlich auch wenig anders, aber WIE sie es machen, unterscheidet sie dann doch sehr von besagten Symphonic-Bands, mit denen man ja ganze Straßenzüge pflastern kann und deren cineastischer Appeal durch ihren schieren Überfluss komplett verwaschen ist. Und gerade dann tut ein Album wie das hier vorliegende, selbstbetitelte Full-Length-Debüt der Schweizer mehr als nur gut, nicht nur, weil sie sich aufgrund ihrer Instrumentierung und diszipinierten Limitierung deutlich dichter und kompromissloser präsentieren, sondern auch, weil sie ganz andere Assoziationen zulassen.

H E X und die Musik  im Zeichen des Kopfkinos

Statt vage den bekannten High-Fantasy-Epen nachzueifern, beschreibt die Band aus Genf hier eher einen Sci-Fi-Thriller, dem man gewisse Horror-Elemente nicht absprechen kann. Kurzum: Dieses Album ist extrem gut darin, im Hörer das Gefühl von Einsamkeit, Schwäche und Unbedeutsamkeit zu vermitteln. Und wenn H E X dann dazu mechanische Rhythmen unbarmherzig auf den Hörer einklopfen lassen, dann ist man mittendrin im Überlebenskampf der bekannten Sci-Fi-Klassiker aus den Achtzigern, der dank reichhaltiger Stimmungsarbeit von Gitarren und Synthesizer auch nichts an Größe und Eleganz missen lässt und mitunter sogar ein bisschen „Blade Runner“ zu zitieren weiß. Unterdessen halten punpende, angezerrte Riffs den Sound dennoch fest genug im Rock verankert, um ihm die nötige Erdigkeit und den Schlägen des Schlagzeuges ausreichend Gewicht zu verleihen. Dabei passen die maschinellen Rhythmen wunderbar in das auf Repetition ausgelegte Songwriting, um das sich die stimmungsvolle Melodiearbeit herum organisiert.

Der vertonte Sci-Fi-Thriller

Diese Musik muss man fühlen. Und das macht sie einem zum Glück richtig leicht, gerade dann, wenn der Sound an Intensität zulegt. Einen leichten Kritikpunkt findet man eigentlich nur, wenn man bei alledem die Farbe vermisst. H E X präsentieren sich nämlich weitestgehend als kompromisslose Schwarzmaler, die wenig Erhebendes bieten und deren Musik eher den Aufmarsch der Maschinen darstellt. Diese schickt den Hörer aber dafür umso gekonnter mitten in die Schlacht um die Zukunft der Menschheit. Die Band hält sich an ihre Restriktionen und serviert uns mit ihrem Debüt straffes, beängstigend effektives Sci-Fi-Kopfkino, das eher den Thrill, den Kampf zelebriert. Statt großem Bombast, zu dem man hoch zu Ross (wahlweise auch Drachen) in die Schlacht reiten möchte, bohren sich die hier gebotenen, düsteren Sounds in die Magengrube und lassen wenige Hoffnung aufkeimen. Wer cineastische Musik erleben möchte, die sich zur Abwechslung mal fernab der Klischees bewegt, ist hier also goldrichtig.

24.05.2018

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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