Megadeth
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Interview

Die wiedererstarkten MEGADETH befinden sich derzeit mit Ihrem aktuellen Album "The System Has Failed" auf Ihrer "Blackmail The Universe Tour" durch verschiedene Staaten. Da sie auch am 06.06.05 in Stuttgart halt machten, nahm ich die Gelegenheit wahr, das Konzert zu besuchen und um ein Interview zu bitten. Das Gespräch überließ ich meinem guten Freund Thomas Pfänder, da es für Ihn ein langer Wunschtraum war, den Mainman Dave Mustaine kennen zu lernen. Also fanden wir uns im Backstageraum von MEGADETH ein, um mit unserem gut gelaunten Jugendidol Dave Mustaine zusammen zu treffen.

MegadethThomas: Als erstes würde es mich interessieren, wie Eure Tour bisher verlief und wie es ist, wieder auf Tour zu sein?

Dave: Bad first question (grinst)! Das ist immer die erste und gleiche Frage, die ich von jedem gestellt bekomme. Die Tour läuft prima. Ich kann ja nicht antworten, dass die Tour Scheisse ist, hahaha!

Thomas: Ich hörte, dass Du das Kapitel MEGADETH hinter Dir lassen möchtest. Stimmt das bzw. wie sieht die Zukunft von Dave Mustaine und MEGADETH aus?

Dave: Well, als ich in den Vorbereitungen für das Album „The System Has Failed“ steckte, war dieses als Solo-Album geplant. Während den Arbeiten hierzu fand ich heraus, dass ich eine weitere MEGADETH Veröffentlichung aus vertraglichen Gründen schuldig bin. Daher erschien die CD unter dem MEGADETH Banner. Diese erhielt durch die Bank gute Reviews und eine Tour wurde geplant. Der Gedanke war, nach dieser Tour auf Solo-Pfaden weiter zu machen und das Kapitel MEGADETH zu Grabe zu tragen. Ich wollte kein Geschwätz mehr von ehemaligen Bandmitgliedern hören wie „dieser Part ist von mir, und das ist von mir…“! Die Wahrheit ist, als ich die Tour startete, waren meine Gefühle anders gelagert als sie es jetzt sind. Zu Beginn der Tour kannte ich die neuen Mitmusiker noch nicht. Während der Proben und auf Tour lernten wir uns besser kennen, kamen uns auf menschlicher Ebene näher und haben jetzt einfach eine gute Zeit miteinander, das Feeling stimmt. Dies ist etwas, was ich schon eine ganze Zeit lang bei vorherigen Musikern vermisste. Ich hätte schon früher Veränderungen im Bandgefüge vornehmen sollen, aber ich denke, dass ich davor Angst hatte. Ich habe Angst davor, mich von jemandem zu verabschieden. Es gab Leute in der Band, die Dinge taten die nicht gut für die Band waren, und so bewegten wir uns in zwei verschiedene Richtungen gleichzeitig. Mit den neuen Musikern klappt es ganz ordentlich. Heute beim Soundcheck haben wir bereits ein wenig an einer neuen Idee von mir für das nächste Album gearbeitet. Das Zusammenspiel hat mir sehr gut gefallen. Ich weiß, sollte es mit MEGADETH weiter gehen, möchte ich genau mit diesen Jungs spielen.

Thomas: Kannst Du uns etwas mehr über die neuen Mitstreiter an Deiner Seite erzählen? Was für einen musikalischen Background haben diese?

Dave: Sie spielten zuvor in nicht so großen Bands wie MEGADETH eine ist. James (Bass) kam von ICED EARTH, Glen (Gitarre) spielte schon bei KING DIAMOND mit, aber er war da nur einer der Gitarristen, ich meine, der King hatte schon bei weitem mehr Musiker in seiner Band als ich es jemals hatte, und das waren schon viele, hahaha! Shawn (Schlagzeug) hat zum ersten Mal in seiner Karriere auf einem großen Festival gespielt (Anmerkung des Verfassers: MEGADETH spielten wenige Tage zuvor auf dem Waldrock Festival in Holland). Es war für Ihn sehr aufregend vor so vielen Menschen zu spielen. Für mich stellt dies mittlerweile keinen Unterschied mehr dar, ich gebe immer 100 Prozent, egal ob ich auf einem großen Festival oder in einer eher kleineren Konzerthalle wie dieser hier spiele. Auch wenn hier weniger Menschen im Publikum stehen, diese wollen trotzdem eine erstklassige Performance. Die Leute, die heute gekommen sind, werden nach unserem Auftritt über uns reden und sich austauschen. Du musst immer hart spielen und alles geben!

Thomas: Hast Du irgendwelche Reaktionen von Fan-Seite in Bezug auf METALLICA’s „Some Kind Of Monster“ mitbekommen?

