Megadeth
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Interview

Interviews mit MEGADETH-Frontmann Dave Mustaine sind immer eine heikle Angelegenheit. Man weiß nie, wie es um die Stimmung des Megatod-Chefs gerade bestellt ist. Beim Interviewtermin mit metal.de zeigte sich Herr Mustaine aber gut gelaunt und plauderte mit uns nicht nur über das neue Album „Endgame“ und die neuen Mitglieder der Thrash-Institution, sondern auch über persönliche Gefühle und den neu erwachten Hunger im MEGADETH-Camp.

MegadethHallo Dave, wie geht es dir?

Danke, gut.

Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, standest du mit MEGADETH auf der Bühne des N.E.C. in Birmingham bei einem Konzert mit TESTAMENT und JUDAS PRIEST, wo man eine sehr gute und kraftvolle Band zu sehen bekam. Mittlerweile ist eure neue Platte “Endgame“ draußen, die MEGADETH-Fans begeistern wird. Wie bewertest du selbst das Album?

Oh, erst einmal danke für das Lob. Was das neue Album angeht, es ist ein Segen! Nach “Risk“ haben wir uns zusammen gesetzt und die Situation analysiert. Ich habe Marty (Friedman, langjähriger Gitarrist der Band-d.Verf.) gesagt, dass ich mit der Band wieder back to the roots gehen möchte. Ich mag “Risk“, es war eine gute Platte, aber eben nicht wirklich das, was MEGADETH-Fans von uns erwartet haben. Wir haben das alles bei „Cryptic Writings“ noch weiter vorangetrieben, hätten aber an diesem Punkt damit aufhören und einen Schritt zurück machen sollen. Ich glaube zwar nicht, dass wir dadurch stark von unserer Fan-Gemeinschaft gestraft wurden, weil wir mit “Risk“ so viel experimentiert hatten, aber wir wollten wieder weg davon. Marty hingegen wollte die eingeschlagene Richtung weiter gehen und weiße Hosen und solche Sachen auf der Bühne tragen.

Als wir “The World Needs A Hero“ heraus brachten, haben wir schon damit begonnen in eine andere Richtung zu gehen, aber es dauerte seine Zeit. Ich höre immer noch Leute Scheiße über mich und “Risk“ erzählen. Erwidern kann ich darauf nur immer wieder ‘Leute ich weiß, ich weiß, aber wir entwickeln uns doch weiter. Aber lasst uns auch die Chance dazu.’ Wenn diese Leute dann allerdings nicht aufhören an dir rumzunörgeln, kannst du irgendwann nur noch sagen ‘Stopp oder fuck you!‘. Ich denke, man kann nachvollziehen, dass die Schwelle bis zu der man freundlich ist immer niedriger wird, wenn man andauernd den Arsch voll kriegt. Das ist hart. Einige Leute hören dir gar nicht richtig zu, wenn du mit ihnen redest. Es können zum Beispiel zehn Leute nacheinander in dieses Zimmer kommen und meine Musik großartig finden. Aber wenn der elfte Typ rein kommt und sagt was ich mache findet er nicht gut, dann trifft mich das. Denn ich bin eben so erzogen worden und darauf gepolt, dass ich den Leuten das geben will was sie auch gerne mögen. Das liegt daran, dass in meiner Familie einige Sachen schief gelaufen sind und ich immer versucht habe, es allen recht zu machen. Du kannst es aber nicht immer allen recht machen.

Ich persönlich finde “Endgame“ ist eine Mischung aus “Rust In Peace“ und den beiden Nachfolgern “Countdown To Extinction“ und “Youthanasia“, da die Platte einerseits viele Melodien besitzt. Auf der anderen Seite stehen aber großartige Riffs und schwere Stücke wie auf der “Rust In Peace“. Beides wird auf “Endgame“ sehr gut kombiniert.

Vielen Dank. Da hast du wirklich einen sehr guten Punkt angesprochen. Man hatte schon seit vielen Jahren danach verlangt, aber wir konnten einfach nicht “Rust In Peace II“ machen. Das geht einfach nicht. Man kann versuchen in die Nähe zu kommen, aber kann schlichtweg nicht dieselbe Platte zweimal schreiben. Das ist wie zu versuchen am Strand zweimal in den eigenen Fußspuren zu gehen. Das haut nicht hin.

