Marillion - F E A R (Fuck Everyone And Run)

Review

Galerie mit 8 Bildern: Marillion - Marillion + Saga In Concert 2011

MARILLION kehren mit „F E A R (Fuck Everyone And Run)“ nach „Sounds That Can’t Be Made“ zurück. Das Album besteht im Grunde aus fünf neuen Songs, die längeren Stücke „El Dorado“, „The Leavers“ und „The New Kings“ wurden aber in mehrere Tracks unterteilt. Dazu gleich mehr.

MARILLION rennen weg – aber wovon?

Reden wir mal nicht lange drum herum: MARILLION haben hier ein typisches Album vorgelegt. Es enthält die gewohnten, elegischen Momente ebenso wie getragene Klavier-Passagen. Aber auch Momente der Euphorie sind enthalten, nicht zu viele allerdings.

Ob man als Hörer mit diesem Album glücklich wird, hängt ganz davon ab, wie man zu langen, vor sich hin mäandernden Passagen steht. Denn genau das macht „F E A R (Fuck Everyone And Run)“ zu einem Großteil seiner Spielzeit. Das bedeutet nicht, das MARILLION hier nicht eine Menge Herzblut hineingesteckt haben. Es gibt genug Passagen, die den (geduldigen) Hörer emotional zu packen vermögen. Aber es gibt eben auch mindestens genau so viele Momente, in denen der (nicht ganz so geduldige) Hörer von Langeweile nur so hinweggespült wird. Und das stört den Hörfluss einfach empfindlich.

Damit hat auch die Länge der oben erwähnten, überlangen Songs zu tun. Das Aufteilen dieser in mehrere Tracks hilft hier leider auch nicht viel, eher lässt es die Stücke noch fragmentarischer wirken. Hätte man nicht die Titelliste vor Augen, wüsste man nicht, wann die Longtracks aufhören und die Intermissionstracks beginnen.

Das ist extrem schade, denn das Album hat seine richtig starken Momente. So ist „Living In Fear“ der vielleicht (für MARILLION-Verhältnisse jedenfalls) explosivste Song des Albums. „Wake Up In Music“ punktet mit schön perlenden, sirrenden Synthesizern.

Durchwachsenes Hörvergnügen

Natürlich gibt es weit mehr zu entdecken, aber strukturell fühlt sich das Album einfach so zerfahren an. Da hilft auch nicht, dass die rockigeren Momente fast schon etwas zu subtil sind. Vergleicht man diese beispielsweise mit den entsprechenden Momenten der schottischen Kollegen PALLAS, sticht das von letzteren gebotene, vergleichsweise reine Hörvergnügen die hier vorhandene Zurückhaltung um Längen aus. Im Titeltrack erinnern MARILLION gar frappierend an PALLAS‘ „Harvest Moon“ von „wearewhoweare„, verlieren im direkten Vergleich allerdings.

Hier wäre einfach deutlich mehr drin gewesen. Dafür hätten die Briten ihr Songmaterial konziser gestalten müssen. So bleibt „F E A R (Fuck Everyone And Run)“ ein immerhin gutes Album, das Fans definitiv glücklich machen wird. Aber – wie schon erwähnt – ist das ein Album, das einiges an Geduld erfordert. Wer diese nicht aufbringen kann oder möchte, sollte einen Bogen hierum machen.

26.09.2016

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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2 Kommentare zu Marillion - F E A R (Fuck Everyone And Run)

  1. Freund guter Musik sagt:

    Meisterwerk!
    An Marillion haben sich schon immer die Geister geschieden. Dabei lohnt eine differenzierte Betrachtung. Dies allein schon deshalb weil sich die Band im Gegensatz zu anderen Veteranen immer wieder neu erfunden hat. Nicht alles war gut. FEAR ist aber die Vollendung eines Weges, der bereits auf den letzten beiden Alben begann. Herausgekommen ist ein reifes Spätwerk, das zu den besten Alben der langen Schaffensgeschichte gehört – vielleicht sogar das beste ist. Bleibt zu wünschen, dass es nicht den alten Klischees zum Opfer fällt, sondern den verdienten Zuspruch erfährt. Top10-Einstiege in den Charts sind schon mal ein guter Anfang, auch wenn der Band Massentauglichkeit nie am Herzen lag. Und allein das macht die Band im Gegensatz zu so viel anderen vergänglichen Mode-Erscheinungen so liebens- und hörenswert.

    10/10
    1. Hugo sagt:

      Die Sichtweise liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Ich zB finde, dass Marillion seit vielen vielen vielen Jahren irgendwie stagnieren. Sie versuchen krampfhaft (minimal) neue Einflüsse zu verwenden, benutzen aber letztendlich immer wieder dieselben ausgeleierten Rhythmen und Ideen. Diese langsamen, schlurfenden Beats von Mosley kann ich nicht mehr hören, die sind spätestens seit Marbles endlos erschöpft. Aber wie gesagt, ist immer Ansichtssache.

      Was ich viel spannender finde ist, warum ich diese Band immer noch so sympathisch finde, obwohl sie mich schon sehr lange nicht mehr (mit neuer Musik) begeistern kann…
      Geht das anderen ähnlich?