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Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.



Am kommenden Freitag veröffentlichen METAL CHURCH ihre neue Platte „Dead To Rights“. Gelegenheit für uns auf die erste Reunion 1998 zu blicken. Dieses Thema taucht in der langen Geschichte der Band mehrfach auf. Im Juli 1999 kommt „Masterpeace“ auf den Markt, nachdem sich METAL CHURCH 1998 neu aufstellten, anfänglich sogar exakt in der Besetzung vom Debüt und „The Dark“. Beim Release von „Masterpeace“ war bereits eine Veränderung notwendig. John Marshall übernimmt die Gitarre von Craig Wells. Das 1999er Ergebnis bekommt einen Nickname. Ist „Masterpeace“ ein Disasterpeace?
1999 folgt das Album zur METAL-CHURCH-Reunion
Reunion und Album – das klingt, als wären bei METAL CHURCH Ende des vergangenen Jahrtausends alles in Butter. Doch davon sind Kurdt Vanderhoof und seine Mitstreiter weit entfernt. Neben Gitarrist Craig Wells ist auch Drummer Kirk Arrington gesundheitlich kaum in der Lage die Aufnahmen einzuspielen, sodass Jeff Wade neben den Live-Aktivitäten als freundlicher Geist auch große Teile der LP einspielt. Das sechste Studioalbum steht alles andere als unter einem guten Stern.
Aber das sind noch immer nicht alle METAL-CHURCH-Desaster zum neuen Album. Sänger David Wayne war bereits beim Auftritt auf dem Wacken Open Air 1998 ein Schwachpunkt. Er leidet unter den Folgen seiner Alkoholsucht. Seine Stimme ist nicht mehr vergleichbar zu „The Dark“ aus dem Jahr 1986. So bleibt das Cover Artwork mit der kreuzförmigen Gibson, was sich als Referenz zum Debüt anbietet.
Bereits der erste Track „Sleeps With Thunder“ offenbart die gesangliche Problematik. Waynes Stimme fehlt der Druck, sodass zwar instrumental alles im grünen Bereich ist, die Vocals aber für ein Stirnrunzeln im Vergleich zum bisherigen Material von METAL CHURCH sorgen.
Bei „Falldown“ kommt Wayne mit technischer Unterstützung etwas besser rüber. Es gibt aber nicht mehr als einen Standard-Metaller, dem die Aggressivität vergangener Tage verloren geht. Auch das eher rockige „Into Dust“ und die Power-Ballade „Kiss For The Dead“ können nicht an die Großtaten anknüpfen. Gerade „Kiss For The Dead“ wirkt wie ein billiger Abklatsch von „Watch The Children Pray“.
„Lb. Of Cure“ bringt Schwung
Tatsächlich bringt „Lb. Of Cure“ Schwung in die Chose und setzt ein echtes Ausrufzeichen. Auch „Faster Than Life“ klingt deutlich mehr nach METAL CHURCH, wobei der Schwachpunkt am Mikrofon bleibt. Dass wirft die Frage auf, wie Mike Howe die Stücke interpretieren würde. Ein instrumentales Interlude eröffnet für „All Your Sorrows“, womit sich METAL CHURCH in Richtung einer progressiven Spielwiese bewegen.
Ankommen tut die Band aber erst mit dem nachfolgenden „They Signed In Blood“, dass nicht nur mit seiner Laufzeit von mehr als sieben Minuten hervorsticht. Progressiver US-Power-Metal kommt zum Vorschein, der die instrumentalen Möglichkeiten von Vanderhoof und Co. zeigt. Wie würde das Stück klingen, wenn zum Beispiel Midnight von CRIMSON GLORY das Mikro in der Hand hätte?
Das passable AEROSMITH-Cover „Toys In The Attic“ leitet den Schlussakkord ein. „Sand Kings“ tönt ordentlich aus den Boxen und macht einen versöhnlichen Strich unter das Reunion-Album „Masterpeace“.
Ist „Masterpeace“ gleich Disasterpeace oder sogar ein Disaster Piece?
Für diese Einordnung ist der O-Ton von Bandchef Vanderhoof interessant. Gemäß seinen Aussagen sorgte der Druck des Labels dafür, dass METAL CHURCH mit David Wayne und Kirk Arrington die Platte aufnahm. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den schwachen Live-Gig auf dem Wacken Open Air. Aus seiner Sicht waren die Aufnahmen schrecklich und das Konstrukt METAL CHURCH funktionierte nicht. Er hätte „Masterpeace“ gerne Disasterpeace genannt.
Rückblickend sind die Aussagen von Vanderhoof sehr hart, aber in Teilen durchaus zutreffend und nachvollziehbar. Vor allem die A-Seite ist enttäuschend und leidet vor allem unter der schwachen Gesangsperformance. Der hinter Teil mit Tracks wie „Lb. Of Cure“ und „Faster Than Life“ klingt deutlich mehr nach METAL CHURCH. Es gelingt aber in keiner Phase an die drei Vorgängerplatten mit Mike Howe anzuknüpfen. Trotzdem ist „Masterpeace“ kein Disaster Piece, aber eine der schwächeren Platten in der Diskografie von METAL CHURCH.

Metal Church - Masterpeace
Jürgen Fenske
Metal Church - Masterpeace



























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