Als wir mit der neuen Platte angefangen haben, waren wir alle glücklich wieder ins Studio gehen zu dürfen, auch weil es zusammen mit Chris war, von dem ich weiß, dass er zum Beispiel sehr beliebt in Deutschland ist. Nach dem Endprodukt ist die Öffentlichkeit hier auf jeden Fall positiv überrascht von MEGADETH und ich glaube, dass die Fangemeinde hierzulande auf jeden Fall erleichtert sein wird. Ich bin der Meinung, dass es bei der Frage, ob der harte Kern des Metal-Publikums, der darauf brennt zu sehen was man neues macht, uns unterstützt oder nicht, vollends auf unsere Entscheidungen ankommt. Wir haben eben als Metal-Band weitergemacht und nicht jetzt plötzlich versucht als Alternative-Band daher zu kommen – was wir nun mal nicht sind. So werden wir weiter daran arbeiten, unsere früheren, leicht verwirrt zurückgelassenen Fans zurück und sicherlich einige neue dazu zu gewinnen. MEGADETH gibt es nun schon so lange, dass einige unsere Fans bereits ihre Kinder mit zu unseren Konzerten bringen. Ich kann mich an Situationen erinnern wo ich Vater und Sohn am liebsten auf einen Drink eingeladen hätte, weil ich das Ganze so cool fand.

Sieh’ es doch mal so: Du bist Journalist, wir sind Partner und versuchen gemeinsam an einer guten Story zu arbeiten, die wir mit den Fans teilen können. Wenn ich dich nicht mit Respekt behandle, bin ich im Arsch. Also werde ich versuchen dir ein gutes Interview zu geben. Ich weiß, dass ihr viele Leute mit eurem Webzine erreicht, deshalb freut es mich mit dir reden zu können.

Dann lass uns mal über die neue Scheibe und auch den neuen Gitarristen reden. Ich war sehr überrascht, als ich in Birmingham Chris Broderick an deiner Seite auf der Bühne gesehen habe. Wie ist er in die Band gekommen?

Woher kennst du ihn denn?

Von JAG PANZER.

Ah ja, natürlich.
Unser alter Gitarrist Glenn konnte die letzte Tour nicht mitspielen, weil er daheim bei Frau und Kindern bleiben musste. Das kam relativ plötzlich für uns, aber Glenn meinte sofort: Wenn du einen guten Gitarristen in der Band haben möchtest, nimm Chris Broderick. Das Gleiche sagte auch unser neuer Drummer Shawn Drover. Ich war zunächst skeptisch, weil ich niemanden in der Band haben wollte, der mehr auf sich selbst fokussiert ist, als auf die Band. Ich habe Chris dann zu Auditions eingeladen. Er kam zu mir nach Hause und wir spielten ein wenig Gitarre. Danach habe ich ihn gebeten, mir in meiner Garage beim Aufbau meiner Fitnessgeräte behilflich zu sein. Wir haben stundenlang an den Geräten geschraubt und uns dabei wirklich gut kennen gelernt. Es war das Beste was ich hätte machen können, denn wir haben uns während des Aufbaus lange unterhalten und zwar komplett außerhalb des Feldes Musik. Chris ist ein Bodybuilder und ich tauchte so in seine Welt ein, ohne es überhaupt zu wissen. Das war schon ziemlich cool. Aus dieser Situation heraus ist auch der erste Song “Dialectic Chaos“ entstanden. Ich hatte schon lange nicht mehr so einen Spaß beim Duellieren, haha.

Meiner Meinung nach, waren die letzten beiden MEGADETH-Alben schon wichtige Schritte in die richtige Richtung. Bei dem neuen Album wirkt ihr wieder aggressiver und hungriger, so wie eine Band, die gerade eben erst ihr Debütalbum aufgenommen hat.

Wir sind noch immer hungrig, da gebe ich dir Recht. Ich bin mir bewusst, dass ich die Position, die ich einmal inne hatte, durch falsche Entscheidungen verspielt habe. Deshalb möchte ich MEGADETH wieder dahin bringen, wo wir schon einmal waren. Ich denke, dass wir das auch schaffen können, wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen und das machen wir. Ich möchte die alten Fans zurück und neue hinzugewinnen. Das versuchen wir nicht nur mit dem neuen Album, sondern auch durch die Konzerte die wir spielen. Du solltest uns in unserem Dressing-Room kurz vor einer Show besuchen. Da siehst du dann Chris angestrengt üben, Sean sich warm trommeln oder mich, wie ich Gesangsübungen mache. Wir fiebern jedem einzelnen Konzert entgegen. Wir haben mittlerweile wieder Spaß auf und hinter der Bühne. Dann genehmigen wir uns nach der Show auch ein paar Drinks, natürlich alles in einem angemessenen Rahmen. Im Studio hat es sich genauso verhalten. Wir haben hart gearbeitet, aber trotzdem unseren Spaß gehabt. Ich denke, das hört man der Scheibe auch an.

