Megadeth - Megadeth

Review

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MEGADETH haben es über eine Videobotschaft ihres Maskottchens Vic Rattlehead angekündigt: Das selbstbetitelte 17. Album wird ihr letztes sein. Frontmann Dave Mustaine macht Schluss und trägt die Band langsam zu Grabe – auf dem Höhepunkt der Karriere, wie er sagt. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, ist er mittlerweile tatsächlich in einem Alter, wo man sich übers Aufhören Gedanken machen kann, gerade nach den Vorerkrankungen und Verletzungen, die ja zwischenzeitlich eh ein Weitermachen zweifelhaft erscheinen ließen.

Jetzt kümmert sich der rotgelockte Frontmann mit seiner Band also um einen runden Abschluss der Karriere, einen Abschied, an den man sich gern erinnert. Dabei liegt die Messlatte ziemlich hoch, denn die letzten beiden Alben „Dystopia“ und „The Sick, The Dying… And The Dead!“ klangen ziemlich düster und vehement und konnten nicht nur uns in der Redaktion überzeugen. Dass ein Album mit dem Titel „Megadeth“ selbstreferentiell sein würde, ist klar; dass es damit eine andere Herangehensweise aufzeigen würde, auch. Schließlich gilt es, musikalisch alle Phasen der Band irgendwie zu würdigen.

Runder Abschluss der Karriere

Aber auch inhaltlich schließt das Album den Kreis. Da verkündet der Frontmann, dass er seit seiner Geburt eine Gitarre in der Hand hält, dass er zum Töten gemacht wurde und Krieg verkörpert; er hat auch schlechte Tage und hält Zwiesprache mit Gott, während ihm der eine oder andere Mensch gepflegt am Allerwertesten vorbei geht; jetzt wiederum hat er seinen Kipppunkt erreicht und stimmt die letzte Note an. Soweit der Kurzdurchlauf. Doch lassen wir noch einmal die ganze Pracht des Albums entfalten:

„Megadeth“ beginnt mit dem bereits vorab als Single veröffentlichten “Tipping Point”. Dass dabei erst einmal verschiedene Riffs angespielt und drei Soli vorangeschoben werden, bevor die eigentliche Strophe beginnt, kennt man ja von den frühen Alben und ist kein Makel. Im Gegenteil: Der Song besticht durch das schreddernde Riffing und seine Eingängigkeit und dürfte live gesetzt sein. Weiter geht’s mit einer weiteren Single, die nicht bei jedem gut angekommen ist, denn „Don’t Care“ ist schnell, direkt und punkig, dadurch vielleicht auch ein bisschen eindimensional. Ins Ohr geht der Song aber trotzdem. Wenn Dave Mustaine übrigens über den Text sagt, dass dieser ganz generell gehalten sei, überkommt einen doch das Gefühl, dass er beim Verfassen eine ganz spezielle Person im Sinn hatte. Schließlich hatte er dereinst „Liar“ ja auch einem ehemaligen Gitarristen gewidmet.

MEGADETH schreiten die eigenen Pfade noch einmal ab

Weiter geht es mit einem bunten Stilpotpourri, wobei MEGADETH keine neuen Pfade einschlagen, sondern die eigenen noch einmal abschreiten: „Hey God“ erinnert mit seinem einfacheren Midtempo-Riffing an die Phase nach „Countdown To Extinction“, während „Let There Be Shred“ seinem Namen alle Ehre macht und vielleicht in der Frühphase verortet werden kann. In „Puppet Parade“ wechselt die Band aber wieder ins Midtempo, und der sehr direkte, erzählende Sprechgesang von Dave Mustaine verweist eher in die mittlere Bandphase, ebenso wenn er im Refrain zum Singen ansetzt. Also zum richtigen Singen, mit Melodie.

„Another Bad Day“ ist ein vergleichsweise rockiger Song, der seinem Titel alle Ehre macht und zwischen melancholisch und sarkastisch-spöttisch pendelt. Das Gitarrensolo ist so farbig wie einst zu Marty Friedman-Zeiten. „Made To Kill“ erinnert mit seinem Drum-only-Intro an „Rust In Peace … Polaris” und damit an Zeiten, wo sich MEGADETH zwischen Battle-Tech und Nuklearschlag verorteten. Dagegen startet “Obey The Call” mit gezupften Gitarren, bis ein düster-grollendes Midtemporiff ertönt. „I Am War“ ähnelt wiederum in der aufgebauten Stimmung einem „Hangar 18“, ist aber wesentlich luftiger und rockiger gespielt.

