Ihsahn - Ihsahn

Review

Soundcheck Februar 2024# 1

Erst letztes Jahr haben wir wieder nach einer vollständigen neuen Platte von Ausnahmekünstler und Genre-Veteran IHSAHN geschrien. Die Forderung wurde mit dem neuen selbstbetitelten Werk nicht nur erhört, sondern direkt übererfüllt. “Ihsahn“ wird neben der Metal-Version nämlich auch als separate Orchester-Version veröffentlicht. Das allein lässt schon vermuten, in welche Richtung IHSAHN sich klanglich bewegt und zeigt wieder einmal die Unberechenbarkeit des Norwegers. Einfallslosigkeit ist ihm auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert der Kreativität definitiv nicht vorzuwerfen.

Die Elemente auf “Ihsahn“ sind wie Öl und Wasser

Im Laufe der Jahre hat IHSAHN Streifzüge durch diverse Genres und Stile gemacht und findet trotzdem noch Bereiche, die es zu erkunden gilt. “Ihsahn“ will höher und weiter und ist voller cineastischer Melodien und Bombast. Das wird direkt mit dem Album-Intro “Cervus Venator“ deutlich, das sich langsam aufbaut und auch als Filmmusik für das nächste große Fantasy-Epos herhalten könnte.

Ab “The Promethean Spark“ kommen IHSAHNs typische Vocals dazu. Das heißt allerdings nicht, dass das Instrumental dadurch weniger intensiv oder raumgreifend wäre. Dadurch kommt es direkt zu Beginn des Albums zu Überstimulation und Reizüberflutung. Spannende Streicher, kalte Screams und melodischer Klargesang im Chorus buhlen um die Aufmerksamkeit des Hörers, der sich in der Folge verloren auf weiter See fühlt und von den verschiedenen (Klang-)Wellen hilflos hin und her gespült wird.

Auch der Instrumentaleinspieler in der Mitte des Albums “Anima Extraneae“, der sehr sanft und disneyhaft klingt, schafft es nicht ganz, die bisherigen Eindrücke wieder zu neutralisieren, leitet dafür aber zum Song “Blood Trails To Love“ und somit zum etwas eingängigeren Teil des Albums über. Nach einigen Durchläufen rücken Instrumental und Vocals zwar langsam immer näher zusammen, aber IHSAHN schenkt dem Hörer nichts und lässt ihn für den Einstieg in sein Album hart arbeiten.

Höher, weiter, IHSAHN

Dafür lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass “Ihsahn“ ein beeindruckendes und anspruchsvolles Werk ist. Das ist vor allem auf der Orchester-Version zu bemerken, auf der die Instrumente und Melodien nicht mit IHSAHNs Vocals um Aufmerksamkeit konkurrieren müssen und die Geschichte des Albums so noch eindrucksvoller und klarer erzählen können als es auf der Metal-Version der Platte gelingt.

Mit “Ihsahn“ zeigt der gleichnamige Künstler, dass er noch lange nicht satt ist. Das selbstbetitelte Werk ist eine beeindruckende Platte, die durchaus einen Pay Off bietet, sobald der Hörer einen Zugang dazu gefunden hat. Vielleicht war die Vision aber noch etwas zu groß für den Künstler, oder die Ohren des Publikums noch nicht entwickelt genug, als dass “Ihsahn“ eine uneingeschränkt angenehme Erfahrung bieten würde. Man hört zweifelsfrei die Arbeit, die IHSAHN in sein Werk gesteckt hat. Es anzuhören fühlt sich dafür aber auch mehr nach Arbeit als nach Leichtigkeit an.

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09.02.2024

"Es ist gut, aber es gefällt mir nicht." - Johann Wolfgang von Goethe

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2 Kommentare zu Ihsahn - Ihsahn

  1. Watu sagt:

    Ich finde das, was ich bisher gehört habe auch sehr anstrengend. Das Ihsahn seine Werke mittlerweile extrem „verkopft“ angeht, ist denke ich offensichtlich. Der Meister seines Fachs legt zur sehr Wert darauf, Meister seines Fachs zu sein. Wenn ihm das Spaß macht, ist das in Ordnung, es stellt sich nur die Frage, ob die Hörer da immer mitgehen und auch ihren Spaß daran haben. Aber mal sehen, wie sich das ganze Album dann gibt.
    Dass er BM technisch die maximale Ausbeute erreicht sieht, hat er ja kürzlich erst erwähnt: „mit Nostalgie kann man nicht wetteifern“. Traurig und wahr zugleich. Zeigt aber ebenso, welche Grenzen sich auch ein Meister seines Fachs eingestehen muss und was dem BM verloren gegangen ist.

  2. nili68 sagt:

    Ist mir zu viel Orchester-Gedöns bei. Manchmal störts mich weniger (obwohl ich generell kein Fan davon bin) und manchmal mehr. Hier mehr. Lenkt mich von dem eigentlichen Song ab, bzw. kleistert ihn zu. Das Songwriting muss bestechen, nicht Sound-Overkill.