Welches der Stücke ist denn dein Lieblingslied auf “Endgame“?

Mein Lieblingslied auf der neuen Platte? Soll ich dir mal erzählen, dass ich “The Hardest Part Of Letting Go“ für meine Frau geschrieben habe und sie den Song nicht mag? Das macht mich unglaublich traurig, weil es einer meiner Lieblingssongs von “Endgame“ ist. Seit siebzehn Jahren fragt sie mich, warum ich ihr nicht einmal ein Lied schreibe. Ich sage dann immer: ‘Hey, ich habe Songs für dich geschrieben, aber du hörst nicht genau hin.’ Sie bevorzugt eben andere Art von Musik. Ok, zurück zu “Endgame“. “44 Minutes“ ist ein großartiger Song. Oder auch “1,320“, der ein perfekter Radio-Song ist, wenn man die Stärken der neuen Scheibe auf einen Punkt bringen soll. Dann muss man natürlich auch noch “Head Crusher“, die erste Single nennen. Ebenfalls ein starker Song. Ich liebe die Energie, die diesen Stücken innewohnt. Der Titelsong, zum Beispiel, ist zu lang und zu heavy um ihn im Radio spielen zu können.

Wie wichtig sind dir die Texte auf der neuen Scheibe?

Sehr wichtig. Sie sind eine Charaktereigenschaft der Songs. Unsere Musik ist ernst und aggressiv, da kann ich keine Texte über Berge oder den Strand singen. Das sollen Leute wie Sheryl Crow machen. Da fällt mir eine lustige Geschichte ein. Wir waren mal…scheiße, du bist ja Journalist. Dann halte ich besser die Klappe.

Ach, ich hör’ dir gerne zu…Ich kann auch schweigen wie ein Grab.

Hahaha…nee. Oh, man. Da war ich jetzt aber wirklich kurz davor dir eine ziemlich peinliche Geschichte zu erzählen. Puh! Nächste Frage bitte.

Hmm…jetzt bin ich aber neugierig geworden.

Stell’ lieber die nächste Frage bitte…

Na gut. Du bist als Mensch bekannt, der mit offenen Augen durch die Welt geht und auch immer wieder Kritik an der Innen- und Außenpolitik der USA übt. Wie beurteilst du denn den Wechsel von Bush zu Obama?

Es gibt da diesen Song von THE WHO “We Won’t Get Fooled Again“ mit der Textzeile “Meet The New Boss, Same As The Old Boss“. So ist es in der Politik auch. Es ist doch immer so, dass die neue Regierung zuerst mit dem Finger auf die Verfehlungen der Alten zeigt. Ich gebe dir ein Bier aus, wenn du mir einen Regierungswechsel nennen kannst, bei dem die neue Regierung der alten gute Arbeit bescheinigt. Es kommt doch schon in der eigenen Partei selten genug vor, dass an dem Anderen ein gutes Haar gelassen wird. Immerhin ist es hier nicht so schlimm, wie in einigen asiatischen Parlamenten, wo sich die Parlamentarier die Köpfe während einer Sitzung einschlagen, hahaha.

Da hast du sicherlich Recht. Wie sieht es denn mit der Tour aus?

Wir haben als nächstes Shows hier in Amerika. Dann kommen Australien und die anderen Kontinente. Ich freue mich riesig auf die Tour, weil sie eine echte Herausforderung für uns sein wird. Wir haben mit “Endgame“ ein starkes Album aufgenommen, aber wir wollen den Leuten zeigen, dass wir es live auch noch drauf haben.

Gutes Schlusswort. Dann danke ich dir für das Interview und wünsche dir und MEGADETH alles Gute für die Zukunft, Dave.

Danke, dir auch.

Galerie mit 16 Bildern: Megadeth - Matapaloz Festival 2018
11.09.2009

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