Dave: (Mit ernster Miene) Wie die Reaktionen waren? Keine Ahnung!

Thomas: Was ist Dave Mustaine für eine Person, wenn er nicht der Frontmann von MEGADETH ist?

Dave: You tell me, you are sitting in front of me! Das ist, was ich bin! Die Leute denken, daß ich früher ein anderer Mensch war als ich jetzt bin. Dem ist aber nicht so! Einiges ist noch da, die Wut, die Motivation Live zu spielen und Fuck like that! Mit dem Alter wirst Du aber auch weißer. Es war und ist nie meine Art gewesen, Türen einzutreten oder etwas aus dem geschlossenen Fenster zu werfen. Nur einmal zerstörte ich eine Toilette, der Deckel war so verschmutzt, dass ich diesen mit dem Fuß anheben wollte (er macht es vor)! Die Toilette brach plötzlich auseinander und alles stand unter Wasser. Im selben Augenblick hat Jeff Young (Gitarrist auf dem Album „So Far, So Good, So What?“) Fans mit kochend heißem Wasser von oben aus dem Fenster begossen und einer der anderen schmiss einen Stuhl aus dem Fenster. Und ich stand da als der Kerl, der mit dem ganzen angefangen hat, da ich ja die Toilette zerstörte. Das ist aber nicht, was ich bin. Ich hab niemals Fernseher aus Fenstern geworfen. Oder diese Art von Geschichten wie man von Axl Rose von GUNS’N’ROSES hört, so bin ich nicht! Du musst Dich nicht wie ein „Bad Ass“ aufführen. Leute, die sich wie eines verhalten, sind nicht zwangsläufig auch eines.

Thomas: Hast Du noch weitere Interessen neben der Musik, wie z. B. Kunst oder Bücher?

Dave: Kunst und Bücher? Ähm, nicht wirklich. Also wenn Du Bilder oder ähnliches meinst, eher weniger. Ich erkenne allerdings den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Bild. Gestern lief ich durch den Hotelflur und betrachtete ein dort hängendes Bild, welches für EUR 500,00 zum Verkauf stand. Es sah aus, als ob ein Gestörter dieses gezeichnet hätte. Das ist Scheiße! Wie zum Teufel kann man ein solches Bild für EUR 500,00 ins Hotel hängen? Es war schrecklich! Ich könnte ein besseres zeichnen, obwohl ich mich mit so etwas nicht wirklich befasse! Ich bin kein Sammler aber erkenne doch die Unterschiede. Ich lese viele Bücher, auch derzeit während der Tour.

Thomas: Wie hat sich Dein Musikgeschmack über die Jahre hinweg verändert? Gibt es für Dich irgendwelche herausragende Bands?

Dave: Am Anfang meiner Karriere, als ich noch ein Kid war, hörte ich die Musik meiner Idole auf andere Art und Weise. Bis zum heutigen Zeitpunkt habe ich viele meiner damaligen Idole kennen gelernt und sogar mit einigen Freundschaften geschlossen. Dadurch hat sich mein Blickwinkel auf deren Musik verändert. Ich liebe immer noch die Musik, doch gleichzeitig denke ich beim Hören auch an die jeweiligen Personen. Es gibt Bekanntschaften wie z. B. Jimmy Page und AC/DC. Ich fand es überraschend, Jimmy Page auf einer Award-Show in England zu treffen und holy shit, er wusste wer ich bin und was ich mache. Und das hat für mich auch vieles verändert. Auf Tour mit AC/DC zu gehen und mit Angus und Malcolm Young zu reden war ein großes Erlebnis. Malcolm war einer meiner Lieblings-Gitarristen. In den Achtzigern waren ich und James Hetfield die besten Rhythmus-Gitarristen in den USA, weltweit gab es mit uns beiden nur noch Malcolm Young. Es gab niemanden, der so exakt den Rhythmus wie wir halten konnte. Es klang bei anderen vielleicht immer gut, aber wenn man die Gitarrenspur isoliert anhörte, merkte man den Unterschied (spielt Luftgitarre und führt summend die Fehler anderer Gitarristen vor).

Vieles hat sich im Laufe der Jahre in Amerka für die Heavy Metal Acts verändert. Wenn Du Deine Familie ernähren willst, musst Du entsprechende Entscheidungen fällen. „Möchte ich weiter Musik spielen und gleichzeitig einem Nebenjob nachgehen? – No!“ „Möchte ich weiterhin nur Musik spielen? – Yeah!“ Das sind solche Entscheidungen, die auch wir treffen mussten. Eine weitere Band meiner Jugendzeit waren die MENTORS, welche Ihr wohl nicht kennen werdet. Ein Song dieser Band handelt von einem Mädchen, das mit zwei Kerlen gleichzeitig Sex hat (Dave singt uns Liedtexte vor). Solche Texte fand ich damals als Kid cool. Heutzutage kann mich so etwas nicht mehr so sehr begeistern.