Ending on a high note

Bleibt als Abschluss noch „The Last Note“, das mehr noch als die vorangegangenen Songs selbstreferentiell ist und die Karriere von Dave Mustaine textlich und musikalisch abrundet. Und irgendwie will man seinen Hut ziehen vor der Machart – wenn nämlich Dave Mustaine zu gezupften Gitarren mit staubtrockener Marlboro-Stimme seine letzten Zeilen vorträgt:

„So here’s my last will, my final testament, my sneer / I came, I ruled, now I disappear“.

Bei einigen Versionen von „Megadeth“ ist damit aber immer noch nicht Schluss: MEGADETH haben als Bonus den METALLICA-Klassiker „Ride The Lightning“ neu aufgenommen, den Dave Mustaine einst mitgeschrieben hat. Und damit schließt sich ein weiterer Kreis, denn, wir erinnern uns, auf dem Debütalbum „Killing Is My Business… And Business Is Good!“ gab es mit „Mechanix“ / „The Four Horsemen“ eine ähnliche Konstellation. Sollte man die Versionen von „Ride The Lightning“ aber vergleichen? Immerhin hat das Original über vierzig Jahre auf dem Buckel und würde auch von METALLICA heute komplett anders klingen – vom Sound über die Gesangsdarbietung bis hin zur instrumentalen Präzision. 1985 hätte ein Dave Mustaine andererseits sehr viel wütender geklungen. Insofern entspricht also die MEGADETH-Version dem aktuellen Stand der Dinge. Und das geht völlig in Ordnung.

MEGADETH machen METALLICA-Sachen

Und hier sind wir bei zwei Punkten, die bei MEGADETH fast schon Standard sind: Die instrumentale Darbietung ist erstklassig, wobei vor allem Drummer Dirk Verbeuren und Gitarrist Teemu Mäntysaari brillieren, wogegen James LoMenzo am Bass eher grundsolide agiert. Aber die technische Präzision und die gewitzten Gitarrensoli machen schon Spaß. Das andere ist die Produktion des Albums, wobei nicht nur der knackige Sound überzeugt, sondern auch die Produktion des Gesangs – ein paar Tricks hier, ein paar Dopplungen da, im Mittelpunkt steht aber immer das Ergebnis.

Und das überzeugt dann schon. Durch den Ansatz, noch einmal die komplette Karriere Revue passieren zu lassen, lässt sich „Megadeth“ schlecht mit den Klassikern vergleichen. Die Intensität und Innovation von „Rust In Peace“ und Co. bleiben unerreicht. Beim Songaufbau orientieren sich die Jungs zudem an den kürzeren, radiofreundlicheren Formaten. Dennoch macht „Megadeth“ über weite Strecken Spaß und hat mit „Tipping Point“, „Let There Be Shred“ und dem abschließenden „The Last Note“ einige starke Songs im Köcher. Somit verabschieden sich MEGADETH mit ihrem finalen Studioalbum mit einem positiven Eindruck und einem runden Abschluss.

Klassische siebeneinhalb Punkte, zu denen der Verfasser als Fan aus ganz alten Tagen noch einen halben Punkt addiert.

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23.01.2026

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2 Kommentare zu Megadeth - Megadeth

  1. OrkusObskurius sagt:

    Ein rundum gelungenes Album zum Abschied und nochmal eine akustische Rückschau durch die gesamte Bandgeschichte. Gefällt mir richtig gut! Dave gehört einfach mit zu den echten Originalen der 80er und ist immer noch so zornig wie eh und je. Das waren noch echte Typen, wie man sie heute im Metal leider nicht mehr so häufig anzutreffen vermag…

    9/10
  2. Sikk sagt:

    Ein sehr würdiges Finale für eine Band, dessen Spätwerk meiner Meinung nach zu den besten ihrer Generation zählt – da kann man auch über die ein oder andere kleine Schwäche hinwegsehen. Die beiden Vorgänger sind großartig, laufen bei mir nach wie vor in Dauerschleife. Das Abschlusswerk hat ebenfalls seine Highlights, wird aber in der zweiten Hälfte für meinen Geschmack etwas zu zahm und beliebig. Trotzdem: Wenn man so abtritt, hat man vieles richtig gemacht. Danke Dave für all die großen Momente. Rust in Peace! Vorher ist aber mindestens ein Live-Gig noch Pflichtprogramm. Ich freu mich drauf!

    8/10