Oomph! - XXV

Review

Galerie mit 19 Bildern: Oomph! - Ritual Tour 2019

„XXV“ – Ein elektr(on)isches Mahnmal in Form von altrömischen Ziffern ziert das Cover und liefert, gespickt mit Bild und Ton, den unverkennbaren Beweis der unheiligen Silberhochzeit und seit 25 andauernden Verbindung Deros, Craps und Flux‘, besser bekannt als OOMPH!. Zwar ist die letzte Siegertreppchen-Chartplatzierung mit „Wahrheit Oder Pflicht“ nun auch schon neun Jahre her, aber mit der zwölften Veröffentlichung kann sich der Dreier aus Braunschweig durchaus auf die Schultern klopfen – das muss man ihnen erst mal nachmachen.

Natürlich sollte man zu solch einem Jubiläum auch einen ordentlichen Happen vorlegen, und es sei vorab positiv vermerkt, dass für die Fans kein liebloses Best-Of zusammengeschustert, sondern 14 neue Songs eingespielt wurden. Ob der „Aufwand“ lohnt und sich somit als Pluspunkt herausstellt? Von musikalischen Präferenzen abgesehen kann man OOMPH! auch mit „XXV“ keinerlei technische Schwächen anlasten: Der Sound ist altbekannt professionell, mehrdimensional und voll gestaltet, interessant arrangiert und besteht aus einer sauberen und druckvollen Produktion, welche zu keiner Zeit über-, unterladen oder gar zu kitschig klingt, obwohl der Großteil des Albums von eher feinsinnigen bis machtbesessenen Balladen beherrscht wird. Inhaltlich bewegen sich Dero und Co. dabei abermals in morbiden, melodischen und liebestrunkenen Gefilden zwischen Sex, Gewalt, Tod und Liebe und bieten einen ganzen Erlebnispark an Songs. Tatsächlich erhält man man mit nur einer CD eine ganze Palette unterschiedlicher Inhalte und „Tiefgänge“; vom inhaltlich platt anmutenden „Jetzt Oder Nie“ bis hin zum konzeptionellen „Mary Bell“ erhält man alles, was man für einen kurzweiligen Aufenthalt im CD-Player sucht, nämlich haufenweise Abwechslung mit Ohrwurmpotential. Letztgenannter Track, „Mary Bell“, handelt beispielsweise von der mit elf Jahren wegen zweifachen Totschlags verurteilten Mary Flora Bell, welche durch ihre bis heute verstörende Geschichte Schlüsselfigur des Songs wurde, und liefert neben dem stimmungsvoll mehr als gelungenen „Leis, Ganz Leis“, welches vom romantisierten Tod einer Dame handelt, einen der Höhepunkte des Albums.

Das höchste Tempo erreichen OOMPH! nicht nur bei „Zielscheibe“, sondern auch bei „Fleisch Und Fell“, welcher von der Aufmachung her nicht ganz zu den restlichen Tracks passen will und auch hinsichtlich Deros stimmlicher Nutzung ein RAMMSTEIN-Song älterer Tage sein könnte. Dies bleibt beileibe aber auch der einzige RAMMSTEIN-Vergleich, denn OOMPH! mögen polarisieren, aber nicht kopieren – zumindest nicht andere Bands als sich selbst. Wer also mehr als fünf Hörminuten „opfert“, sollte schnell merken, dass OOMPH! ihren unverkennbaren und einzigartigen Stil und Inhalt weiter ausbreiten, wenngleich inhaltlich glücklicherweise dem zuletzt erschienenen und stark kritisierten lyrischen Comedy-Ausrutscher die kalte Schulter gezeigt wird.

Um ein Fazit zu ziehen: „XXV“ ist eine stimmige Schnittmenge aus einer erwachsenen und abwechslungsreichen Portion OOMPH!, bei welcher selbst die weniger spektakulären Momente eine überzeugende Leistung abliefern. Zwar gibt es keine musikalischen Unvorhersehbarkeiten, aber das Album ist eines ihrer stärksten und läutet das Jubiläum gebührend ein. Passend dazu zum Ende ein Video zum Titel „Alles Aus Liebe“, welcher allein durch das Video einen ganz anderen „Sinn“ bekommt.

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07.09.2015

The world is indeed comic, but the joke is on mankind.

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3 Kommentare zu Oomph! - XXV

  1. OvO sagt:

    Naja, nachdem Oomph für „Wahnsinn“ einiges an (unberechtigter) Kritik einstecken musste, haben sie sich eben wieder auf das besinnt was bei ihren Mainstream-Fans so gut ankam. Und mehr ist dieses Album leider auch nicht. Ein Wiederdurchkauen alter Stilistiken. Weder musikalisch noch thematisch etwas neues oder besonderes. Mich hats daher auf ganzer Linie enttäuscht. Ich gehöre aber auch zu den Wenigen, die „Wahnsinn“ für ein sehr gutes Album halten. Das Album hat nichts mit Comedy zutun sondern war zum einen Teil kabarettistische Gesellschaftskritik vom aller Feinsten und zum anderen Teil so tiefgehende und wunderschön melancholische Songs wie ich sie selten gehört habe. Manche sollten einfach mal lernen das Veränderungen nicht gleich schlecht sind. Aber soviel Offenheit kann man von der Fangruppe einer Band wie Oomph wohl nicht erwarten. ^^

    5/10
    1. Magdalena sagt:

      Also, ich finde auch, daß „Des Wahnsinns fette Beute“ zu viel negatives Feedback bekommen hat, auch von sogenannten „Fans“… Dabei haben Oomph! mit dem Album einfach nur bewiesen, dass sie keine Angst vor neuem haben u.sich selber nicht so ernst nehmen…Aber es wäre wohl besser gewesen, wieder u.wieder bereits besungenes rauszubringen, damit sich die CD verkauft…Nee, mal im Ernst, warum kann eine Band nicht die Musik machen, die sie gerne machen will?!-Freilich entwickelt man sich als Band auch nach so vielen Jahren musikalisch u.ey, Depeche Mode machen ja auch nicht sein 30 Jahren synthetischen Pop… Oomph! sind genial u.einzigartig, so wie sie sind! Und Dero ist ein göttlicher Sänger, warum soll er denn nicht so gefühlvolle Balladen, wie „Regen“ auf „Des Wahnsinns fette Beute“ singen o.eben „Unter diesem Mond“ jetzt?! – Soll er wütend „Gekreuzigt“ schreien…wieder u.wieder „Augen Auf!“ ist genial (gewesen u geblieben), aber möchtegern „Fans“ die bei kommerziellem Erfolg gekommen sind, können wieder gehen, wenn sie nicht verstehen, daß eine Band kreativen Freiraum braucht.