Thomas: Kannst Du Dir vorstellen, auch Musik außerhalb der Metal-Bereiches zu spielen?

Dave: Ich denke nicht! Das Album „Risk“ war das wohl am meisten vom MEGADETH-Stil entfernte Album. Es beinhaltet für sich selbst betrachtet tolle Musik, aber es war nicht das, was die Fans erwarteten. Hätten wir es nicht unter dem MEGADETH Banner veröffentlicht, wären die Verkaufszahlen wahrscheinlich besser gewesen. Fans, die ein klassisches MEGADETH Album erwartet hatten, waren enttäuscht. Andererseits wurde das Album nicht von Fans dieser Musikrichtung gekauft, da der Name MEGADETH auf dem Titel prangte. Aus diesem Grund habe ich das Album „Risk“ genannt, denn genau das war auch die Veröffentlichung für mich, ein Risiko. Ich hätte es auch „Stupid“ nennen können, hahaha!

Thomas: Wenn Du Musik schreibst, stammt es eher aus dem Herzen oder aus dem Kopf?

Dave: Aus dem Herzen!

Thomas: Wie gehst Du vor beim Songwriting? Setzt Du dich hin und sagst: „So, jetzt schreibe ich einen Song!“, oder wie dürfen wir uns das vorstellen?

Dave: Es kommt einfach so. Manchmal schreibe ich nur kleine Fragmente, manchmal ganze Songs. Teils steht am Anfang die Musik, teils die Lyrics, manchmal beides gleichzeitig. Zum Beispiel schrieb ich „In My Darkest Hour“ komplett an einem Tag. Das war an dem Tag, an welchem ich erfuhr, dass Cliff Burton (ehemaliger METALLICA-Bassist) ums Leben gekommen war.

Thomas: Kannst Du uns etwas über Dein Equipment erzählen? Wie stellt sich dieses zusammen?

Dave: Das Herz der Anlage stellt das Rocktron Prophecy dar und ein Marshall 100 Watt Amp, welchen ich für cleane und chrunchy Sounds verwende. Dazu noch die Signature ESP Gitarre. Manchmal spiele ich mit Sender, manchmal mit Kabel. Es kommt auf die jeweiligen Länder an, wegen der Frequenzen usw.

Thomas: Mir ist bei Eurem Konzert in München aufgefallen, dass Du keine Fußschalter verwendest. Dein Gitarrensound ändert sich wie von Geisterhand, erledigt diesen Job ein Roadie hinter der Bühne für Dich?

Dave: Der Gitarrentechniker kümmert sich darum. Heutzutage ist dies ein sehr spezieller Job! Mein Gitarrentechniker und ich sind ein sehr gut eingespieltes Team, er macht einen guten Job. Es ist gut, einen Gitarrentechniker zu haben, Du musst Dich um nichts mehr kümmern. Roadies hingegen bauen alles auf, reichen Dir die Gitarre und besorgen die Frauen für die Aftershow Party (verzieht das Gesicht).

Thomas: Übst Du täglich Gitarre oder nimmst Du Dein Instrument eher selten in die Hand?

Dave: Ich übe nicht viel und ich weiß auch nicht, was ich da so genau spiele! Die Tour läuft seit einigen Tagen, und ich habe gerade mal vier Stunden geübt. Ich spiele meist nur fünf bis zehn Minuten im Tourbus.

Thomas: Wärmst Du Dich vor den Auftritten auf?

Dave: Nein, nicht wirklich. Ich weiß, dass ich es sollte, aber ich tue es nicht! Wenn ich beispielsweise ein Solo einspielen soll, lege ich einfach los, ohne weiter darüber nachzudenken. Der erste Take gibt dann meistens schon die Richtung an. Spätestens mit dem dritten Take ist es im Kasten. Das Solo von „Holy Wars“ zum Beispiel habe ich komplett in einem Take eingespielt.

Thomas: Als letztes eine sehr persönliche Frage. Wie hast Du zu Gott gefunden?

Dave: (Zögerlich) Das ist wirklich eine sehr persönliche Frage. Viele Eurer Leser wird das nicht interessieren. (Er überlegt einige Zeit) Die Kurzform: Es kam dazu, als ich realisierte, dass meine Karriere dem Anschein nach am Ende war, meine Familie mich verlassen wollte, ich die Band hasste, und die anderen mich hassten, da sie wussten, dass ich sie hasse. Ich wollte sterben, da es nichts gutes mehr in meinem Leben gab. In dieser Situation fand ich zu Gott.

Thomas und Endres: Vielen Dank für das freundliche Interview!

Dave: You are welcome!

Galerie mit 16 Bildern: Megadeth - Matapaloz Festival 2018
09.06.2005

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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